Neue Waldziele für den Kanton St. Gallen
Am Samstag, 21. März 2026 stellte der Kanton St. Gallen seine neuen Waldziele vor. Sie sollen den Wald im Kanton langfristig stärken und seine vielfältigen Funktionen sichern. Damit reagiert der Kanton auf die wachsenden Ansprüche an den Wald.

Am Hornberg in der Gemeinde Neckertal nahe Degersheim geht der Blick über ein Mosaik von Wäldern und Hügeln. Hier stellte der Kanton St. Gallen an einem Medienanlass am vergangenen Samstag seine neuen Waldziele vor. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt: Der 21. März ist der Internationale Tag des Waldes.
Der Blick steht exemplarisch für den ganzen Kanton: Rund ein Drittel der Fläche von St. Gallen ist bewaldet. Der Wald prägt die Landschaft, bietet Lebensraum und schützt Boden, Wasser und Klima. Er ist ein Rückzugsort für Erholungssuchende und ein wichtiger Lieferant des Rohstoffs Holz. Rund 60 Prozent des Waldes im Kanton gehören öffentlichen Waldeigentümern wie Ortsgemeinden, etwa 40 Prozent sind im Besitz von rund 16 000 privaten Waldbesitzern.
Nachhaltige Waldpolitik
«Der Wald, den wir heute sehen, ist kein Zufallsprodukt. Er ist das Resultat einer politischen Entscheidung», sagte Regierungsrat Beat Tinner, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements des Kantons St. Gallen. Diese Entscheidung wurde vor 150 Jahren gefällt. Die Einführung des eidgenössischen Forstpolizeigesetzes am 24. März 1876 markierte den Beginn einer nachhaltigen Waldpolitik.
Vor 1876 wurden die Wälder stark gerodet. Die fehlenden Schutzwälder im Gebirge hatten schwerwiegende Folgen für die Bevölkerung. Überschwemmungen, Lawinen und Murgänge führten immer wieder zu Katastrophen.
Das heutige Waldgesetz hat sich in den vergangenen 150 Jahren weiterentwickelt und basiert auf vier Säulen: Die Waldfläche soll erhalten bleiben, der Wald schützt vor Naturgefahren, trägt zum Klimaschutz und zur Biodiversität bei und steht der Bevölkerung offen.
Beat Tinner bezeichnet das Gesetz als «visionär», es gelte heute international als Vorbild. Gleichzeitig sei der Wald ein Ort vielfältiger Ansprüche und erfülle mehrere Funktionen zugleich: Schutz, Nutzung und Erholung stehen gleichwertig nebeneinander. «Genau deshalb sprechen wir vom multifunktionalen Wald. Zu dieser Multifunktionalität bekennt sich auch die St. Galler Regierung. Hier setzen die neuen Waldziele des Kantons an», so Tinner.
Waldziele überarbeitet
Die bisherigen Waldziele stammen aus dem Jahr 2006. Seither sind neue Herausforderungen hinzugekommen: Der Klimawandel ist spürbarer geworden, neue Schadorganismen treten auf, und auch die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald verändern sich. In einem partizipativen Prozess mit Fachleuten wurden die Ziele deshalb überarbeitet. Der Wald soll stabil und anpassungsfähig bleiben, der Schutzwald zentral, Holz ein wichtiger Rohstoff. Zudem soll der Wald weiterhin Raum für die Bevölkerung bieten. Waldbau ist eine langfristige Aufgabe. Entsprechend wichtig ist gut ausgebildetes Forstpersonal, auch für die Zukunft.
Wie die Umsetzung der Ziele in der Praxis aussieht, zeigte Regionalförster Christof Gantner anhand von Beispielen im Wald und Plänen. Die verschiedenen Funktionen, etwa Schutzwald, Holznutzung oder Pflege des Naherholungsgebiets, sind im Waldentwicklungsplan (WEP) festgelegt. Dieser dient als Grundlage für die Bewirtschaftung. Kartierungen weisen die wertvollen Standorte aus und helfen, die Biodiversität gezielt zu fördern. Was auf dem Papier geplant ist, soll im Wald umgesetzt werden. Die verschiedenen Funktionen stellen die Fachleute auch vor Herausforderungen. Denn ein Schutzwald ist anders zu bewirtschaften als ein Wald, der der Erholung dient.
Förster als Naturbeobachter
Ein Schutzwald wird in erster Linie auf Stabilität und Schutzwirkung ausgerichtet, um Siedlungen und Infrastruktur vor Naturgefahren wie Lawinen oder Steinschlag zu sichern. Entsprechend erfolgen Eingriffe gezielt, damit der Wald dicht und widerstandsfähig bleibt. Ein Erholungswald hingegen wird stärker auf Zugänglichkeit, Sicherheit und Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung ausgelegt.
Förster seien Naturbeobachter. Bäume würden nicht planlos gefällt, sondern gezielt ausgewählt. Dies mit Blick auf den Wald und auf den Holzmarkt, sagte Kantonsoberförsterin Caroline Heiri. Um den Wald stabil und gesund zu erhalten, sei die Verjüngung zentral, sagte sie weiter. Entscheidend sei zudem eine Vielfalt an Baumarten. Mischwald statt Monokultur. Ebenso wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wildbestand und Waldverjüngung, um Verbissschäden an jungen Bäumen zu minimieren.

Private einbinden
Viele Bauern sind zugleich Waldbesitzer. Die neuen Waldziele führen für sie als Private zu keinen zusätzlichen Nutzungseinschränkungen. Der Kanton möchte sie ins Boot holen und setzt dabei auf Anreize und Förderprogramme. Förster stehen beratend zur Seite, um sinnvolle Projekte im Wald umzusetzen.
Die neuen Waldziele des Kantons
- Erhalt der Waldfläche sowie ihrer Qualität und räumlichen Verteilung
- widerstands- und anpassungsfähige Wälder
- langfristig funktionierende Schutzwälder
- nachhaltige Holznutzung mit regionaler Wertschöpfung
- die Förderung der Biodiversität
- attraktive Erholungsräume für die Bevölkerung
- eine leistungsfähige Forstbranche
- die zielgerichtete Information der Bevölkerung
- angepasste Wildbestände
- genügend gut ausgebildete Fachkräfte in der Waldbranche
