Wildhauser Tagung: Hohe Milchmengen und steigender Druck

Hohe Milchmengen treffen auf steigenden Preisdruck. An der Wildhauser Tagung am 6. Dezember 2025 wurde klar, wie sehr der Ruf nach Mengenreduktion die Branche spaltet und wie gross die Sorgen von Produzenten, Verarbeitern und Politik sind.

Die traditionelle Wildhauser Tagung widmete sich vergangenen Samstag dem Thema «Hohe Milchmengen und steigender Druck». Nationalrat Martin Hübscher, Präsident Mooh, sprach zur «aktuellen Lage der Produzenten, und der St. Galler Kantonsrat Christof Züger gab Einblick in «die aktuelle Lage der Milchverarbeiter». Bei der Podiumsdiskussion mit Moderator Peter Nüesch war auch Regierungspräsident Beat Tinner dabei.

Wie emotional das Thema geprägt ist, kurzfristig weniger Milch zu liefern, wurde rasch deutlich. Christof Züger wies darauf hin, dass die Verantwortung zur Reduktion bei den Produzenten liege. Beim Publikum wurden diesbezüglich Bedenken geäussert. «Es wäre zielführend, wenn die Milchproduzenten ihren Viehbestand überprüfen und einzelne Kühe schlachten», so Züger. Dem hielten zwei Landwirte entgegen: «Einfach gesagt, ich soll kurzfristig fünf Prozent weniger Milch liefern. Meine Investitionskosten sinken aber nicht um fünf Prozent.» Ganz allgemein wurde vonseiten der Anwesenden betont, dass die Milchproduzenten im Regen stehen gelassen werden, oder wie es einer auf den Punkt brachte: «Den Letzten beissen die Hunde.»

Stärke und Unabhängigkeit

Für Martin Hübscher, Präsident der Mooh, stellte sich die Frage, wie die Solidarität zwischen den Bauern gefördert werden könnte. Seiner Ansicht nach funktioniert das heutige System in Zukunft nicht mehr, gebe es doch aktuell 90 Millionen Liter zu viel Milch. «Wir müssen schauen, wie andere Branchen ihre Probleme lösen. Es kann nicht sein, dass von einer Seite die Stützung kassiert wird, eine andere Seite aber die Probleme lösen sollte. Was wir in unserer Branche benötigen, ist Wertschätzung und Wertschöpfung.»

Gleich zu Beginn des Referats stellte der Mooh-Präsident klar, dass die Branche ihre Stärke, aber auch die Unabhängigkeit bewahren müsse. Die von ihm präsidierte Organi- sation werde von 3600 Familienbetrieben aus der ganzen Schweiz mitgetragen. Das Credo «Die richtige Milch am richtigen Ort» werde hochgehalten. Mit einem Blick auf die Entwicklung der Milchproduktion von der damaligen Kontingentierung bis hin zur aktuell zu hohen Menge war einiges zu hören. Fest stehe, für einen guten Milchpreis brauche es entlang der gesamten Kette gleich lange Spiesse. Zudem verwies Martin Hübscher auf den Wechselkurs: «Bei der Einführung des Käsefreihandels mit der Europäischen Union lag der Wechselkurs vom Franken zum Euro bei 1.63. Heute sind es noch gut 93 Rappen.» Die Verkäsungszulage liege bei 15 Rappen, und diese müsse erhöht werden, verlangte er.

Die Landwirtschaft sei, wie er mit einer Grafik bewies, nicht für das Ausgabenwachstum des Bundes verantwortlich. Als störend erachtete der Referent auch die Tatsache, dass Milchproduzenten im Schnitt nur einen Stundenlohn von 13 Franken erreichen.

Peter Nüesch moderierte die Podiumsdiskussion mit Christof Züger, Beat Tinner und Martin Hübscher (von links).
Peter Nüesch moderierte die Podiumsdiskussion mit Christof Züger, Beat Tinner und Martin Hübscher (von links).

Markt stabilisieren

Christof Züger, einer der beiden Brüder, der die Züger Frischkäse AG in Oberbüren führen, betonte: «Aktuell treffen hohe Milchmengen auf steigenden Preisdruck.» Deshalb erachte er es als nötig, dass seine 480 regionalen Milchlieferanten, die ausschliesslich für sein Unternehmen produzieren, die Menge drosseln. Er vertrat die Ansicht, dass entweder Kühe geschlachtet, vermehrt Vollmilch zum Tränken von Kälbern oder der teilweise Verzicht auf Kraftfutter zur Erreichung des Ziels nötig seien. Die erste Forderung, Kühe zu schlachten, sei mit Emotionen verbunden, aber es führe kein Weg daran vorbei. «Die Verantwortung liegt bei den Milchproduzenten, wir als Verarbeiter können nur darauf hinweisen, dass unsere Lieferanten zwischen 95 und 105 Prozent der vereinbarten Menge liefern können und wir aktuell ganz einfach zu viel Milch haben.»

Für Christof Züger ist deshalb klar: «Wir müssen die Milchmenge sofort reduzieren, um den Schweizer Markt zu stabilisieren. Sonst droht uns auf Frühjahr 2026 ein Chaos.»

Ein Blick auf das Unternehmen zeigt, dass mit 38 Prozent ein stattlicher Anteil der Produkte in den Export geht. «Wir profitieren einerseits vom Freihandel mit der Europäischen Union, setzen aber auch auf Märkte in Fernost und versuchen, weitere Kanäle zu erschliessen», so Christof Züger. Doch wer täglich gut 600 000 Kilo Milch verarbeite, müsse sich am Markt orientieren. Zudem legte er dar, dass von jedem erwirtschafteten Franken nur 27 Rappen zur Deckung sämtlicher Betriebskosten im Unternehmen bleiben. 70 Rappen gehen an die Produzenten, und 3 Rappen benötigen wir für die Verpackung.» Als Vergleich verwies er auf die Maschinenindustrie, dort sei das Verhältnis 40 zu 60.

Hohe Verschuldung

Beat Tinner, er ist nicht nur St. Galler Regierungspräsident, sondern auch Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Kreditkasse, bereitet die hohe Verschuldung vieler Betriebe Sorge. «Selbst innerhalb der Familie werden Darlehen, sei es von den Eltern, Geschwistern oder Ehepartnern, stehen gelassen. Als Folge davon sind nebenerwerbliche Tätigkeiten nötig.» Zudem werde die Perspektive für die Landwirtschaft nicht einfacher, «während die einen auf Menge setzen, versuchen sich andere mit Nischenproduktionen.» Tinner wies darauf hin, dass die technischen Installationen in den Ställen enorm zugenommen hätten. «Das wurde mir eindrücklich bei der Besichtigung des Neubaus der Familie von Markus Ritter in Altstätten bewusst. Wenn ich dies mit dem in den 1960er-Jahren von meinem Vater gebauten Stall vergleiche, ist das eine völlig andere Welt.»

Peter Nüesch, Präsident des Fachausschusses Landwirtschaft, zeigte sich zum Schluss der Veranstaltung überzeugt, dass die Themenwahl den «Puls der Zeit» getroffen hat. Weniger melken klinge einfach, aber die Umsetzung sei schwierig. Für ihn ist klar, dass der Markt kurzfristig ins Lot gebracht werden müsse, und da sei die ganze Branche gefordert.

 

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