Mooh fordert faire Lastenverteilung im Milchmarkt

Bei der zehnten Generalversammlung der Mooh Genossenschaft am 9. April 2026 in Rothenthurm gab es trotz des Jubiläums wenig Grund zum Feiern. Zwei neue Verwaltungsratsmitglieder nehmen im Gremium Einsitz, während aus den Genossenschafterreihen der Ruf nach einem Ausstieg aus der Branchenorganisation Milch (BOM) laut wurde.

240 Stimmberechtigte und zahlreiche Gäste besuchten die Generalversammlung der Mooh in Rothenthurm.
240 Stimmberechtigte und zahlreiche Gäste besuchten die Generalversammlung der Mooh in Rothenthurm.

Am 9. April 2026 trafen sich 240 Stimmberechtigte der 3380 Mitglieder der Mooh Genossenschaft zur Generalversammlung in der Markthalle Rothenthurm. «Nicht nur die weltpolitische Lage ist getrübt, auch in der Milchwirtschaft sind dunkle Wolken aufgezogen. Eine baldige Rückkehr zur regelbasierten Weltordnung scheint aktuell in die Ferne gerückt», begrüsste Verwaltungsratspräsident Martin Hübscher die Teilnehmenden. «Extrem gefordert» sei das Mooh-Team im vergangenen Jahr durch hohe Einlieferungen und Absatzprobleme gewesen.

Zehn Jahre Mooh

Zum zehnjährigen Bestehen der Genossenschaft gebe es wenig Grund zum Feiern. Präsident Hübscher zeigte sich aber zuversichtlich: «Wir überstehen diese Krise. Wir konnten in den letzten zehn Jahren zehn Millionen Franken Eigenkapital bilden, aber unsere Liquidität ist stark gefordert», so der Landwirt. Die Enttäuschung gegenüber der Branche brachte er während der Versammlung klar zum Ausdruck. «Wenn wir den Winkelried spielen und die C-Milch schaffen, ist es schade, wenn wir keine Unterstützung erhalten.»

Faire Lastenverteilung

Die Mooh möchte ihren Lieferanten die massive, überproportionale Belastung kein zweites Mal zumuten. In einer von der Versammlung angenommenen Resolution forderte die Mooh die Schweizer Milchproduzenten (SMP) auf, jetzt die Verantwortung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass alle Milchproduzenten in gleichem Ausmass einen Beitrag zur Marktentlastung leisten. Im Weiteren wird von der Branchenorganisation Milch (BOM) gefordert, für die Umsetzung ihrer beschlossenen Massnahmen verbindliche Spielregeln zu definieren.

Ebenso soll Transparenz geschaffen werden, und fehlbare Organisationen, die nicht zur Marktentlastung beitragen, sollen entsprechend sanktioniert werden.

Hoffnungsträger Laubbach

«Wir fühlen im Moment keine Lastenverteilung, der Wille der Branche fehlt, die Mengen solidarisch zu verteilen. Wir sind nicht handlungsfähig, weil Einzelinteressen über die Interessen der Branche gesetzt werden», sagte auch Geschäftsführer René Schwager mit Blick auf den Kampf um die A-Anteile.

Aus diesem Grund möchte die Mooh Möglichkeiten schaffen, mehr Kraft zu haben, weniger verletzlich zu sein und stärker am Markt aufzutreten.

Vermehrt auf Milchprodukte im Schweizer Markt zu setzen ist ein klares Ziel der Vision 2050. Dazu betonte Schwager die Zusammenarbeit mit den Tochtergesellschaften Käserei Laubbach AG und Swiss Mooh AG.

26 Millionen Kilo Milch wurden im vergangenen Jahr in Laubbach verarbeitet; der Weiterausbau mit neuer Produktionslinie ist in Umsetzung. «Bis 250 Tonnen Milch sollen künftig täglich verarbeitet werden», so Schwager. Damit könnten bis zur Hälfte der Milchspitzen selbst reguliert werden, wenn es gelingt, die Produkte abzusetzen und den Betrieb hochzufahren. Im Weiteren ist geplant, für den Export, trotz des ausgebliebenen Wachstums in China, Kompetenz und Netzwerk weiter zu nutzen.

