5. Profimilk-Tag: Wie es Kuh und Mensch gut geht

Der 5. Profimilk-Tag der Thurgauer Milchproduzenten und der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost vom 12. Januar 2026 zeigte klar auf, dass in der Milchproduktion nicht nur das Tierwohl zählt, sondern ebenso das Wohlergehen und die Lebensqualität der Milchproduzenten.

Christian Manser (links) und Andreas Bräuninger gaben Impulse für die Motivation im Arbeitsalltag im Stall.

Christian Manser (links) und Andreas Bräuninger gaben Impulse für die Motivation im Arbeitsalltag im Stall.Andreas Bräuninger ist als Coach tätig und berät Unternehmen und Organisationen mit dem Ziel, die persönlichen Ressourcen der Mitarbeiter zu eruieren und die Teamentwicklung zu fördern. Gelegentlich ist er auch in bäuerlichen Kreisen als Coach im Einsatz. Er sagte, dass Freude an der Milchproduktion die wichtigste Voraussetzung sei. Denn nur Betriebsleiter und Mitarbeiter, die motiviert arbeiten, seien effizient und erbringen die erforderliche Leistung. Aus seiner Erfahrung in der Aviatikbranche sagte er, dass menschliches Versagen meistens die Folge einer mangelhaften Interaktion eines Teams sei. Diese Erkenntnis zur Bedeutung der Teamarbeit könne man auf alle Branchen beziehen. Weil die Arbeit in der Landwirtschaft so eng mit den Menschen verbunden ist, sollten immer auch die Mitarbeiter und die Kühe als Teil eines Teams betrachtet werden. Ideal fände er es, wenn der Arbeitstag im Stall mit einem kleinen Glücksmoment beginnen kann. Hierfür, so Andreas Bräuninger, müsse man nicht weit suchen: Ihm persönlich bereite bereits der morgendliche Spaziergang mit seinem Hund kleine Glücksmomente.

Christian Manser, in der Landwirtschaft bekannt als Kuhsignal-Trainer, meinte, dass das Tierwohl ein wichtiger Aspekt sei. Aber noch wichtiger sei, der physischen und psychischen Befindlichkeit der Betriebsleiter und ihrer Familien die nötige Beachtung zu schenken. «Ich führe zwar selbst keinen Landwirtschaftsbetrieb. Aber es gibt mir Kraft, mit euren Kühen zu arbeiten», sagte Christian Manser zu den Tagungsteilnehmern. Er stellt im Berufsalltag fest, dass die Landwirte häufig alleine arbeiten und dass das Gespräch fehlt. Verschärft habe sich diese Situation auch mit der Hofabfuhr der Milch. Früher traf man sich bei der Milchanfuhr bei der Käserei und hatte so die Gelegenheit für den persönlichen Austausch mit den Berufskollegen über Freuden und Sorgen. Umso wichtiger sei es, im Alltag Kraftquellen zu erkennen und daraus zu schöpfen. Christan Manser ist überzeugt, dass man aus der Arbeit mit den Kühen, wenn man diese als Mitarbeiterinnen betrachtet, viel Kraft und Energie schöpfen kann: «Kühe sind die besten, loyalsten Mitarbeiterinnen. Für mich gibt es eine einfache Gleichung: Zufriedene Kühe führen zu zufriedenen Betriebsleitern.»

Sie berichteten über ihre Erfahrungen: Kurt Keller, Michael Utzinger und Romeo Wildhaber (von links).
Sie berichteten am Profimilk-Tag über ihre Erfahrungen: Kurt Keller, Michael Utzinger und Romeo Wildhaber (von links).

Fehler erkennen

Christian Manser empfahl den Milchproduzenten, sich bei der Stallarbeit vermehrt auf die eigenen Erfahrungswerte zu stützen, wenn es um die Optimierung im Stall und deren Einrichtungen geht. Wenn man beispielsweise erkenne, dass die bisherige Höhe der angebrachten Tränke den Kühen den Zugang zu Frischwasser erschwere, spreche nichts dagegen, diese selbst den tatsächlichen Bedürfnissen seiner Tiere anzupassen. Thyas Künzle, Lehrer und Berater am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Flawil, gab in seinem Referat zum Thema «Lean Farming» praxisnahe Beispiele, wie im Alltag «Betriebsblindheit» vermieden werden kann. Er veranschaulichte dieses an Punkten, wo, anfänglich unbemerkt, betriebliche und persönliche Ressourcen verschwendet werden. Es gelte, Arbeitsprozesse zu überdenken, Fehler zu erkennen und Prozesse effizienter zu halten und Verschwendung zu vermeiden. Dies trage dazu bei, die Lebensqualität zu fördern. Als Beispiele für Verschwendung nannte Thyas Künzle die Überproduktion von Futtermischungen oder umständliche, ineffiziente Arbeitswege. Er empfahl den Milchproduzenten: «Geht im Arbeitsalltag einmal einen Schritt zurück, nehmt euch Zeit, um beispielsweise zu überlegen, wie ihr Futtermischungen zusammenstellt. Ziel ist es nicht, vollständig standardisierte Abläufe zu haben, aber es hilft, das Futtermischen immer zum gleichen Zeitpunkt zu erledigen.»

Mehr Lebensqualität

Daniel Vetterli, Präsident der Thurgauer Milchproduzenten, moderierte eine Diskussion mit drei Milchproduzenten: Romeo Wildhaber aus Schocherswil, Kurt Keller aus Andwil und Michael Utzinger aus Bonau. Daniel Vetterli wollte von seinen Berufskollegen erfahren, wie diese die Balance zwischen den betrieblichen Herausforderungen und den persönlichen Bedürfnissen finden. Ein Fazit der angeregten Diskussion lautete, dass moderne Stalltechnologien einen wesentlichen Anteil an mehr Lebensqualität für die Betriebsleiterfamilien haben. Gewonnene Arbeitszeit bedeute mehr Zeit für die Familie und ausgleichende Freizeitaktivitäten wie beispielsweise Sport. Als empfehlenswert wurde auch die Mitwirkung in Vereinen, in denen Mitglieder aus verschiedensten Branchen zusammenkommen, erwähnt. Dies erweitere nicht nur den persönlichen Horizont, sondern biete die Chance, im Hinblick auf Initiativen, welche die Landwirtschaft stark betreffen, die nichtbäuerliche Bevölkerung entsprechend aufzuklären. Aus den Praxisbeispielen ging unter anderem hervor, dass die Bestrebungen für den Tierkomfort immer auch eine positive, motivierende Wirkung auf alle, die im Stall arbeiten, haben. Dies ganz im Sinne des Tagungsmottos «Wo Mensch und Kuh gewinnen».

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