Suisseporcs thematisiert Alltag in der ASP-Sperrzone
Peter und Kathrin Seeger aus Otzberg im deutschen Landkreis Darmstadt-Dieburg wissen, wie sich die Afrikanische Schweinepest auf den Betrieb, die Kosten, den Markt und emotional auf die Familie auswirkt. An der Herbsttagung der Suisseporcs Sektion Ostschweiz vom 14. November in Kirchberg gaben sie einen Einblick als Betroffene in einer Sperrzone.

Zum ersten Mal begrüsste Thomas Kempf, Sektionspräsident Suisseporcs Ostschweiz, Mitglieder und Gäste bereits am Vormittag zur Herbsttagung in Kirchberg. So blieb während des Mittagessens mehr Zeit, sich auszutauschen. Im Hinblick auf das Referat vom Nachmittag war das Thema gegeben. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich seit 2007 von Georgien über Osteuropa nach Westen ausgebreitet. 2020 hat sie Deutschland erreicht und 2022 Italien. Das Risiko einer Einschleppung in die Schweiz wird als «hoch» eingestuft. Peter Seeger aus Hessen berichtete in einem eindrücklichen Referat von den Erfahrungen auf seinem Betrieb mit Ferkelaufzucht, Schweinemast und Ackerbau.
Sofort reagieren
«Das Thema ASP darf nicht mehr verdrängt werden», appellierte Peter Seeger an die Schweinezüchter und Schweinehalter im Saal. Er machte aufmerksam, dass es alle angeht, wenn die Seuche angekommen ist. Landwirte, Wanderer, Jäger und Hundehalter haben sich an Verhaltensregeln zu halten. Er berichtete, wie der Landkreis sofort reagierte, als im Juni 2024 der erste Kadaver eines Wildschweins gefunden worden war und positiv auf ASP getestet wurde. Mit Zäunen aus dem bestehenden Depot wurde das Fundgebiet eingekesselt. «Das Einkesseln ist das Wichtigste», betonte Seeger. Nach weiteren Funden wurde klar, dass weiträumig abgesucht werden muss. Hunderte von Kadavern wurden schliesslich geortet und teilweise angeschwemmt. Der Rhein sei keine Grenze, denn Wildschweine könnten schwimmen. «Als wir von der Seuche erfahren haben, haben wir eine WhatsApp-Gruppe mit Schweinehaltern gebildet, um verlässliche Informationen auszutauschen. Dabei haben wir auch an kleine Halter gedacht», informierte Peter Seeger. Er zählte auf, welche weitere Schritte sofort eingeleitet worden sind: Jagdverbot, Leinenpflicht, die Bevölkerung miteinbezogen, Zäune entlang von Strassen gebaut. «Je schneller reagiert wird, desto schneller ist man auch wieder raus», betonte er.

Umfassende Konsequenzen
Wenn eingezäunt werde, werde auch geschossen, brachte Peter Seeger die Rolle des Jagdwesens ins Spiel. Mit Drohnen werde nach Kadavern und Schweinen gesucht. «Jeder Kadaver muss raus, denn er ist ein Jahr lang infektiös.» Als ASP-frei gelte ein Gebiet erst, wenn es ein Jahr lang ohne positive Befunde sei. Die Tierversicherung für den eigenen Betrieb gelte in Deutschland jedoch auch nur ein Jahr. Nachher müsse der allfällige Schaden selbst getragen werden. Auch wenn der eigene Betrieb nicht von ASP betroffen sei, habe die Seuche Auswirkungen. Beim Ackerbau gibt es Auflagen. Vor der Ernte muss das Feld mit Drohnen abgesucht werden, das Getreide muss vier Wochen, das Stroh sechs Monate gelagert werden, Gülle darf nicht aus dem Sperrgebiet hinaus. In der Pufferzone, in der Sperrzone 1, gibt es 200 Euro als Prämie für ein geschossenes Wildschwein. In der Sperrzone 2 gibt es weitere Auflagen für Schweinehalter. Schlachten dürfen nur bestimmte Schlachtbetriebe, was teilweise hohe Transportkosten verursacht; es müssen Blutproben entnommen werden, der Tierarzt muss auf dem Hof untersuchen, der Transport genehmigt werden. Das alles ist personal- und kostenintensiv. «Das Prozedere ist machbar, aber es macht keinen Spass», gab Peter Seeger zu. In der Sperrzone 3, wenn also Hausschweine von ASP betroffen sind, gelten nochmals andere und strengere Auflagen. Die Sperrzone 3 konnte in Hessen inzwischen dank intensiven Massnahmen wieder aufgehoben werden.

Prävention ist alles
«Die Tierversicherung ist existenziell wichtig», betonte der Referent. Die Übertragung der Krankheit sei noch ungelöst. Eventuell könnten auch Stechmücken eine Rolle spielen. Gerade deshalb sei die Prävention wichtig. Aus dem Ausland mitgebrachtes Fleisch dürfe nicht irgendwo weggeworfen werden. «Darauf sollten alle Landwirte aufmerksam machen, die Erntehelfer aus dem Ausland beschäftigen, aber auch Touristen und LKW-Fahren müssen sich daranhalten. Man kann sich nie sicher vor einer Einschleppung von ASP sein», betonte Peter Seeger. Die Betriebshygiene müsse selbstverständlich sein. Auf jeden Fall sei es wichtig, den Ernstfall durchzudenken und durchzuspielen.
Das Thema bewegte und die Diskussion dazu war lebhaft. Wildhüter Benedikt Jöhl bestätigte, dass man die ASP ernst nehme. Das Problem dürfe gar nicht entstehen. Glücklicherweise gebe es im Kanton St. Gallen wenige Wildschweine und die Autobahn bilde eine Barriere. Auch Kantonstierarzt Lukas Kenel appellierte an die Schweinehalter: «Jeder muss seine Hausaufgaben machen.» Die Eigenverantwortung wurde wiederholt betont. «Die Behörden können uns nicht retten.»

Unterstützung holen
Kathrin Seeger wies als Familienfrau auf die emotionale Belastung einer Seuche hin. «Da ist die ganze Familie betroffen. Wir haben die Krisenintervention in Anspruch genommen und uns coachen lassen», ermutigte sie. In der Schweiz gibt es Anlaufstellen über die Bauernverbände. Die anwesende Ständerätin Esther Friedli unterstrich, dass Tierseuchen gar nicht entstehen dürfen und in dieser Frage dürfe auch nicht gespart werden. Ihre Anwesenheit und die Anwesenheit von Kantonsräten und Vertretern des Bauernverbands machten die Bedeutung des Themas sichtbar. Ins Wespennest stach Stefan Müller, Geschäftsführer von Suisseporcs, als er anschliessend an das Gastreferat über das Klimabündnis Lebensmittel informierte, über das seit zwei Jahren diskutiert wird. Die IG Detailhandel hat ihre Absichtserklärungen formuliert. Für die Landwirtschaft würde die Umsetzung noch mehr Datenerhebungen bedeuten. Die Voten der Anwesenden waren klar ablehnend bis empört. Esther Friedli stellte schliesslich die Frage: «Was ist das Ziel und wem dient es?»
