Junglandwirte thematisieren Digitalisierung im Kuhstall

Auch in der Milchviehhaltung schreitet die Digitalisierung voran. Das Thema interessiert: Über 100 junge und auch ein paar ältere Landwirte trafen sich am Dienstagabend auf dem Betrieb von Dominik Schnider in Gonten. Organisiert wurde der Fachabend von der Junglandwirtekommission SG/AR/AI.

Die Gastgeber Dominik (Bildmitte) und Karin Schnider mit Töchterchen Liz sowie ihrem Nachbarn und Teilzeitangestellten Martin Räss.
Die Gastgeber Dominik (Bildmitte) und Karin Schnider mit Töchterchen Liz sowie ihrem Nachbarn und Teilzeitangestellten Martin Räss.

Am Dienstagabend, 25. November 2025 waren die Junglandwirtinnen und Junglandwirte zu Gast auf dem Betrieb Schumachershütten von Dominik und Karin Schnider, oberhalb von Gonten. Im Jahre 2023 wurde ein neuer, grosszügiger Stall gebaut. Die 64 Kühe werden mit einem Melkroboter gemolken. Dieser Melkroboter liefert ganz viele Daten. So analysiert er die Werte der Milch jeder einzelnen Kuh, registriert die Aktivitäten beim Wiederkäuen oder die Futteraufnahme. Um Daten, Gesundheitsüberwachung und ein gesundes Herdenmanagement ging es auch bei den folgenden Fachreferaten. Doch zuerst gab es einen spannenden Betriebsrundgang mit vielerlei Erklärungen von Landwirt Dominik Schnider.

Über die Grenze hinaus

Bisher fanden die Junglandwirtehöcks ausschliesslich im Kanton St. Gallen statt. Die Junglandwirtekommission (Jula) wurde im Jahr 2014 gegründet. Zu ihren Aufgaben gehören das Verfassen von Stellungnahmen zu agrarpolitischen Themen oder die Förderung, der Austausch und die Vernetzung unter den Junglandwirten. Jährlich werden etwa zwei Anlässe zu aktuellen Themen und Fachrichtungen organisiert. Ideen der Jungen werden beim St. Galler Bauernverband oder beim Schweizer Bauernverband eingebracht. «Für den heutigen Höck haben wir bewusst einen Betrieb in Appenzell Innerrhoden gewählt», sagte Jula-Präsident Jan Müller in seiner Begrüssung. «Dies ist nicht ganz zufällig, denn wir suchen noch ein Kommissionsmitglied aus Innerrhoden.» In der Junglandwirtekommission des Kantons St. Gallen können neu auch Mitglieder aus beiden Appenzell Einsitz nehmen.

Gesundheit überwachen

Samuel Gstöhl, Leiter Verkauf Ostschweiz bei Lely, machte Datenerfassung, Datenauswertung und Datennutzung zu seinem Thema. Im Jahr 1999 kam der erste Lely-Melkroboter in die Schweiz, heute sind rund 1100 im Einsatz, die circa 45 000 Kühe melken. Die Datenerfassung erfolgt beim automatischen Melken. Neben den Melkdaten können auch Aktivitätsdaten zur Gesundheitsüberwachung ausgewertet werden. Die vielen Informationen werden anschliessend gebündelt und je nach Filter angezeigt. «Es gibt viele Daten. Wie können wir diese Informationen nutzen?», fragte Samuel Gstöhl in die interessierte Gästerunde. Ziel von Lely ist es, Gesundheitsprobleme auf einem Milchviehbetrieb früh zu erkennen und früh zu handeln. Mit der Früherkennung kann der Milchverlust minimiert, möglichst auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet oder die Tierarzt- und Arzneimittelkosten reduziert werden. «Die modernen Hilfsmittel sind mit einem guten Angestellten vergleichbar, der alles sieht und am Abend sagt, was in Ordnung ist und was nicht», so Samuel Gstöhl.

Der Präsident der Junglandwirtekommission Jan Müller, zusammen mit Referent Samuel Gstöhl (von links).
Der Präsident der Junglandwirtekommission Jan Müller, zusammen mit Referent Samuel Gstöhl (von links).

24 Stunden überwachen

Gesundes Herdenmanagement beginnt im Inneren der Kuh. «Mit der Bolus-Technologie werden präzise Daten und klare Handlungsempfehlungen geliefert», sagte Rafael Seeh, Verkaufsberater bei der Firma «smaXtec». Er erklärte wortgewandt, wie die Boli-Sensoren im Netzmagen der Milchkuh Daten zu Temperatur, Bewegung, Wiederkäuen und Wasserkonsum erheben. Algorithmen werten die Daten in Echtzeit aus. Ein Landwirt kann dann auf seinem Handy das «elektronische Patientendossier» jeder Kuh anschauen und merkt so frühzeitig, wenn etwas nicht stimmt. Die Daten führen zu einer schnelleren Behandlung. Seit einem Jahr hat Landwirt Ueli Tanner aus Oberhelfenschwil die neue Technologie im Einsatz. Er brachte ein paar Beispiele aus der Praxis mit: «Ich habe mit ’smaXtec‘ begonnen, weil ich so eine 24-Stunden-Überwachung meiner Kühe ohne ständige Anwesenheit habe.» Nicht zu unterschätzen sei jedoch der Zeitaufwand, um das System kennenzulernen. Zum Schluss der Veranstaltung sagte Jan Müller: «Es gibt viele Daten. Das Ziel ist, mit diesen wertvollen Daten die Arbeitswelt effizienter zu gestalten.»

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