Käserfamilie Tschumper und ihr drittbester Käse der Welt
An den Käseweltmeisterschaften 2025 in Bern erhielten gleich zwei Käse des Familienbetriebs Tschumper in Degersheim die Wertung Super-Gold. Im Finale erreichte der Appenzeller Edel-würzig gar den hervorragenden dritten Platz. Er lag nur knapp hinter dem Weltmeister, einem Gruyère aus dem Kanton Bern.

In der Festhalle in Bern wurden Mitte November 5244 Käse aus 46 Nationen von einer internationalen Fachjury bewertet. 265 qualifizierte Expertinnen und Experten vergaben insgesamt 82 Super-Gold-Auszeichnungen. Gleich zwei davon gingen an das Team der Käserei Tschumper aus Degersheim. Die 82 Super-Gold-Gewinner qualifizierten sich für die nächste Runde. Dabei nominierten 14 Jurymitglieder ihren persönlichen Favoriten für das grosse Finale. Vor einem Livepublikum wurden schliesslich diese 14 Käse von einer Superjury nochmals begutachtet und mit Punkten bewertet. Der Käse mit der höchsten Bewertung wurde World Champion Cheese. Diesen Titel holte der Le Gruyère AOP spezial der Bergkäserei Vorderfultigen im Kanton Bern. Auf dem zweiten Rang folgte ein Weichkäse aus Frankreich, der nur einen Punkt vor dem Drittplatzierten lag: Mit 84 von 100 Punkten erzielte der Appenzeller Edel-würzig des Familienunternehmens Tschumper mit dem dritten Rang ein sensationelles Schlussergebnis.
Ein wahrer Medaillensegen
Im Pausenraum der Käserei erinnern sich Christian Tschumper und seine Tochter Julia an dieses legendäre Ereignis: «Für uns war es unglaublich, dass wir mit Super-Gold ausgezeichnet wurden. Denn zu diesen Ehren kamen weniger als zwei Prozent aller Teilnehmenden.» Julia Tschumper berichtet, dass sie mit drei Mitarbeitenden das Finale in Bern live miterlebt habe. Dabei sei jedoch nur der Weltmeistertitel verkündet worden, worauf das Schweizer Publikum mit Jubel und tosendem Applaus reagiert habe. Anschliessend seien sie nach Hause gefahren. Umso grösser sei die Überraschung gewesen, als ihr Vater mitten in der Nacht per Whatsapp die ersten Gratulationen für den drittbesten Käse der Welt erhalten habe. «Wenn wir das gewusst hätten, wären wir sicher länger in Bern geblieben», sei der Kommentar von Teamkollege Pirmin Koster gewesen. Am folgenden Tag hätten sie erfahren, dass nebst den beiden Super-Gold-Gewinnern vier weitere Käse ihres Betriebs prämiert wurden: Der Toggenburger Rahmkäse holte Gold, der Starke Eidgenosse sowie der mild-würzige Appenzeller gewannen Silber und Die Appenzellerin errang Bronze.

Bereits an der internationalen Käsiade, die vom 16. bis 18. Oktober in Österreich stattfand, überzeugte die Käserei Tschumper mit Spitzenqualität: Nebst fünf weiteren Appenzeller Käsereien gewann das Familienunternehmen eine Goldmedaille für den Appenzeller kräftig-würzig. Christian Tschumper erhofft sich mit diesen Auszeichnungen eine Steigerung des Absatzes, da ihre verschiedenen Käsesorten dadurch bekannter werden. «Ein goldener Aufkleber auf einem Käse fällt dem Konsumenten auf und macht neugierig», ergänzt seine Tochter.
Perfektes Teamwork
«Wer den Appenzeller Edel-würzig, der im Finale den dritten Rang erreichte, am 18. Februar produziert hatte, spielt keine Rolle. Dieser Erfolg ist das Resultat einer Gesamtleistung von unseren Milchbauern über das Käsereiteam bis zur Sortenorganisation Appenzeller Käse», ist Christian Tschumper überzeugt. «Unsere 32 Milchproduzenten liefern silofreie Milch in einwandfreier Qualität, die wir jeden Morgen mit dem Tanklastwagen bei ihnen abholen», erklärt der 55-Jährige. «In unserer Käserei sind wir technisch auf dem neusten Stand und haben gut ausgebildete, motivierte Mitarbeitende, die hervorragende Arbeit leisten. Nebst unserer dreiköpfigen Geschäftsleitung sorgen Pirmin Koster als Leiter der Produktion und Peider Baumann als Verantwortlicher für den Käsekeller für reibungslose Abläufe», nennt Julia Tschumper weitere Pfeiler des Erfolgsrezepts.

