Wie gutes Management Ödemen vorbeugen kann

Die Schweinehalter kämpfen nach dem erfolgreichen vergangenen Jahr gegen eine momentane Überproduktion. Diese schiefe Marktlage und das aufkommende Problem der Ödemkrankheit könnten laut Referenten der Ufa-Tagung in Kirchberg vom 20. Januar 2026 mit gutem Management verhindert werden.

Der Vortrag von Alexander Grahofer interessierte die Besucher.
Der Vortrag von Alexander Grahofer interessierte die Besucher.

Über 50 Personen folgten der Einladung zur jährlichen Informationsveranstaltung der Ufa in das Restaurant Toggenburgerhof in Kirchberg. Ufa-Verkaufsleiter Urs Berweger begrüsste die Interessierten und zeigte ihnen zuerst den Stand der Entwicklungen der Ufa-Futterproduktion. Die Druckentwesung (Verfahren zur Schädlingsbekämpfung) bezüglich Minimierung von Käferbefall im Futter, die Kapazitätserweiterung für den Loseverlad in St. Margrethen sowie die neue Absackanlage in Sursee bildeten einige der technischen Neuerungen von Ufa Schweiz. Weiter orientierte Urs Berweger über Umstrukturierungen im Ufa-Versuchsbetrieb in Hendschiken bezüglich Poulethaltung. «Wir sind stolz auf den an der Suisse Tier 2025 erhaltenen Spezialpreis für das von uns neu geschaffene Futtermittel Relaxo mit dem Slogan «Fressen ohne zu stressen». Nebst Tryptophan, Magnesium und Natrium sind in diesem Futtermittel auch Brennnesselpulver, Fenchelsamen und für die Appetitanregung Süssstoffe enthalten.

Erfreuliche Ergebnisse

Zuchttechniker Hanspeter Hohl zeigte in einer Statistik die wiederholte Steigerung der Anzahl Ferkel pro Sau und Jahr in 59 330 ausgewerteten Würfen. Innerhalb von drei Jahren erhöhte sich diese um ein ganzes Tier auf 25,7 Ferkel. Nach wie vor positiv entwickelte sich auch der sinkende Saugferkelverlust auf 10,3 Prozent. «Der allgemeine Deckungsbeitrag hat nach 2024 auch im vergangenen Jahr mit 2575 Franken pro Schwein eine erfreuliche Dimension erreicht. Den miserablen Jahren 2022/23 ist nun die von Schweinezüchtern ersehnte Morgenluft eingeflossen.» Zusammenfassend hielt Hanspeter Hohl fest, dass die gute Arbeit im Deckzentrum der Ufa einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg habe. Ähnlich positiv präsentierte sich auch die Jahresauswertung der Mastbetriebe mit 573 Auswertungen. Der Deckungsbeitrag von Fr. 82.80 bewege sich durchschnittlich klar über den Ergebnissen der vergangenen Jahre. Gründe dafür seien die klare Reduktion von Abgängen und die Kostensenkung der Fütterung.

Gespannte Marktlage

Julius Jordi, Leiter Region Ostschweiz der Anicom, informierte über die aktuelle Marktsituation. «Der Schock sitzt tief. Innerhalb einer Woche sank der QM-Mastjagerpreis um einen ganzen Franken auf momentan Fr. 4.20.» Dafür verantwortlich seien die negative Entwicklung im Fleischkonsum, die steigende Anzahl Ferkel pro Wurf und die steigenden Schweinefleischimporte. Nicht optimal sei auch das momentane Verhalten der Grossverteiler. Migros habe seine Strategie geändert: Preis statt Nachhaltigkeit. Der harten Preisoffensive von Aldi bezüglich Frischfleisch sei nun auch Coop gefolgt. «Klar ist aber auch, dass eine Überproduktion stattfindet. Sobald mehr als 45 000 Schweine pro Kalenderwoche geschlachtet werden, gerät der Absatz unter Druck.» Im Spätsommer seien monatelang über 48 000 Schlachtungen zu verzeichnen gewesen. Um solche Schweineüberhänge zu vermeiden, sei von der Proviande, der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden. Kurz erwähnte Julius Jordi noch die gebotene Vorsicht im möglichen Kontakt mit Wildschweinen. «Lieber die Zäune vorsorglich einkaufen und früh genug aufstellen, um der Schweinepest rigoros entgegenzutreten.»

