Züchternachwuchs an der Ostschweizer Rinder Nightshow

Über 80 Jungzüchter präsentierten am Samstag rund 150 Tiere verschiedener Milchviehrassen in der Markthalle Wattwil. Das Interesse der Ausstellerinnen und Aussteller war spürbar gross. Doch der Aufwand für eine Teilnahme ist in den letzten Jahren enorm gestiegen.

Die Supremechampion Zrotz Brice Vera bringt viel Freude in den Stall der Gebrüder Salzgeber.

Es existieren verschiedene, meist kantonale, Jungzüchtergruppen in der Schweiz. So zum Beispiel auch die Vereinigung St.Gallen/Appenzell für die Rasse Braunvieh. Um aber alle Milchviehrassen in einer Jungzüchtervereinigung zu bündeln, wurde im Jahr 2012 der Jungzüchterverein Ostschweiz gegründet. «Wir Jungzüchter haben grundsätzlich alle das gleiche Ziel, egal, welche Milchviehrasse gezüchtet wird», erklärt der damalige Gründungspräsident Dominik Sätteli aus Mörschwil. An der Rindernightshow in Wattwil, organisiert durch die Jungzüchter Ostschweiz, war dies eindrücklich zu bestaunen. Bunt gemischt waren die 150 Tiere der Rassen Holstein, Redholstein, Jersey und Braunvieh im Viehzelt angebunden.

Enormer Platzbedarf

Ab zehn Uhr rollten die Viehwagen auf den grossen Parkplatz der Markthalle Wattwil. Infolge der gleichzeitig stattfindenden Ostschweizer Eliteschau Holsteinkühe waren insgesamt gegen 120 Aussteller mit rund 230 Tieren angemeldet. Obwohl viele Tiere gemeinsam transportiert wurden, waren letztlich doch unzählige Viehwagen einzuweisen. «Das war etwas aussergewöhnlich und hat uns gefordert», meinte Wisi Arnet, Parkplatzeinweiser der Markthalle Wattwil. Diesen Dienst hatte Hallenchef Ernst Schläpfer zu koordinieren. Sechs seiner routinierten Leute erfüllten diese Aufgabe vom Vormittag bis zum späten Abend. Im Übrigen war aber die Markthalle vorwiegend in den Händen der Jungzüchter Ostschweiz. «Wenn die Aussteller die Gastronomie selbst übernehmen wollen, stellen wir ihnen selbstverständlich unsere vorhandenen Einrichtungen zur Verfügung», informierte Ernst Schläpfer.

Tiere müssen gestylt werden

Aus der Ostschweiz, der Zentralschweiz und dem Kanton Aargau stammten Aussteller und Tiere an der alljährlich stattfinden Rindernightshow. Um dabei mitzumachen, muss man Mitglied in einer eingetragenen Jungzüchtergruppe sein. Anhand der Mitgliederzahl wird der Gruppe mitgeteilt, wie viele Tiere ihr Auffuhrkontingent beträgt. «Dies hat vorzüglich funktioniert», gab Ralf Egger, Mitglied des Organisationskomitees, Auskunft. Es sei aber auch Tatsache, dass man nicht mit Anmeldungen überrannt worden sei. Nicolas Roth, Präsident der Jungzüchter Ostschweiz, kennt den Grund: Der Aufwand, an einer Ausstellung mitzumachen sei enorm. Ein Tier in der Ausstellungswoche in den Stall zu holen, zu scheren und ein wenig an das Vorführen zu gewöhnen, sei Vergangenheit. «Dies muss schon einige Wochen vorher passieren. Das Vorführen muss absolut ruhig praktiziert werden und ohne ausführliches Styling hat ein Tier keine Chance in der Rangierung», erklärte Nicolas Roth aus Amriswil. Es gebe darum schon auch Jungzüchter, welche die Aufgabe als übertrieben ansehen.

Kuhstyling
Ohne sorgfältiges Herausputzen der Tiere ist kein Podestplatz zu holen.

Vorführen muss gekonnt sein

Der erste Programmpunkt der Ausstellung war der Showmanship-Wettbewerb. Dabei geht es um ein ideales Präsentieren. Wie viel Aufmerksamkeit leisten Mensch und Tier gegenüber dem einzustellenden Richter. Jedes Zeichen des Experten muss sofort angewandt werden. Jonas Giger aus dem solothurnischen Hägendorf rangierte in Wattwil die 26 teilnehmenden Paare. Dabei kam es vor, dass er kurzerhand Vorführende das Tier untereinander wechseln liess. «Es spielt in diesem Fall keine Rolle, wie prächtig das Tier aussieht. Ich fordere einfach eine schnelle Verbundenheit vom Vorführpaar zu mir», erklärte Jonas Giger. Allen Teilnehmenden gab er nach der Teilnahme Ratschläge zur Verbesserung ihrer Arbeit mit auf den Weg. Den Sieg im Final holte sich der Berner Michael Fankhauser vor Jana Schramm aus dem Kanton Aargau und dem Luzerner Michael Lustenberger.

Ein Brownswiss-Tier holt den Gesamtsieg

18 Abteilungen Rinder waren einzustellen. Damit dies in gutem Zeitrahmen erledigt werden konnte, fanden die Rangierungen in zwei Ringen gleichzeitig statt. Alain Jungo und Roman Schirmer erledigten diese anspruchsvolle Aufgabe bravourös. Kurze, flüssig vorgetragene Begründungen folgten jeweils ihren straff praktizierten Rangierungen. Es war für die Zuschauer interessant, dass vier verschiedene Rassen eingestellt wurden. Die feinen und kleingewachsenen Jerseys konnten ebenso begeistern wie grossgewachsene Holsteinrinder. Spannungsvoll war dann die Ausmarchung des Titels Supremechampion der Rindernightshow 2022. Vier Siegertiere ihrer Rasse stellten sich zur Wahl. Die beiden Richter entschieden sich für Zrotz Brice Vera von Tom Salzgeber aus dem bündnerischen Pany. Dieses Rind hatte schon eine Woche zuvor den Sieg am GP von Sargans geholt.

Eine Gruppe Jersey-Rinder wird von den Vorführenden mit viel Leidenschaft präsentiert.

«Anlass macht Freude»

Michael Lieberherr, Präsident des Organisationskomitees, zeigte sich glücklich über den Anlass. «Es hat wunderbar geklappt. Dank grosser Leidenschaft von Teilnehmenden und Organisierenden macht dieser Anlass richtig Freude.» Diesen im nächsten Jahr wieder durchzuführen, stehe so nichts im Weg.

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