Produktion auf Hochtouren
Bereits morgens um vier Uhr sind im Ifang in Degersheim in der Käserei und im Käsekeller fleissige Hände am Werk. Für die Käseproduktion ist heute Eveline Inauen verantwortlich, die zweimal aus knapp 10 000 Litern Milch Appenzeller Käse herstellt. Routiniert überwacht sie den Fabrikationsprozess von der Gerinnung der Milch über das Schneiden, Vorkäsen, Wärmen und Bruchwaschen bis zum Pumpen der Käsemasse in die Presswanne. Dort werden die 144 Käselaibe 40 bis 50 Minuten gepresst, bevor sie in Sekundärformen auf Rollgestelle gestapelt und in Klimazellen verlegt werden. Am Bildschirm erklärt die versierte Milchtechnologin die komplexen Produktionsprozesse und gibt zu bedenken: «Der Automatisierungsgrad ist zwar hoch, aber ein guter Käser oder eine gute Käserin ist immer einen Schritt voraus.»

Ein florierendes Unternehmen
Die Käserei Tschumper ist einer von 36 Betrieben, die Appenzeller Käse herstellen. 40 Prozent der jährlichen Milchmenge von sieben bis acht Millionen Kilo werden jedoch zu freien Sorten verarbeitet. Das sind Eigenkreationen wie der Toggenburger Rahmkäse, der Starke Eidgenosse, der Vollmondkäse oder das Ifang-Grüessli, ein cremiger Weichkäse. Die Käserei Tschumper ist Fromarte-zertifiziert und besitzt die beiden Labels Suisse Garantie und Culinarium Toggenburg.

Christian Tschumper übernahm den Betrieb von seinem Vater, der die Käserei 1996 von der Käsereigenossenschaft Ifang gekauft hatte. 2012 und 2017 wurde ein Käsekeller mit einer Kapazität von 24 000 Laiben gebaut. 2019 und 2020 erfolgte der Käsereineubau, wobei der frühere Produktionsraum in einen Verkaufsladen umfunktioniert wurde. Das Familienunternehmen mit fünf Vollzeit- und fünf Teilzeitbeschäftigten ist auch ein anerkannter Ausbildungsbetrieb: Ronja Jäger schloss 2024 die Lehre als Milchtechnologin als Klassenbeste ab und gewann bei den Swiss Skills 2025 die Goldmedaille. Zudem sind die Lehrstellen bei Tschumpers bis im Sommer 2028 bereits vergeben.
Seit Anfang dieses Jahres bildet Julia Tschumper zusammen mit ihren Eltern die Geschäftsleitung. Die ausgebildete Konditorin/Confiseurin und Milchtechnologin hat sich erfolgreich zur Käsermeisterin weitergebildet. «Wir sind ein gutes Team und ich kann vom Wissen und den Erfahrungen meines Vaters viel profitieren», beschreibt die 27-Jährige die Zusammenarbeit mit ihren Eltern. Sie betreut die Webseite der Käserei und informiert Hunderte von Followern auf Instagram und Facebook über aktuelle Ereignisse. Zukünftig möchte sie neue Absatzkanäle erschliessen, die Regionalität mehr betonen und das Angebot im Verkaufsladen erweitern. Die Pläne der aufgeweckten, engagierten Unternehmerin zeigen deutlich, dass die Zukunft dieses Familienbetriebs gesichert ist.
