Melioration lockt Presse und Bund ins Rheintal
Zur Einweihung des neuen Werkhofs Schnegger empfing Altstätten eine Delegation des Bundesamts für Landwirtschaft. Im Rahmen ihrer Pressefahrt erhielten sie zusammen mit Medienvertretern und Gästen Einblick in die Entstehung, Entwicklung und die heutige Bedeutung der Melioration in der Rheinebene.

Sonnenschein und sommerliche Temperaturen. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch erwartete die Gäste aus Bundesbern, die auf ihrer Pressefahrt diesmal im Rheintal haltmachten. Sonnenschirme, kühle Erfrischungsgetränke sowie musikalische Intermezzos des Rebsteiner Musikers Enrico Lenzin sorgten für eine angenehme Atmosphäre auf dem Festplatz beim Werkhof, dem logistischen Herzstück der Melioration in der Rheinebene.
Ein Symbol für Fortschritt
Die Eröffnung des modernen Neubaus mit seiner grosszügigen Holzfassade war Anlass, die jährlich stattfindende Veranstaltung des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) ins Rheintal zu verlegen. Ziel der Reise ist es jeweils, Medienvertretenden direkte Einblicke in landwirtschaftliche Betriebe, Forschungsprojekte und agrarpolitische Massnahmen zu ermöglichen. Damit will das Bundesamt den Austausch fördern, Transparenz schaffen und das Verständnis für die oft komplexen Themen der Landwirtschaft stärken. Mit dem Werkhof Schnegger im Industriegebiet von Altstätten wurde nicht nur ein funktionaler Neubau eröffnet, sondern auch ein sichtbares Zeichen für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Melioration in der Rheinebene gesetzt.
Stolz auf Gemeinschaftswerk
Mit Worten der Freude und des Stolzes auf eine der grössten je in der Schweiz ausgeführten Gesamtmeliorationen begrüsste Ruedi Mattle, Stadtpräsident von Altstätten, die Gäste, die der Einladung der Melioration Rheinebene gefolgt waren. «Die Melioration hat unsere Region nicht nur landwirtschaftlich geprägt, sondern auch gesellschaftlich verbunden. Sie ist ein Gemeinschaftswerk, das Generationen überdauert», sagte Mattle in seiner Ansprache. Anschliessend trat Karl Köppel ans Rednerpult. Der Präsident der Meliorationskommission blickte auf die lange Geschichte der Melioration zurück und würdigte den grossen Einsatz, den Mut und die Weitsicht der damaligen Beteiligten. Besonders hob er die enge Zusammenarbeit über Gemeinde- und Generationengrenzen hinweg hervor – ein Erfolgsmodell, das die Region bis heute nachhaltig geprägt habe. Auch Regierungsrat Beat Tinner unterstrich die Bedeutung der Melioration für die landwirtschaftliche Entwicklung und die Lebensqualität im ländlichen Raum. «Die Melioration diente damals auch der Arbeitsbeschaffung, da die Dreissigerjahre wirtschaftlich äusserst schwierig waren. Damals dachte wohl kaum jemand, dass das Rheintal einmal zu den exportstärksten Wirtschaftsregionen der Schweiz gehören würde», sagte der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements des Kantons St. Gallen. Tinner nutzte die Gelegenheit, der Melioration zum gelungenen Neubau zu gratulieren und dem BLW für die gute Zusammenarbeit im Rahmen der verschiedenen Infrastrukturprojekte zu danken.

Verbesserungen mit Zukunft
BLW-Direktor Christian Hofer würdigte in seiner Ansprache die zentrale Bedeutung der Melioration für die Ernährungssicherheit der Schweiz. Solche Strukturverbesserungen seien entscheidend für die Landwirtschaft von morgen, da sie sowohl die natürlichen Ressourcen schützen als auch die Produktivität langfristig sichern. Die Melioration spiele zudem eine Schlüsselrolle als agrarpolitisches Instrument, um die landwirtschaftliche Infrastruktur an Herausforderungen wie den Klimawandel und die zunehmende Ressourcenknappheit anzupassen. Bevor Matthias Kreis, Technischer Leiter der Melioration Rheinebene, die Gäste des BLW sowie die Medienvertretenden durch den neuen Werkhof führte, eröffneten die Referenten das Gebäude symbolisch durch das Zusammensetzen eines Drainagerohrs. Den Ausklang bildete der gesellschaftliche Teil. Bei einem Apéro mit musikalischer Umrahmung bot sich den Anwesenden Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Pflege wertvoller Kontakte.

Entstehung und Entwicklung der Melioration der Rheinebene
1941 fiel der Startschuss für eines der umfassendsten Bodenverbesserungsprojekte der Schweiz, mit dem obersten Ziel, die Ernährungssicherheit des Landes zu stärken. In enger Zusammenarbeit zwischen Bund, Kanton, Gemeinden und der Landwirtschaft wurden in den folgenden Jahrzehnten Drainagesysteme, landwirtschaftliche Wege und Bewässerungsinfrastrukturen aufgebaut. Die Melioration der Rheinebene ermöglichte damit nicht nur eine produktive Landwirtschaft, sondern auch eine gezielte Entwicklung des ländlichen Raums. Zwischen 1942 und 1962 wurden in einem Gebiet von 6550 Hektaren in zehn politischen Gemeinden insgesamt 69 Kilometer Fliessgewässer reguliert, neun Pumpwerke mit 27 Pumpen installiert, 3760 Hektaren drainiert und mit 2400 Kilometern Drainageleitungen erschlossen sowie 140 Kilometer Güterwege angelegt. Die Kosten beliefen sich damals auf rund 40 Millionen Franken, was heute etwa 160 Millionen Franken entspricht.
Die Organisation Melioration Rheinebene betreut heute rund 3800 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche, koordiniert den Unterhalt der Entwässerungs- und Bewässerungsanlagen, Wegnetze sowie ökologische Ausgleichsflächen und fungiert als moderne Dienstleisterin im Dienste einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.
