Wintertagung: Mehr Alpkäse in Spitzenqualität und aktuelle Lage
Am Freitag, 6. Februar 2026 fand in der Markthalle School in Sargans die Wintertagung der Alpsektionen Sarganserland-Linthgebiet und Werdenberg-Rheintal statt. Markus Ritter sprach über die aktuelle Marktlage und, wo der Schuh drückt.

Rund 200 Älplerinnen und Sennen, Delegationen von Alpkorporationen und Ortsverwaltungen, Vertreter von Gemeinden, Kanton und Bund sowie Bauernorganisationen liessen sich am Freitagnachmittag an der Wintertagung der Alpsektionen Sarganserland-Linthgebiet und Werdenberg-Rheintal in der Markthalle School in Sargans über den vergangenen Alpsommer, die Käseproduktion, Gesetzesänderungen und vieles mehr informieren. Tagungsleiter Marco Bolt von der Fachstelle Betriebs- und Alpwirtschaft des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen in Salez führte gekonnt durchs dreieinhalbstündige Programm und kam selbst auf verschiedene Aspekte der Sommerbeweidung in den Bergen zu sprechen.
Verschiedene Referate
Besonders gespannt wartete das Plenum auf den Auftritt von Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands und Nationalrat, der die aktuelle Marktsituation beurteilte und klar definierte, wo der Schuh drückt. Heinz Feldmann von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) thematisierte die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz auf Alpen. Patrick Sieber und Kelly Gray von der Rega vertieften das Thema «Lufttransporte für Bergbauern», also für Heli-Einsätze überall dort, wo kein anderes Transportmittel eingesetzt werden kann.
Doch bevor die Tagung mit den Traktanden in Angriff genommen wurde, gab es eine Gedenkminute für Christoph Högger. Der Abteilungsleiter Direktzahlungen im Landwirtschaftsamt des Kantons St. Gallen ist im letzten Sommer bei einer Churfirstenwanderung von einem Gewitter überrascht und durch Blitzschlag tödlich verunglückt.
Die «perfekte Alpkuh» gesucht
Welche Kuhrasse rettet die Alpen? Diesen Einstieg wählte der Präsident der Alpsektion Sarganserland-Linthgebiet, Emil Tschirky aus Weisstannen, bei seinem Rückblick auf den Alpsommer 2025. Die Frage bezieht sich auf eine vom Schweizer Fernsehen produzierte «Einstein»-Sendung mit dem Melser Moderator Tobias Müller, die aufzeigte, dass Hochleistungskühe zu gross und zu schwer sind für steile Berghänge. Andererseits gehe jährlich eine Weidefläche in der Grösse des Walensees durch Verbuschung verloren. Um dies zu stoppen, sucht ein Team der Forschungsanstalt Agroscope in einem Projekt die «perfekte Alpkuh».
Nach der letzten Wintertagung sei klar gewesen, dass der Sommer 2025 zusätzliche Herausforderungen für die Alpbestossung bringen werde. Dies aufgrund von Moderhinke und Blauzungenkrankheit, aber auch infolge des Klimawandels, eröffnete Tschirky seinen Jahresbericht.

Durchzogener Sommer
Charakteristisch für den Alpsommer seien die starken Wetterschwankungen gewesen. «Auf heiss und trocken wurde es wieder kalt und nass.» Geringe Schneemengen und ein warmer, trockener Frühling hätten auf eine historisch frühe Alpauffahrt hingedeutet. Doch die Maitemperaturen hätten diese Euphorie wieder gedämpft. Der Regen Ende Mai und Anfang Juni mit anschliessender Schönwetterperiode habe sich positiv auf den Futterwuchs und dessen Qualität ausgewirkt. Auf den Hochalpen allerdings hätten kalte Nächte den Graswuchs gehemmt. Dank Mehraufwand im Herdenschutz hätten die Wolfsrisse auf einem statistischen Tief gehalten werden können, so Tschirky weiter. Und: Sorgenfalten bereite die Tatsache, dass Strukturförderungsgelder bereits im Herbst aufgebraucht gewesen seien und zum Teil politisch auf wackligen Beinen stünden. Die durchschnittliche Alpzeit auf den 37 «reinen» Milchkuhalpen auf St. Galler Gebiet fiel um drei bis fünf Tage kürzer aus als im Jahr 2024. Mit der Schwägalp wurden auf St. Galler Alpen insgesamt 4,094 Millionen Kilo Kuhmilch gemolken. Nebst anderen Nahrungsmitteln wurden noch 374 418 Kilo Käse hergestellt – ein Rekordwert. Im Sarganserland stellten die Älpler zudem eine Tonne Butter mehr her als in den vier Jahren zuvor. Auf den Alpen Siez, Schrina und Malschüel wurden von 409 Geissen 55 226 Kilo Ziegenmilch gemolken, woraus über fünf Tonnen Ziegenkäse entstanden. Trotz Witterungskapriolen und Herausforderung Wolf konnte auf den 27 Sarganserländer sowie zehn Toggenburger und Rheintaler Kuhalpen mehr gemolken werden.
Treue Älpler geehrt
An der Wintertagung in Sargans wurden insgesamt neun Älpler beider Alpsektionen geehrt, die zum Teil über 50 Jahre im Kanton St. Gallen, teilweise auch in umliegenden Kantonen, auf Alpen tätig waren. Die beiden Sektionspräsidenten Emil Tschirky und Hanspeter Gantenbein überreichten den Geehrten eine Urkunde und dankten ihnen für ihre wertvollen Dienste in den Bergen. Jeder Jubilar wurde persönlich gewürdigt.
Umdenken und Handeln
Wer den Rheintaler Markus Ritter kennt, weiss, dass er ohne «Spickzettel» am Rednerpult steht und ein geschickter Taktiker ist. So hat er auch in Sargans als Erstes positive News verkündet: Die Situation auf dem Fleischmarkt sei momentan zufriedenstellend. Pro Kopf würden rund 50 Kilo Fleisch konsumiert. Der Erlös für die Züchter bewege sich mehrheitlich auf einem vernünftigen Niveau. Dann schwenkte Ritter um zum Thema Milch. Die Milchmengen liegen derzeit deutlich über der Produktion der Vorjahre. Eine derart starke Dynamik in so kurzer Zeit sei in der Milchproduktion nur selten zu beobachten, sagte Ritter. Dass nach der Alpentladung im August/September die Milchmenge ansteige, sei normal. Doch die gemolkene Milchmenge sei auch während der Wintermonate hoch geblieben. Wesentlich dazu beigetragen habe im letzten Jahr die Ernte von qualitativ hochstehendem Futter mit guten Inhaltsstoffen. Die starke Produktion sowie die hohen US-Zölle machen dem Milchmarkt zu schaffen. Es drohe das Szenario, dass aufgrund fehlender Verarbeitungskapazitäten nicht mehr alle Milch in der Schweiz verarbeitet werden könne. Kurzfristig sei es wichtig, dass die Milchproduzenten den Fuss vom Gaspedal nähmen. In der Kälberaufzucht sieht Ritter eine Möglichkeit, der überschüssigen Milch Herr zu werden. Ausserdem könnte man Kühe, «von denen man sich trennen kann», für die Fleischproduktion mästen. Mehr Gewicht bedeute schliesslich einen grösseren Erlös. Ausserdem sollten die Landwirtschaft und der Handel den Konsumenten die Schweizer Produkte noch «schmackhafter» machen.
