Den Anbindestall einfach optimieren

Die IG Anbindestall Schweiz lud zur Bauernfamilie Ernst und Fabienne Brunner in Schwellbrunn ein. Kuhsignaltrainer Christian Manser berichtete von seinen Erfahrungen. Die Tagung schloss mit einer Betriebsbesichtigung bei Familie Knellwolf in Waldstatt.

Kuhsignaltrainer Christian Manser sprach über die Optimierung von Anbindeställen.

Kuhsignaltrainer Christian Manser sprach über die Optimierung von Anbindeställen.Michael Schum, der den Anlass organisierte, und Thomas Knutti, der Präsident der IG Anbindestall, begrüssten die Gäste auf dem Gägelhof bei der Familie Brunner in Schwellbrunn. Kuhsignaltrainer Christian Manser vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen gab Anstösse zu einfachen Optimierungsmöglichkeiten im Anbindestall. Wenn er einen Stall betrete, frage er sich immer: «Wäre ich in diesem Stall gerne die schwächste Kuh oder wäre ich gerne ein Mitarbeiter in diesem Stall». Arbeitseffizient müsse ein Stall eingerichtet sein, ob Freilauf- oder Anbindestall, sei eher zweitrangig: «Holt zuerst das Optimum aus euren bestehenden Ställen heraus, bevor ihr an teure Neubauten denkt», empfahl er den zahlreichen interessierten Gästen. Durch gute Beobachtung könne man mit einfachen Mitteln mehr Licht und genug Frischluft auch in einen älteren Stall hineinbringen. «Mit einer vorbildlichen Haltung haben wir es selber in der Hand, wie lange es noch Anbindeställe gibt.»

Optimum und Freude

«Für den Kopfschwung der Tiere beim Aufstehen muss die Mauer der Futterkrippe durch ein Gummiteil ersetzt sein, dann entsteht ein grosszügiger Schwungraum. Ist dieser vorhanden, spielt die Lagerbreite und -länge weniger eine Rolle.» Keine glatten Böden und eine gute Klauenpflege beugen Unfällen vor. In alten bezahlten, optimierten Anbindeställen verdiene man oft am meisten Geld. Freude an den Tieren gehöre selbstverständlich und grundsätzlich dazu. Dann sehe ein Tierhalter, ob die Tiere bequem liegen. Kühe seien leider schmerztolerant. Der Tierhalter müsse merken, wenn etwas nicht stimme, und den Ursachen auf den Grund gehen, schauen, ob ein Tier irgendwo eine Verletzung habe oder nicht bequem liege: «Entscheidend ist immer, dass man handelt und die Haltung und Betreuung anpasst, wenn kritische Kuhsignale erkannt werden.» Wenn ein Tier schräg auf dem Lager liegt, bedeutet das, dass es vorne zu wenig Platz beim Aufstehen hat. Beim Kalben soll ein Tier nicht angebunden sein. Darum gehört zu jedem Anbindestall eine Abkalbebox. Die Tiere müssen sich beim Kalben bewegen können, dann können sie das Kalb selbst in die richtige Lage bringen.

Ein neuer Anbindestall

Manser ging auch auf die guten Lösungen im Stall Brunner ein. Viel Licht, Luft, Platz und Ruhe gibt es im grosszügigen Neubau. Durch Lüftungsschlitze an der Decke kann feuchtwarme Luft entweichen. Die zum Teil von weit her angereisten Mitglieder der IG Anbindestall konnten sich selbst umsehen. Ernst und Fabienne Brunner übernahmen den Betrieb in der Bergzone 2 im Jahr 2020 von Hans und Elisabeth Brunner. Sie entschieden sich beim nötigen Neubau für einen Anbindestall, auch weil sie diese Betriebsform zusammen mit der Alpwirtschaft für geeignet halten: «Die Tiere müssen robust und gesund sein, eine gute Fruchtbarkeit und Milchleistung aufweisen und der Tierarzt sollte möglichst wenig kommen müssen», sagte Brunner. In seinem Stall stehen Braunviehkühe, darunter auch schön gezeichnete Blüem und ein Stier.

Im Stall der Familie Brunner gibt es viel Licht und Luft, was den Tieren zugutekommt.
Im Stall der Familie Brunner gibt es viel Licht und Luft, was den Tieren zugutekommt.

Auf dem Betrieb Knellwolf

Auf dem Betrieb von Josef Knellwolf wurde den Interessierten konkret aufgezeigt, wie ein Anbindestall kostengünstig optimiert werden kann. So liegen die Kühe auf einer kompakten, 30 Zentimeter dicken Strohmatratze. Der Schwungraum gegen den Futtertisch hin ist elastisch und die Fenster sind auf einer Stallseite ganzjährig geöffnet. Auch die Seitenwände an den Liegeflächen sind entfernt worden. Die 16 100 000er-Kühe, welche die Familie Knellwolf bereits hervorgebracht hat, belegen eindrücklich, dass ihnen diese Haltungsform und die professionelle Betreuung offenbar zusagen.

Ein Bild, dass der Kuhsignaltrainer Christian Manser gerne sieht: Liegende Kühe im Stall der Familie Knellwolf. Bild: zVg.
Ein Bild, dass der Kuhsignaltrainer Christian Manser gerne sieht: Liegende Kühe im Stall der Familie Knellwolf. Bild: zVg.

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