Heisse Themen beschäftigen Sarganserländer Bauern
Die Traktanden der Hauptversammlung der Landwirtschaftlichen Vereinigung Sarganserland gingen rasch und ohne Gegenwind über die Bühne. Interessantes hatten danach die Gastredner, Nationalrat Walter Gartmann sowie Kantonsrat Marco Gadient, zu berichten.
In der Sarganser Markthalle School führte Präsident Fabian Widrig aus Bad Ragaz die Hauptversammlung (HV) der Landwirtschaftlichen Vereinigung Sarganserland in gewohnt zügiger Art und Weise durch. Die statutarischen Geschäfte inklusive Jahresrechnung von Kassier Remo Rupf wurden von den 38 anwesenden Stimmberechtigten jeweils einstimmig verabschiedet. Nach 17-jähriger Vorstandstätigkeit hat der Walenstadter Braunviehzüchter Andreas Lendi seinen Rücktritt bekannt gegeben. Der Vorstand ist bemüht, für diese Vakanz geeignete Kandidaten zu finden.
Motiviert fürs Präsidium
Anschliessend gab Ruedi Thomann, Vorstandsmitglied beim St. Galler Bauernverband, Einblick in die aktuellen Geschäfte. So informierte er beispielsweise darüber, dass der Vorstand des Bauernverbands und der Geschäftsführer Mathias Rüesch nach knapp dreijähriger Zusammenarbeit getrennte Wege gehen (der «St. Galler Bauer» berichtete). Die bisherige Stellvertreterin der Geschäftsführung, Muriel Kofler, übernehme die operativen Geschäfte, bis ein Nachfolgerin oder ein Nachfolger bestimmt sei. Anschliessend kam Thomann auf den Rücktritt des Verbandspräsidenten Peter Nüesch zu sprechen. Nüesch scheidet aufgrund einer Amtszeitbeschränkung nach zwölfjähriger Tätigkeit aus dem Vorstand aus. Thomann ist seit 2021 Mitglied im Vorstand des St. Galler Bauernverbands und wurde vom Verband als Nachfolger von Nüesch nominiert. Der 44-jährige Bergbauer erklärte, er würde die Herausforderungen im Kanton als Verbandspräsident mit Herzblut angehen. Er wolle seine geknüpften Verbindungen als Kantonsrat und zu verschiedenen Organisationen nutzen, um der Landwirtschaft den Rücken zu stärken. An der Delegiertenversammlung vom Mittwoch, 26. März, finden dann die Erneuerungswahlen in Rebstein statt.
Herausforderung Natur
Momentan setzt sich die Landwirtschaftliche Vereinigung Sarganserland aus 312 Mitgliedern mit bäuerlichem Hintergrund aus dem ganzen Kreis Sarganserland zusammen. In seinem Rückblick streifte Präsident Widrig kurz die Geschehnisse des vergangenen Jahres, das wiederum von einem Auf und Ab für die Landwirtschaft geprägt war. Insbesondere die ungewöhnlichen Temperatur- und Regenkapriolen seien zur Herausforderung geworden. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt sei die Vegetation im Frühling drei Wochen früher erwacht. Die Heuernte sei vielerorts, je nach Schnittzeitpunkt und Betriebsstandort, qualitativ oder quantitativ gut gewesen. Erfreuliches wusste Widrig über den Silomais zu berichten: In der Region seien überwiegend gute Erträge mit guten Gehalten eingefahren worden. Dem Gemüsebau habe das Wetter einmal mehr zu schaffen gemacht. Je nach Standort, Saat- und Erntezeitpunkt der Kulturen habe es gute oder schlechte Erträge gegeben. Wobei insbesondere die Pflegearbeiten wieder fordernd gewesen seien.
Milchpreis wieder stabil
Der Präsident kam in seinem Rückblick denn auch auf die Alpsömmerung zu sprechen, welche als «durchschnittlich» eingestuft worden ist. Denn trotz frühem Erwachen der Vegetation sei es nichts geworden mit einem langen Alpsommer; wegen starkem Schneefall am 13. September mussten viele Tiere die Alpen vorzeitig verlassen. Der Milchpreis hingegen habe sich wieder stabilisiert, nachdem im Frühjahr 2023 ein Rückschlag verzeichnet worden sei, erklärte Widrig.
Erfreuliches zu berichten wusste der Präsident auch von den Nutz- und Schlachtviehpreisen: Das Pouletfleisch sei nach wie vor gefragt. Im Jahr 2024 sei in der Schweiz mehr davon produziert und gleichzeitig mehr importiert worden, um die Versorgung zu gewährleisten. Und nicht zuletzt habe man auch beim Eiermarkt eine gewisse Entspannung verzeichnen können – sowohl im konventionellen als auch im Biosegment sei die Nachfrage gestiegen.
«Planetarischer Unsinn»
SVP-Nationalrat Walter Gartmann aus Mels, der selbst in bäuerlichem Umfeld aufgewachsen ist, war es vorbehalten, die Versammlung abzurunden. Kaum am Rednerpult angelangt, kam der 56-Jährige auf die Abstimmung über die Umweltverantwortungs-Initiative zu sprechen. Für ihn sei das «ein planetarischer Unsinn», welcher auch bei gutem Willen und vernünftiger Basis weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich umgesetzt werden könne. Die gefassten Ziele seien in seinen Augen utopisch.
Unter anderem über mögliche Energiegewinnungen respektive die aktuellen Diskussionen über Lärmemissionen und Landschaftsverschandelung durch Windräder wusste der zweite Referent, SVP-Kantonsrat Marco Gadient, ungeschönt, ausgiebig und fundiert zu berichten. Der gut vernetzte Flumser Bauer und Ortsgemeindepräsident kam in seinem Votum diesbezüglich auf die vielen und vielseitigen Bedürfnisse der Konsumenten, Anstösser, Ferienbesucher, Bodenbesitzer und Naturschützer zu sprechen. Ob und wie dieser gordische Knoten zur Befriedigung der vielen Ansprüche und Forderungen gelöst werden könnte, das werde zu einer Herkulesaufgabe.

