Waldbegehung mit Rehen, Neophyten und Holzenergie

Bei der Waldbegehung der Ortsgemeinde Balgach vom 30. August 2025 erhielten die Teilnehmenden Einblicke in drei Themen: die Jagd, den Umgang mit Neophyten und die Nutzung von Holz als Energiequelle.

Die drei Jäger Urs Hutter, Roger Hendry und Michele Martilotti gaben spannende Einblicke in die Jagd.
Die drei Jäger Urs Hutter, Roger Hendry und Michele Martilotti gaben spannende Einblicke in die Jagd.

Die Ortsgemeinde Balgach lädt jedes zweite Jahr zu einer Exkursion ein. Dabei erfahren die Balgacher Wissenswertes über die Natur und nutzen zugleich die Gelegenheit zum gemütlichen Zusammensein. Trotz unsicherer Wetterlage versammelten sich zahlreiche Interessierte beim Werkhof Listen im Balgacher Wald. Während die Erwachsenen an drei Posten von Fachpersonen spannende Einblicke erhielten, bot die Pfadi Mittleres Rheintal den Kindern bei der Finnenbahn ein abwechslungsreiches Programm.

Tradition und Freizeitdruck

In einer Waldlichtung etwas oberhalb des Werkhofs erwartete die Besucher ein eindrücklicher Anblick: Auf einem mit Tarnnetz abgedeckten Tisch lagen Präparate von Dachs, Fuchs, Hase, Marder sowie verschiedenen Vögeln, daneben Jagdgewehre, Feldstecher, Lockpfeifen und Kartenmaterial. Dahinter standen Mitglieder der Jagdgesellschaft Balgach. «Wer jagt, trägt Verantwortung – für das Wild, für den Wald und für die Menschen. Unsere Aufgabe ist es, die Bestände im Gleichgewicht zu halten und Schäden an der Natur zu verhindern», sagte Urs Hutter, Obmann der Balgacher Jäger. Im Jagdrevier Balgach dominieren Rehe, andere Wildtiere sind selten. Zwar gibt es seit rund zehn Jahren auch Wildschweine, doch zu Gesicht bekommt man sie kaum. «Am ehesten bei Vollmond oder im Winter bei Schnee», erklärte Urs Hutter.

Ein wichtiger Partner auf der Jagd ist der Hund. Doch bis er zuverlässig arbeitet, ist eine lange und intensive Ausbildung nötig. Ein tolles Team sind Michele Martilotti und sein Deutscher Wachtelhund. Mit seiner feinen Nase stöbert der Jagdhund Wild aus der Dickung auf und folgt seiner Schweissspur, der Fährte eines verletzten Tieres, über weite Strecken. «Der Hund ergänzt den Jäger in einer Art, wie es kein technisches Hilfsmittel je könnte», erklärte Martilotti.

Unscheinbar, aber gefährlich

Danach ging es für die Gruppe weiter zur nächsten Station. Am Wegrand demonstrierte Christine Hutter von «Balger Natur», wie schnell sich fremdländische Pflanzenarten wie Goldrute, Kirschlorbeer, Sommerflieder oder Berufkraut im Rheintal ausgebreitet haben und damit einheimische Arten verdrängen. «Was hübsch aussieht, ist nicht immer harmlos», mahnte Christine Hutter. «Viele Neophyten haben keine natürlichen Feinde, bilden starke Wurzeln und setzen sich in einheimischen Lebensräumen rasch durch.» Seit dem 1. September 2024 dürfen gemäss Freisetzungsverordnung des Bundes bestimmte Neophyten nicht mehr verkauft, verschenkt oder importiert werden – darunter beispielsweise Kirschlorbeer und Sommerflieder. Bereits vorhandene Pflanzen müssen zwar nicht zwingend entfernt werden, doch ihre weitere Verbreitung soll unbedingt verhindert werden.

Christine Hutter und ihr Team setzen auf regelmässige und wiederholte Pflegeeinsätze. Bei solchen Aktionen werden die Neophyten von Hand mitsamt Wurzel ausgegraben, um einen Wiederaustrieb zu verhindern. Eine rasche Wiederbegrünung mit einheimischen Pflanzen sorgt dafür, dass keine neuen invasiven Arten Fuss fassen können. Als Ersatz für problematische Exoten empfiehlt «Balger Natur», bewusst auf einheimische Sträucher zu setzen, etwa Holunder, Pfaffenhütchen, Vogel- oder Kornelkirsche. Diese sind nicht nur pflegeleicht, sondern bieten auch wertvollen Lebensraum und Nahrung für Vögel, Schmetterlinge und Insekten.

Eindrücklich: Baumstämme werden innert Sekunden zu Holzschnitzeln gehackt.
Eindrücklich: Baumstämme werden innert Sekunden zu Holzschnitzeln gehackt.

Wärme aus dem Wald

Nach dem Vortrag über Neophyten führte der Weg die Gruppe zur dritten Station, wo es um Holz als nachhaltige Energiequelle ging. Vor einem Anhänger voller Holzschnitzel erklärte Revierförster Josef Benz: «Holzenergie ist mehr als nur Heizen. Sie verbindet den Wald, die regionale Wirtschaft und den Klimaschutz in einem geschlossenen Kreislauf.» Die Gruppe erfuhr, dass die Wald Holz Energie AG jährlich Zehntausende Kubikmeter Restholz zu Holzschnitzeln verarbeitet. Damit lassen sich öffentliche Gebäude, Gewerbebetriebe und auch Privathaushalte versorgen. Zur Einordnung nannte Benz ein Beispiel: Der Jahresverbrauch eines Einfamilienhauses von rund 5000 Kilowattstunden kann vollständig mit regionalen Holzschnitzeln gedeckt werden. Besonders eindrücklich wurde es, als der grosse rote Hacker in Aktion trat. Mit kräftigem Greifarm packte er Baumstämme und Äste, zerkleinerte sie in Sekunden und blies die frischen Schnitzel direkt in den Container. Für die Anwesenden war offensichtlich: Hier wird nicht nur Holz gehackt, sondern ein nachhaltiger Kreislauf geschlossen. Aus dem, was im Wald anfällt, entsteht klimaneutrale Energie für die Region – kurze Transportwege inklusive. «Wärme aus dem Wald. Regional, nachhaltig, stark», fasste Benz zusammen. Damit wurde deutlich, dass Holzenergie nicht nur eine technische Lösung, sondern auch ein wichtiger Beitrag zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung ist.

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