Bäuerinnen wünschen sich mehr Gehör bei PFAS
PFAS in der Landwirtschaft ist im Moment ein allgegenwärtiges Thema, vor allem im Kanton St. Gallen. Dabei ist vielen kaum bewusst, dass hinter jedem betroffenen Betrieb ein Schicksal, eine Bauernfamilie steht.
Am 18. August fand in Goldach für betroffene Bäuerinnen ein Austausch statt zum Thema «Mein Alltag mit PFAS». Eingeladen hatte der Kantonalverband der St. Galler Bäuerinnen. «Innert kürzester Zeit wurde PFAS eine Herausforderung für unsere Landwirtschaft im Kanton St. Gallen», sagte Präsidentin Patricia Giezendanner. Oder, wie es später eine Teilnehmerin formulierte: «PFAS hat uns wie eine riesige Welle überrollt.»
Niemand verantwortlich
Durch den Abend führten Margot Walt und Esther Stricker. Beide sind nebst ihrem Beruf als Bäuerin im Bereich Coaching tätig. Stricker sagte: «Die Situation, in der wir stecken, erinnert mich stark an Feuerbrand oder Corona. Es gibt viele offene Fragen und ganz viel Ungewissheit, was noch kommen wird.» Wie stark diese Ungewissheit ist, zeigte der Austausch unter den Teilnehmerinnen, zuerst in den Kleingruppen und dann im Plenum.

«Von einem Tag auf den anderen waren unsere Böden und unsere Produkte giftig», sagte eine Bäuerin. Eine andere meinte: «Wir wissen nicht mehr, was gilt, denn ständig ändern die Vorschriften.» Das Vertrauen in die Behörden habe sie längst verloren. Viele fragen sich: Wer hat Interesse daran, der Landwirtschaft so grossen Schaden zuzufügen? Wer steckt hinter dem PFAS-Terror? Dass man kein Gesicht habe, dass niemand hinstehe und Verantwortung übernehme, mache es besonders schwer, mit der Situation umzugehen.
Gespräche mit Arbeitskolleginnen, Kunden und Bekannten ausserhalb der Landwirtschaft zeigten, dass viele keine Ahnung haben, was PFAS ist und was es gerade mit den Bauernfamilien macht. Eine Bäuerin, die wegen der hohen Anforderungen die Hühnerhaltung aufgab, sagte: «Wir informieren in unserem Hofladen, weshalb es keine Eier mehr gibt.» Die wenigsten hätten Verständnis für die Behörden.
Den Humor nicht verlieren
Es ging an diesem Abend auch darum, Strategien auszutauschen, was einen ermutigen kann. Der Zusammenhalt und dass alle in einem Boot sitzen, war ein Satz, der oft fiel. Sie zehre von dem, was sie und ihr Mann in den vergangenen Jahren aufgebaut hätten, sagte eine Bäuerin. Auswärts arbeiten kann auch eine Strategie sein. Einerseits, um unter andere Leute mit anderen Gesprächsthemen zu kommen, andererseits, um durch das zusätzliche Einkommen finanzielle Sicherheit aufzubauen. «Täglich Schöpfer der eigenen Gedanken sein» und «die Blickrichtung selber bestimmen» waren ebenfalls Rückmeldungen aus den Gruppen, um den Alltag mit PFAS zu bewältigen.
Dass die Frauen trotz allem ihren Humor nicht verloren haben, zeigte ein Beispiel: Eine Bäuerin berichtete, sie habe vom Kanton St. Gallen eine Broschüre erhalten mit Vorschriften zur Tierhaltung und welche finanziellen Konsequenzen eine Überschreitung der Grenzwerte hätte. «Ich habe dieses Heftli unter den Wasserhahn gehalten – und siehe da, das Papier war wasserabweisend.»
Zusammen stark
Zum Schluss diskutierten die 25 Frauen über das «Wie weiter?». Man spürte und hörte, dass die Bäuerinnen nicht untätig bleiben wollen. «Wir müssen uns Gehör verschaffen», waren sich alle einig. Begrüsst wurde der Arbeitskreis mit PFAS-Betroffenen, der vom St. Galler Bauernverband ins Leben gerufen wurde. Aber es bräuchte mehr Sichtbarkeit der Betroffenen, so der Tenor. Viele wünschen sich einen Austausch mit der St. Galler Regierung auf Augenhöhe und dass die Verursacher, darunter die ARAs, Zugeständnisse machen und Verantwortung übernehmen. Auch Sammelklagen und Mahnwachen waren Stichwörter, die fielen.
Der kantonale Bäuerinnenverband hat die Anliegen aufgenommen und wird entscheiden, in welcher Form die betroffenen Bäuerinnen unterstützt werden können. Die Schlussrunde zeigte deutlich, dass das Zusammenstehen der Bäuerinnen und der Bauernfamilien jetzt ganz wichtig ist. Zu wissen, dass man nicht alleine unterwegs ist in dieser schwierigen Thematik, gibt den Frauen Zuversicht.