Verwaltungsratspräsident Martin Hübscher berichtet über die schwierige Lage am Schweizer Milchmarkt.
Verwaltungsratspräsident Martin Hübscher berichtet über die schwierige Lage am Schweizer Milchmarkt.

Neuer Lademengenzuschlag

Zu reden gab zunächst auch der Vorschlag der Anpassung des Lademengenzuschlags. Durch strukturelle Veränderungen liefert heute der durchschnittliche Betrieb 23 Prozent mehr Milch als vor zehn Jahren. Feinere Abstufungen und eine Linearität ins System zu bringen ist das Ziel – dies mit den Zuschlägen, in achtfacher Abstufung von 0,25 Rappen bei 1650 Kilo pro Auflad, bis zwei Rappen ab 9350 Kilo pro Auflad.

Nach zwei weiteren Vorschlägen aus den Mitgliederreihen (300 000er-Schritte, Zuschlag ab 1500 kg) wurde schliesslich der ursprünglich vom Verwaltungsrat vorgeschlagenen Anpassung zugestimmt.

Ender und Nüesch neu im Verwaltungsrat

Für die Abtretenden Hans Tanner und Boris Beuret wurden Manuel Ender aus Büsserach, Kanton Solothurn, und Peter Nüesch aus Widnau für den Verwaltungsrat (VR)vorgeschlagen. Willy Preisig aus Herisau wurde zudem aus den Mitgliederreihen vorgeschlagen. Bei der Wahl holten sich Ender und Nüesch mehr Stimmen und nehmen neu im Verwaltungsrat der Mooh Einsitz.

Christa Diem erläuterte im Anschluss den zurückhaltend optimistischen Ausblick auf den Milchpreis in den nächsten Monaten. «Wir möchten im Sommer die Richtpreiskorrektur zum Vorjahr erreichen, zunächst geht es aber darum, das Feuer zu löschen», sagte die stellvertretende Geschäftsführerin.

Austritt BOM beantragt

Den Unmut über die aktuell sehr angespannte Situation brachten verschiedene Genossenschafter zum Ausdruck. So wurde unter Applaus mehrmals beantragt, die Beiträge an die SMP und die BOM zu streichen. «Wie erklären wir das unseren Kindern?», fragte ein Milchlieferant aus Schaffhausen. Als inakzeptabel bezeichnet er die Ausgangslage für die kommende Generation: «Wenn unsere Organisationen nicht in der Lage sind, das umzusetzen, was beschlossen wurde, muss man ihnen das Geld streichen.»

Martin Hübscher nahm die Voten auf. «Ein zweites Mal können wir nicht den Winkelried spielen, wir möchten uns alternativ anders aufstellen», so Hübscher, der die Austrittsgesuche in den Verwaltungsrat mitnimmt.

Geld wird im Handel verdient

Gastreferent Mathias Binswanger zeigte in seinem Vortrag «Wie müssen sich die Milchbauern aufstellen, dass sie in der Schweiz mit der Milchproduktion längerfristig Geld verdienen können?» bedenkliche Faktenlagen auf. Freihandel, Produktionskosten oder Lohnumfeld erschweren eine konkurrenzfähige Landwirtschaft in der Schweiz.

Als politischer Entscheid wird diese geschützt, was jedoch aufgrund widersprüchlicher Anreize auch zur Hochleistungsmilchproduktion tendiert. «Das Geld im Lebensmittelsegment wird im Handel verdient», zeigte Binswanger die Marktmacht der grossen Schweizer Detaillisten auf. Er betonte, dass fehlender Zollschutz durchaus angegangen werden könne. Aber auch ein Bündel von Massnahmen wie wirksame Mengensteuerung, gerechtere Risikoverteilung und Beseitigung von Fehlanreizen seien nötige Mittel.

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