Messeleiterin Mara Brosch im Interview: «Tier & Technik ist ein Ganzjahresprojekt»
Mara Brosch hat im April die Messeleitung der Tier & Technik übernommen. Die gelernte Kauffrau mit Weiterbildungen in Marketing, Verkauf und Teamleitung arbeitet seit 2024 bei den Olma Messen St. Gallen. Im Interview spricht sie über ihre neue Aufgabe, die Bedeutung der Landwirtschaft und die Highlights der Messe.

Sie leiten zum ersten Mal eine Messe dieser Grösse. Was war überraschender als erwartet?
Mara Brosch: Da ich im vergangenen Jahr die Tier & Technik bereits aus der Rolle als Messekoordinatorin gut kannte, gab es keine grossen Überraschungen. Ein wesentlicher Aspekt sind die vielfältigen Erwartungen an die Tier & Technik. Die Fachmesse vereint unterschiedliche Bedürfnisse – von Ausstellenden, Besuchenden und Partnerinnen sowie Partnern. Allen gleichermassen gerecht zu werden ist eine anspruchsvolle Aufgabe, macht die Funktion aber aus.
Wann beginnt für Sie die Tier & Technik, und wann hört sie auf?
Brosch: Die Tier & Technik ist ein Ganzjahreszyklus, der sich laufend weiterentwickelt. Bereits während der Messe beginnen die ersten Überlegungen für die nächste Ausgabe, sei es durch Gespräche, Feedback oder die Erkenntnis, wo noch Potenzial liegt. Spätestens im Mai startet jeweils die Akquise der Ausstellenden. Bis dahin muss das inhaltliche Konzept stehen.
Viele sehen während der Messe nur das fertige Ergebnis: Wie vielseitig ist die Arbeit einer Messeleiterin hinter den Kulissen wirklich?
Brosch: Die Arbeit einer Messeleiterin beginnt lange vor dem ersten Messetag und endet erst nach Abschluss und Debriefing. Sie reicht vom Konzept über die Ausschreibung und Planung der Sonderschauen, der Forumsvorträge und der Eröffnungsfeier bis hin zur Hallen- und Stallplanung. Während der Tier & Technik stehen Besuche bei Ausstellenden und Partnerinnen und Partnern an und im Anschluss die Nachbereitung, was zugleich die erste Vorbereitung auf die kommende Ausgabe ist.
Ohne Team geht es meistens nicht: Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Messeteam aus?
Brosch: Bei den Olma Messen St. Gallen arbeiten wir in Projektteams, die sich aus verschiedenen Disziplinen zusammensetzen. Ich darf nebst der Tier & Technik auch andere Projekte leiten – vom Street Food Festival bis hin zum Technologiesymposium. Ein gutes Messeteam zeichnet für mich vor allem ein starkes Zusammenspiel und gegenseitiges Vertrauen aus. Jede und jeder kennt seine Aufgaben, unterstützt die anderen und kann sich darauf verlassen, dass das Team gemeinsam Lösungen findet. Genau dieses Vertrauen und die Zusammenarbeit ermöglichen, dass es für Ausstellende und Besuchende zu einem erfolgreichen Erlebnis wird.

Was motiviert Sie persönlich, diese Messe zu leiten?
Brosch: Mich motiviert die Branche: Die Landwirtschaft ist offen, persönlich und wertschätzend, das macht die Zusammenarbeit äusserst angenehm und bereichernd. Mit der aktiven Gestaltung der Fachmesse und dem gezielten Einbinden von Innovationen ins Messekonzept kann ich einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Landwirtschaft leisten.
Welche persönliche Verbindung haben Sie zur Landwirtschaft?
Brosch: Ich bin ländlich in Heiden aufgewachsen und habe früh den Bezug zur Natur erlebt. Für mich ist die Landwirtschaft zentral. Ohne sie hätten wir keine Nahrung und die Innovationen betreffen uns alle. Bereits im Vorjahr konnte ich als Messekoordinatorin viele wertvolle Kontakte knüpfen. Heute begleite ich die Branche als Messeleiterin der Tier & Technik, lerne von Ausstellenden und Fachleuten und lasse die Themen, die sie bewegen, gezielt in die Weiterentwicklung der Fachmesse einfliessen.
Welche Bedeutung hat die Messe für die Schweizer Landwirtschaft?
Brosch: Die Tier & Technik ist während vier Tagen der zentrale und internationale Treffpunkt für die Landwirtschaft. Sie bietet Raum für Austausch, Wissenstransfer und persönliche Begegnungen. Viele Besuchende nutzen die Messe nicht nur für berufliche Kontakte, sondern treffen Freunde und kommen oft ein zweites Mal mit der Familie. Genau diese Kombination aus fachlichem Input und persönlicher Vernetzung prägt den Charakter der Messe.
Auf welche Highlights dürfen sich Besucherinnen und Besucher besonders freuen?
Brosch: Ein Highlight ist das Schwerpunktthema «Landwirtschaft 4.0». Die dazugehörige Sonderschau ist gemeinsam mit verschiedenen landwirtschaftlichen Schulen entstanden und verbindet die Forschung mit der Praxis. Besuchende erleben, wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Landwirtschaft nachhaltig prägen. Beispielsweise ist das Projekt «Open Field Automation» der Ostschweizer Fachhochschule (Ost) und der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL vor Ort, bei dem ein autonomes Gerät Unkraut gezielt ohne Pflanzenschutzmittel bekämpft.
Gibt es Trends, die sich in diesem Jahr besonders deutlich zeigen?
Brosch: Aktuell beobachten wir, dass landwirtschaftliche Betriebe vermehrt vor finanziellen Herausforderungen stehen: Die Kreditkassen verfügen über weniger Mittel, Rückzahlungsfristen verlängern sich und Projekte werden zunehmend grösser und komplexer. Das führt dazu, dass Investitionen sorgfältiger geplant werden müssen. Die Tier & Technik bietet den Betrieben einen wichtigen Überblick über Innovationen, Technologien und praxisnahe Lösungen, um solche Projekte effizient umzusetzen.
In zwei Wochen ist es so weit, dann öffnet die Messe ihre Tore. Welche Arbeiten stehen noch an?
Brosch: In den kommenden Tagen geht es vor allem um den letzten Feinschliff: Wir bereiten die Anmeldung der Kühe vor, klären täglich diverse Fragen der Ausstellenden und treffen die letzten Vorbereitungen für den Aufbau nächste Woche. Ausserdem ist der interne Aufbau bereits in vollem Gange – Stände, Ställe und Stromanschlüsse werden installiert, damit zum Start alles reibungslos funktioniert.
Wo wird man Sie während der Messe antreffen?
Brosch: Ich bin überall und nirgends. (lacht) An allen vier Tagen bin ich gemeinsam mit dem Messeteam auf Besuch bei Ausstellenden, mache Messeführungen für potenzielle Ausstellende und schaue mir die Highlights an. Natürlich bin ich auch im Stall anzutreffen und an der IGBS-Night.
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