Erstes Tractor Pulling in Marthalen war ein Publikumserfolg
Staub, Motorenlärm und Spannung bis zum letzten Meter: Das erste Tractor Pulling 2026 in Marthalen zog trotz Sommerhitze zahlreiche Besucher an. Im Mittelpunkt stand die Frage: Welcher Schlepper schafft den «Full Pull»?

Über das Wochenende vom 24. bis 26. Juli 2026 kam es in Marthalen zu einer Premiere. Ein Team um Matthias Küttel, unterstützt von Dutzenden Helfern, hat erstmals ein Tractor Pulling organisiert. Trotz hochsommerlicher Temperaturen und viel Staub wurde es zu einem Publikumserfolg. Das Kräftemessen zwischen den Schleppern und einem Bremswagen faszinierte die Besucher.
Die Kunst besteht darin, mit einer geschickten Gangwahl und Fingerspitzengefühl den Bremsschlitten auf der 100 respektive 80 Meter langen Rennpiste als «Full Pull» ins Ziel zu bringen. In der Szene, die in einem nationalen Verband mit knapp 400 Mitgliedern organisiert ist, kennt man sich.
1986 wurde im aargauischen Schafisheim das erste Tractor Pulling in der Schweiz durchgeführt. Im selben Jahr wurde die Schweizerische Trecker Treck Vereinigung (heute Schweizer Tractor Pulling Vereinigung) gegründet. Tractor Pulling entstand vor über 90 Jahren in den Vereinigten Staaten.
Im Wettkampf muss ein Traktor einen bis zu 25 Tonnen schweren Bremswagen möglichst weit über die 100 Meter lange Bahn ziehen. Während der Fahrt wird ein Gewicht auf dem Bremswagen nach vorne geschoben. Dadurch drückt die Kufe immer stärker auf den Boden. Die Reibung nimmt zu, und der Bremswagen wird immer schwerer zu ziehen.
Aufgerüstetete Rasenmäher
Der Wettkampf wird in verschiedenen Kategorien mit Gewichtsklassen bestritten. In der Kategorie Standard sind Traktoren aus der serienmässigen Herstellung zugelassen, die einen normalen Fahrzeugausweis haben und in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Für den Wettkampf sind klei- nere technische Massnahmen, beispielsweise mit etwas Gewicht, zugelassen. In der Sportklasse ist dann grösste technische Meisterleistung gefragt, indem die Teilnehmer ihre Schlepper um- oder gar von Grund auf bauen und sie auch mit stärkeren Motoren ausrüsten können. Für viel Beachtung und Spektakel sorgten die aufgerüsteten Rasenmähertraktoren, die als Garden Puller einen kleineren Bremswagen ziehen mussten. In den Eigenbauten stecken aber unzählige Stunden in der Werkstatt.
Starke Teilnehmer
Der Dachsener Robert Rubli gehört zu den Schweizer Tractor-Pulling-Pionieren. «1987 nahm ich in Bülach erstmals an einem solchen Anlass teil», erinnert er sich. Seither bestritt er fast jedes Jahr drei bis vier Wettkämpfe im In- und angrenzenden Ausland. Dabei setzte er stets auf seinen 100 PS starken Fiat 1000, Baujahr 1977. Der Traktor hat ein Eigengewicht von rund 4500 Kilo. Für das Pulling montiert Rubli deutlich breitere Spezialreifen, die mit Wasser gefüllt werden können. So erreicht er das optimale Gewicht für die Klasse bis sechs Tonnen. In Marthalen kam er im ersten Lauf auf 82,904 Meter, im zweiten auf 83,184 Meter. Damit belegte er den 13. Rang.
OK-Präsident Matthias Küttel schaffte mit seinem 33-jährigen Ford 7840 einen «Full Pull» und qualifizierte sich für das Stechen. Dort sicherte er sich mit 81,994 Metern den neunten Rang.
Dass Tractor Pulling längst keine reine Männerdomäne mehr ist, zeigte die Marthalerin Jasmin Zürrer. Mit ihrem 45-jährigen International 844 AS erreichte sie im zweiten Lauf 85,273 Meter und belegte unter 15 Teilnehmenden den zehnten Rang.

Im Minutentakt gestartet
Am Samstag wurde bis tief in die Nacht im Minutentakt gestartet. Nach jedem Lauf fuhr der Bremswagen mit seinem eigenen Motor zurück und wurde sofort an den nächsten Traktor gekoppelt. Nicht alle schafften die vollen 100 Meter und damit ein «Full Pull». In einem zweiten Lauf erhielten sie eine weitere Chance. Nur wer die gesamte Strecke bewältigte, qualifizierte sich für das Stechen.
