Förderung des Embryotransfers an Ostschweizer Züchtertagung thematisiert
Die Zuchtverbände Swiss Herdbook Ostschweiz und Holstein Switzerland Ost führten im zürcherischen Tagelswangen die Ostschweizer Züchtertagung durch. Neben dem Betriebsbesuch bei Andreas Wettstein gab es von Swissgenetics viel Neues rund um die Zucht und die Stierangebote zu hören.

Es ist seit einigen Jahren Tradition, dass die beiden Zuchtverbände der roten und schwarzen Kuh jeweils im Spätherst zu einem gemeinsamen Züchternachmittag einladen. In diesem Jahr war der Betrieb von Andreas Wettstein im zürcherischen Tagelswangen der Gastgeber. Dieser Hof ist vielseitig auf zwei Standbeinen aufgestellt und verfügt über zehn Mitarbeiter. So wird einerseits mit der AWT GmbH ein grösseres Forstunternehmen mit moderner Holzernte und Gartenholzerei betrieben. Der landwirtschaftliche Hof umfasst rund 70 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche, die vor allem für Futterbau und Weiden dienen. Im Stall stehen je rund 150 Kühe und Jungvieh. Die Hälfte davon, nämlich jene, die jeweils im Vorjahr vor dem 1. November geboren sind, dürfen im folgenden Jahr auf die Alp. Bei einer durchschnittlichen täglichen Milchmenge von 30 Kilo wird pro Jahr rund eine Million Kilo Verkehrsmilch abgeliefert.
5,5 Stunden melken
Mitarbeiter Marcel Brägger führte durch die Stallungen. Der erste Stall wurde 2003 für 120 Kühe erstellt und 19 Jahre später erweitert. «Wir melken in einem 8-Tandem-Melkstand während rund 5,5 Stunden», erklärte Brägger auf dem Rundgang. Die Herde besteht mehrheitlich aus den beiden Hauptrassen Holstein und Red Holstein. Doch man findet mit der braunen Kuh sowie Jersey noch einige «Exoten» im Stall. Die Kälber- und Aufzuchtrinder werden in Gruppen grösstenteils auf Tiefstreu gehalten. Der Betrieb nutzt zur Futterkonservierung je drei Fahrsilos mit 700 respektive 1200 Kubikmetern Inhalt. Zudem verfügt er über ein Güllelager von 4000 Kubikmetern, wobei dies je zur Hälfte in der Grube und in einem Silo vorhanden ist. Nebst dem Weidegang besteht die Silagefütterung zu 50 Prozent aus Gras, zu 40 Prozent aus Mais- und zu zehn Prozent aus Rübenschnitzeln. «Wir besamen je rund die Hälfte aller Kühe mit Zucht- respektive Mastrassen», führte Brägger weiter aus.

Wartestierhaltung rückläufig
Michael Böhi, Teamleiter Smart Farming und stellvertretender Regionalleiter Bütschwil und Mülligen bei Swissgenetics, erinnerte daran, dass das Unternehmen am Standort Bütschwil auch für die Embryoproduktion tätig ist. Da immer weniger Räumlichkeiten für die rückläufige Wartestierhaltung nötig sind, konnten verschiedene Gebäude neu genutzt werden. Der alte, etwas abseits stehende Stall soll zudem in einen Quarantänestall umgebaut werden. Im Zentrum stehen dabei die Dienstleistungen rund um den Embryotransfer. «Bezüglich der Techniken bieten wir den konventionellen Embryotransfer mit Spülungen an», führte Böhi aus. Zugleich erfolgt auch die In-Vitro-Produktion (OPU-IVP). «Das ET-Team und ausgebildete Besamungstechniker führen auch die Übertragung von Embryonen aus», erklärte Böhi weiter. Ebenso sind fixe Standorte mit der Spendertierhaltung in Ins sowie als ambulante Standorte Ins und Bütschwil bestimmt worden. In Bütschwil ist baulich eine dreiteilige Ovum-Pick-Up-(OPU-)Einheit geschaffen worden. Diese umfasst einen Vorbereitungsraum, einen auf 28 Grad klimatisierten OPU-Raum mit zwei Behandlungsständen und einem Warteraum. Hier werden auch alle zwei Wochen über die Embryozentrale angemeldeten Tieren Eizellen entnommen. Bei diesem Verfahren piekst man die Eibläschen (Follikel) auf den Eierstöcken an und saugt die Eizellen aus diesen ab. Diese werden anschliessend im Labor befruchtet (In-Vitro-Fertilisation, IVF) und der Embryo kultiviert. Durchschnittlich lassen sich rund vier Embryonen entnehmen und die Trächtigkeitsraten liegen bei 60 Prozent. Weil man damit eine Verkürzung des Generationenintervalls erreichen kann, macht diese Technologie mit gesextem Samen bei Kälbern mit hohem Marktpotenzial Sinn.
Vermehrt auch Fleischrassen
Bei den Milchrassen setzt man immer mehr auf das geschlechtlich gesexte männliche oder weibliche Sperma, wie Marc-Henri Guillaume ausführte. Über alle Rassen hinweg sind es bereits 55,89 Prozent. Bei den Dosen für Holstein liegt der Anteil bei 83 und für die RF-Rinder (Rotfaktor tragend) bei 79,6 Prozent. Ebenfalls über dem Mittelwert liegen Jersey mit 74,0, Red-Holstein mit 64,2 und Brown Swiss mit 58,7 Prozent. Deutlich unter dem Mittelwert findet man die beiden typischen Zweinutzungsrassen Original Braunvieh mit 20,2 und Simmentaler mit nur 7,3 Prozent. Auch Swiss Fleck ist mit 26,7 und Montbéliarde mit 33,9 Prozent eher unterdurchschnittlich.
Gerade dieser Umstand sorgt auf Milchwirtschaftsbetrieben dafür, dass für die Nach- und Aufzucht gesextes Sperma für weibliche Kälber immer mehr zum Einsatz kommt und man entsprechend für die weiteren Besamungen verstärkt auf Fleischrassen setzt. Gemäss Guillaume ist der Anteil innert Jahresfrist wiederum um 1,5 auf 53 Prozent angestiegen. «Wir haben versucht, komplette geprüfte Stiere mit hoher Leistung zu finden, die mit dem Melkroboter gut funktionieren. Zugleich sind wir mit dem Angebot an hornlosen Stieren zufrieden», hielt Guillaume in einem Fazit fest. Er sieht zudem eine grosse Chance für das Programm mit Holstein und Red Holstein weltweit, wenn es der Schweiz gelingt, sich von anderen Organisationen abzuheben. Komplette rote Schweizer Stiere könnten gute Zahlen im Ausland aufweisen.
