Schweizerischer Alpwirtschaftlicher Verband: Wandfluh ist neuer Präsident
An der Hauptversammlung des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands (SAV) vom 15. November in Schwanden wurde Erich von Siebenthal nach zehn Jahren Amtszeit von Ernst Wandfluh als Präsident abgelöst. Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, richtete Worte an die rund 160 Anwesenden.
«Es ist für mich beeindruckend, wie Werner Hefti und sein Team diesen Anlass einwandfrei organisiert haben», bedankte sich Erich von Siebenthal, Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands (SAV), bei der Begrüssung unter anderem für Dekoration, Rahmenprogramm mit Jodelduett Seraina und Ladina und später den reibungslosen Ablauf des Mittagessens. Ebenfalls gestaunt habe er über die grosszügige Unterstützung regionaler Sponsoren, was für einen schweizerischen Anlass nicht selbstverständlich sei und den Zusammenhalt der Region aufzeige.

Sein Dank erging auch an die anwesenden Älplerinnen und Älpler. Die beeindruckende Landschaft, Biodiversität und Schönheit der Alpen sei nicht von gestern auf heute entstanden, sondern der Verdienst unserer Vorfahren, so seine Worte. «Wir sind uns gewohnt, bei jeder Witterung das Beste für unsere Tiere zu tun. Aber die Herausforderung mit den Grossraubtieren geht so nicht», machte von Siebenthal die Thematik bewusst. Später verwies er darauf, dass die Herdenschutzmassnahmen Aufwände umfassen, die anfänglich wohl machbar seien, aber: «Wenn dies der Standard der Zukunft der Alpwirtschaft sein soll, fehlen uns die Arbeitskräfte, das so weiter zu tragen.» Es sei unglaublich, was die Alpwirtschaft leisten müsse. «Wenn man eine flächendeckende Bewirtschaftung will, dann muss sich das Volk zwischen Alpwirtschaft und Grossraubtieren entscheiden.»
Ein Unesco-Kulturebe
«Die Alpsaison wurde im Dezember 2023 von der Unesco auf die Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt», informierte Elmar Zbinden, Vizepräsident des Freiburgischen Alpwirtschaftlichen Vereins. Dabei soll es um die Erhaltung der Alpwirtschaft und nicht um zusätzliche Auflagen gehen.
Das neue Inkasso, bei dem die Beiträge für Schweizer Bauernverband (SBV) und SAV via Identitas eingezogen werden, funktioniere nach anfänglichen Schwierigkeiten und erfreut mit einem Zahlungsrücklauf von 86 Prozent. «Es ist eine erfreuliche Situation, aber unser Ziel ist 100 Prozent und die Strategie ist, dass wir mit dem SBV zusammen analysieren und auf die Betriebe, die nicht einbezahlt haben, zugehen», führte von Siebenthal weiter aus. Aktuell zählt der Verband, dessen Geschäftsstelle von der SAB zum SBV in Bern umgezogen ist, 5000 Mitglieder.
Wandfluh ist neuer Präsident
Von Siebenthal berichtete weiter über einen Workshop des SAV, bei dem es um einen Austausch ging, was das Berggebiet in Zukunft brauche. «Für uns alle war klar – dieser Flächen-Run muss aufhören. ‚Flächenhamsterei‘ um jeden Preis kann so nicht weitergehen. Es ist wichtig, dass die Familienbetriebe wieder gestärkt werden», verdeutlicht er die Resultate des Workshops.

Von Siebenthals vorgeschlagener Nachfolger Ernst Wandfluh ist Politiker aus Kandergrund, der die Alpwirtschaft von Kindsbeinen an mitbekommen hat und sich auch in der Käseproduktion und -vermarktung auskennt. Wandfluh ist zudem Präsident der IG ÖM (öffentliche Märkte). Bei seiner Vorstellung bezeichnete er dies als wichtige Organisation, da die Schlachtviehmärkte preisbildend für die Schlachtviehpreise seien.
Einstimmig wurde er von der Versammlung gewählt. Sein Vorgänger von Siebenthal wurde herzlich verdankt und zum Ehrenpräsidenten des SAV ernannt.
Kontrollen reduzieren
Die Aktualitäten der Agrarpolitik brachte Bernard Belk, Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft, mit den Themen AP 2030+, Verbuschung im Sömmerungsgebiet, Strukturverbesserung oder Kontrollen näher. Für Letzteres betonte er die bedeutende administrative Last der Landwirtschaft, die dem Bundesrat und Parlament bewusst seien. «Ziel ist es, die Anzahl der Kontrollen zu reduzieren, risikoorientierter zu gestalten und damit die Betriebe zu entlasten», liess Belk die Absicht des Bundesrats verlauten, wobei er klarstellte, dass zum landwirtschaftlichen Kontrollsystem nicht nur Kontrollen zur Umsetzung der Agrar- und Bundespolitik gehören, sondern auch viele private Labels, Organisationen und Abnehmer Teil dieses Kontrollsystems sind.
Ritter zu AP 2030+
«Wir haben jetzt eine Zeit von 25 Jahren Agrarreformen hinter uns, in denen es immer um mehr Ökologie und Biodiversität ging», blickte Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, auf die daraus resultierenden tiefen Einkommen zurück. Bei diesen Erlösen sei kaum Investitionsfähigkeit vorhanden.
Nun werden gemäss Ritter die Pflöcke eingeschlagen für die nächste Agrarpolitik, die eine andere Ausrichtung brauche. «Die Diskussion muss Richtung Wirtschaftlichkeit, Wertschöpfung, Einkommen und Stärkung der Familienbetriebe laufen», betonte Markus Ritter. Dabei stellte er klar, dass über 80 Prozent der Erlöse der Schweizer Landwirtschaft aus den Märkten stammen und die Direktzahlungen heute weniger als 20 Prozent ausmachen. «Immer wenn wir über Direktzahlungen reden, reden wir über den kurzen Hebel, wenn wir über die Märkte reden, über den langen», so Ritter, der die Wichtigkeit der Direktzahlungen betonte, aber die grosse Bedeutung der Schaffung von richtigen Rahmenbedingungen für diese 80 Prozent in der neuen AP sieht.
«Wenn wir für die Schweizer Landwirtschaft eine Trendwende schaffen wollen – und das müssen wir –, dann muss der Fokus dieser AP in der Steigerung der Wertschöpfung und des Erlöses sein.» 44 Prozent Biodiversitätsförderfläche Q II, 19 Prozent Biodiversität und 80 Prozent Vernetzung sei genug, sagte er.
Zwergsträucher und Personal
Am Nachmittag beleuchtete zunächst Biologe Remo Wenger das Spannungsfeld zwischen Verbuschung der Alpweiden und gesetzlich geschützten Zwergsträuchern anhand eines Pilotprojektes im Binntal.
Mit dem Echo aus den Alpen stellte zum Schluss Alexander Röösli die Resultate einer Umfrage beim Alppersonal und die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt «Rahmenbedingungen eines aussergewöhnlichen Arbeitsortes» vor.
