Fleisch aus Mutterkuhhaltung ist gefragt
Die Marktlage und aktuelle Projekte von Mutterkuh Schweiz waren Thema der Regionaltagung vom 26. April 2025. Darüber informierte Esther Manser, Leiterin Labelverkauf und stellvertretende Geschäftsführerin. Viel Raum nahm das Thema Krankheiten im Mutterkuhbetrieb ein. Christina Widmer, Tierärztin Rindergesundheit Schweiz, klärte auf.

Die Wissenschaft empfiehlt, das Rindvieh vermehrt mit Gras zu füttern. Getreide sollte, wenn überhaupt, nur eine Ergänzung sein. Mutterkuh Schweiz setzt mit Natura-Beef auf diesen Grundsatz. Mutterkuhhalter produzieren Rindfleisch mit Gras von Flächen, die anders nicht sinnvoll genutzt werden können, und mit Gras von Kunstwiesen innerhalb der Fruchtfolge. Solche Kunstwiesen braucht es auf Ackerland regelmässig, damit der fruchtbare Boden erhalten bleibt. So informiert Mutterkuh Schweiz. Das Fleisch erfährt eine grosse Nachfrage, denn, so Esther Manser letzte Woche an der Regionaltagung von Mutterkuh Schweiz am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) in Flawil: «Wir suchen zusätzliche Produzenten, denn wir könnten mehr Fleisch aus Mutterkuhhaltung verkaufen. Sei es für Natura-Veal, Natura-Beef oder Weiderind.» Vorstandsmitglied Hanspeter Seifert, Vertreter der Kantone St. Gallen und beider Appenzell sowie des Fürstentums Liechtenstein, führte in die Tagung ein.
Weiderind gesucht
Obwohl die stabil bleibende Anzahl von knapp 6000 Mutterkuhhaltern mehr Mutterkühe hält, kann die Nachfrage noch nicht ganz gedeckt werden. «Die Marktentwicklung ist positiv. Labeltiere sind gefragt. Den grössten Anteil macht Natura-Beef aus», informierte Esther Manser. Für die Vermarktung braucht es Partner. Einer von ihnen, Traitafina, ist ausgestiegen. Das sei eine Herausforderung gewesen, gestand sie. Bell ist in die Bresche gesprungen. Für schwere, unkastrierte Stiere gebe es keine Label mehr. Sie seien schwer zu vermarkten. Der Fleischmarkt erfährt Schwankungen. Der Anreiz, im Sommer mehr Natura-Beef und Weiderind zu liefern, wird ab diesem Jahr in den Kalenderwochen 27 bis 39 mit 25 Rappen mehr bezahlt. In den Kalenderwochen 1 bis 12 dafür beim Natura-Beef mit 20 Rappen weniger und ebenfalls beim Natura Veal in den Kalenderwochen 8 bis 20. Das Produktionsprogramm Naturafarm Weiderind wurde letztes Jahr ins Leben gerufen. Es steht für erstklassige Fleischqualität und eine besonders tierfreundliche Haltung. Naturafarm-Weiderinder gehen nach dem Absetzen von der Mutter in die Weidemast. Die Tiere werden mit maximal 20 Monaten geschlachtet. Das Programm soll helfen, die Nachfrage nach Weiderind in den Gastronomiekanälen während der Sommermonate zu bedienen. Die Anforderungen und Konditionen sind definiert; Mutterkuhhalter können sich dafür anmelden.
Diverse Krankheiten
Nach diesen Informationen gab es individuelle Fragen zu beantworten, die zeigten, dass es in einigen Bereichen Unsicherheiten gibt. Es ging um Preise, um Taxierung und Kalibrierung, um Gewichtszunahme oder Fettabdeckung. Dabei kamen auch die beiden Vermittler Bruno Studer von Viegut und Peter Studer von Vianco ins Spiel. Esther Manser ermutigte dazu, bei Fragen Kontakt mit der Geschäftsstelle aufzunehmen. In ihren weiteren Ausführungen ging sie auf Details ein, die für die Mutterkuhhalter von Bedeutung sind, etwa den Gesamtzuchtwert, die verschiedenen Informationskanäle, Tagungen, Kurse, elektronisches Begleitdokument und Zertifikat oder den Jungzüchteranlass vom 17. Mai. Sie informierte über die letzte Meile der BVD-Ausrottung. Ziel ist es, dass alle Rinderhaltungen in der Schweiz ab dem 1. November 2026 den neuen Status BVD-frei bekommen. Gegen die Blauzungenkrankheit empfahl sie die Impfung. «Das bewahrt vor grossem Leid.» Auf mehrere Krankheiten – darunter neuartige – ging dann Veterinärin Christina Widmer ein. Sie arbeitet seit letztem Jahr für Rindergesundheit Schweiz. «Die Blauzungenkrankheit (BTV) ist eine zu bekämpfende Tierseuche, die alle Wiederkäuer und Kameliden betreffen kann», machte sie bewusst. Vom Virus gibt es inzwischen mehrere Untertypen. Vor zwei Jahren tauchte der erste Fall von BTV-3 in den Niederlanden auf, im August 2024 der erste Fall von BTV-8 in der Schweiz und fast gleichzeitig BTV-3. Die Krankheit hat sich rasend schnell ausgebreitet. In der Schweiz ist das Virus vor allem im Norden verbreitet, am meisten beim Rind. Die Gnitzen, blutsaugende Mücken, übertragen das Virus. Christina Widmer ging auf die Symptome und auf die geltenden Weisungen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ein. Weil es keine ursächliche Therapie gebe, sei die Vorbeugung umso wichtiger. Die Impfung gehöre dabei an erste Stelle. Die Zeit von Januar bis März sei ideal dafür, doch auch jetzt sei sie noch möglich. Der Muni sollte auch geimpft werden. Offene Ställe mit viel Luftaustausch nannte sie unter anderen als Schutzmassnahme.
Immunsystem stärken
Von Interesse für die Tierhalter ist, wie die Entschädigung bei Abgängen wegen BTV aussieht. Es gibt kantonale Unterschiede. Der Kanton St. Gallen entschädigt Tierverluste zu 90 Prozent. Der Bestandstierarzt muss die Seuche bestätigen. Der Bund beteiligt sich an der Impfung. Wirtschaftliche Einbussen werden nicht entschädigt. Ein Risiko für die Epizootisch hämorrhagische Krankheit gebe es zurzeit nicht. Für die seit 1980 verschwundene Maul- und Klauenseuche stehe die Ampel derzeit auf Rot. In Ungarn und der Slowakei sind erste Fälle aufgetaucht. Im Kanton Luzern wurde das Verhalten bei einem möglichen Ausbruch bereits geübt. Die Rindertuberkulose war ein weiteres Thema der Tierärztin; eine Krankheit, die auf den Menschen übertragbar ist. Dann der Durchfall beim Mutterkuhkalb. Auch hier sind vorbeugende Massnahmen zentral. Die Referentin ging auf Symptome und Ursachen ein und zeigte auf, wie der Infektionsdruck reduziert, das Immunsystem gestärkt werden und wie die Therapie aussehen kann. Die Lungenentzündung war eine weitere Krankheit, die sie beschrieb. Dabei legte sie den Fokus auf das Stallklima im Kälberbereich. Kälber brauchen Wärme und Luftaustausch, aber keine Zugluft. «Kälber sollten sich im Stroh, nicht auf dem Stroh betten können. Genügend Einstreu ist deshalb wichtig», riet sie.