Julius Jordi, Hanspeter Hohl, Urs Berweger und Alexander Grahofer (von links) hatten sich gut auf ihre Informationen vorbereitet.
Julius Jordi, Hanspeter Hohl, Urs Berweger und Alexander Grahofer (von links) hatten sich gut auf ihre Informationen vorbereitet.

Problem Ödemkrankheit

Ein Ödem ist die Schwellung von Körpergewebe, entstanden durch Wassereinlagerung, und meistens die Folge einer zugrundeliegenden anderen Erkrankung. Eine umfassende Information darüber lieferte den Anwesenden Alexander Grahofer von Vetsuisse. In den letzten fünf Jahren habe sich dieses Problem auf Schweinezuchtbetrieben vermehrt gezeigt. Ausschlaggebend bei der Entstehung ist das Zusammentreffen von E.-Coli-Bakterien und Shigatoxin. Betroffen sind Schweine ab dem zehnten Lebenstag. «Die Ödemkrankheit tritt gewöhnlich ein bis zwei Wochen nach dem Absetzen auf und betrifft typischerweise die schönsten Tiere einer Gruppe.» Gewöhnlich treffe es 30 bis 40 Prozent einer Gruppe, wovon aber hohe 90 Prozent dem Tod geweiht seien. Selten komme dies auch bei säugenden Ferkeln oder erwachsenen Schweinen vor. Es existieren drei verschiedene Krankheitsverläufe. Wenn das Ödem sehr akut auftritt, ist ein Tier gesund und dann urplötzlich tot. Bei akutem Verlauf tritt Husten auf, Lidödeme zeichnen sich ab und die schwankenden Tiere liegen oft bald fest. Beim chronischen Verlauf sind Kreisbewegungen, Kopfschiefhalten und Verkümmerung die Anzeichen für ein Ödem. Eine Behandlung über das Futter kann möglicherweise helfen. Akut erkrankte Tiere müssen mit Antibiotika oder Entzündungshemmer therapiert werden. Dafür muss aber sowohl der Nachweis für E. Coli als auch jener für das Toxin vorhanden sein.

Muttermilch und Management

«Das sofortige Saugen von Kolostrum in genügender Menge nach der Geburt ist ein entscheidender Faktor zur Vorbeugung eines Ödems. Zahlenmässig grosse Würfe können hier einen negativen Einfluss haben», erklärte Alexander Grahofer den Interessierten. Als absolut entscheidend betrachtet er den sorgsamen Umgang mit den Ferkeln beim Absetzen. Der plötzliche Abschied von der Mutter und deren Muttermilch in eine neue Gruppenhaltung mit Ferkeln aus anderen Würfen könne negativ beeinflussen. Der Wechsel von warmer, flüssiger zu kalter, fester Nahrung mit erhöhtem Wasserbedarf löse ebenfalls Stress aus. «Es lohnt sich, dem Ferkel schon vor dem Absetzen pflanzliches Eiweiss schmackhaft zu machen.» Es existierten sowohl resistente als auch nicht resistente Vaterlinien bezüglich Ödemkrankheit. Nichts sei aber ausgeschlossen, warnte Alexander Grahofer. Seine Ausführungen wurden von den Besuchern mit viel Applaus honoriert. Adrian Seelhofer, Schweinezüchter aus Niederwil, freute sich über die Informationen: «Vergleichszahlen der verschiedenen Auswertungen sind interessant und die genaue Information über Ödemkrankheiten ist ein wichtiger Wissenspunkt für uns alle.»

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