Es rumort bei den Schweinehaltern

Am 6. März 2026 fand in Kirchberg die 49. Generalversammlung (GV) der Suisseporcs Sektion Ostschweiz statt. Was Präsident Thomas Kempf in seinem Jahresbericht ansprach, entwickelte sich im Anschluss an die kurze Versammlung zu einem teilweise heftigen und emotionalen Diskurs über die aktuelle Situation im Schweinemarkt. Eine Lösung ist nicht greifbar.

Die Schweinehalter brauchen eine Lösung für eine stabile Produktion.
Die Schweinehalter brauchen eine Lösung für eine stabile Produktion.

Nach einer halben Stunde war die Generalversammlung der Suisseporcs Sektion Ostschweiz in Kirchberg abgehakt. Samuel Walser aus Altikon wurde in den Vorstand gewählt und Karl Schweizer aus Degersheim nach vielen Jahren Mitarbeit verabschiedet. «Das Jahr 2025 war für Schweinehalter insgesamt erfolgreich, geprägt von guten Preisen und soliden Abschlüssen», hielt Präsident Thomas Kempf zuerst in seinem Jahresbericht fest. Seine weiteren Aussagen liessen erahnen, dass die Stimmung gekippt ist. «Die Einstallzahlen ab Mai 2025 lassen schwierige Zeiten für das kommende Jahr erwarten. Trotz mehrfacher und faktenbasierter Hinweise von Suisseporcs blieben diese meist unbeachtet. Politische Preise ab Herbst 2025 haben zu Fehlanreizen und Fehlinterpretationen geführt, deren Folgen wir 2026 spüren werden», sagte er weiter. Die Überproduktion liege jedoch nicht alleine in der Verantwortung der Produzenten. Er kritisierte, dass Verwerter zunehmend auf ausländisches Fleisch zurückgriffen.

Überproduktion belastet

Es war dann Andreas Bernhard, der mit seinen Ausführungen die Schweinezüchter und -mäster aufscheuchte. Der Zentralpräsident skizzierte die Ausgangslage: Der freie Markt habe nach zwei Jahren zu einer starken Überproduktion geführt, das Jagerpreismodell helfe bei der Preisfindung zwischen Züchter und Mäster. Der Jagerpreis lasse sich nicht vom Schlachtschweinepreis entkoppeln. Produktionswirksame Preissenkungen bei normalen Schlachtschweinepreisen seien nicht möglich. Zudem würden 55 Prozent der Mastjager über den Handel vermarktet, der Rest bleibe in geschlossenen Betrieben. «Mit dem heutigen System muss der Markt kollabieren, bis die Produktionsstrukturen angepasst werden», meinte er und zeigte die aktuellen Marktentlastungsmassnahmen auf. Zur Lösung der Überproduktion müsse die gesamte Branche beitragen, vor allem die Schlachthöfe und die Verarbeiter, denn unter tiefen Preisen würden alle leiden. Er wiederholte den Aufruf, freiwillig Zuchtsauenplätze stillzulegen, sonst würden Massnahmen aufgezwungen. Regelmässige Krisen wie in den letzten vier Jahren sollten vermieden werden. «Die Produzenten haben die Chance, das Problem selbst zu lösen.»

Effektive Lösung gesucht

In der Diskussion ging es um den Sinn und die Wirkung der Marktentlastungsbeiträge und die nachhaltige Wirkung von Stilllegungsprämien. Ob es die Sache des Verbands sei, Fleisch zu exportieren, wurde infrage gestellt und ein Votant schlug vor, das Schlachtgewicht zu senken, statt permanent zu erhöhen, wie es in den letzten Jahren geschehen sei. Misstrauen und Zweifel wurden geäussert, Vorschläge gemacht, der vorsorgliche Einzug der Entlastungsbeiträge rechtlich angezweifelt. Thomas Kressibucher, Vorstandsmitglied Suisseporcs Sektion Ostschweiz, legte seine Gedanken zur aktuellen Situation im Schweinemarkt schriftlich vor. Die Zahl von 45 000 Schlachtschweinen pro Woche sei von den Produzenten als Zielmenge vorgeschlagen worden, jetzt werde sie von den Abnehmern als Maximalmenge definiert. Und der Rest der benötigten Menge, werde dieser importiert? Seit acht Jahren gebe es zu viele Mastplätze. Für jeden Unternehmer sei es klar, dass er die Ställe fülle. Alle vorgelagerten und nachgelagerten Akteure wollten profitieren und somit sei niemand an einer Reduktion interessiert. Würden Ställe stillgelegt und der Markt sich wieder erholen, ginge das Spiel von Neuem los. Es brauche deshalb Weitsicht und Fairness von allen, um eine Lösung zu finden.

ASP-Konformität

Stefanie Klausmann, Tierärztin und stellvertretende Leiterin des Schweinegesundheitsdienstes (SGD) Zürich-Ost, informierte über die Entwicklung der ASP-Konformität im Sinne der Biosicherheit (ASP steht für Afrikanische Schweinepest). Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) will aufgrund der anwendbaren EU-Richtlinien die ASP-Konformität von Schweinebetrieben zur Bewegung von Schweinen in Schutz- und Überwachungszonen definieren. Sie erklärte die baulichen Anforderungen, die darauf abzielen, den Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen und den Zutritt von unbefugten Personen zu verhindern, und die Zugangskontrollen sowie die Hygienemassnahmen. Es gibt Vorsichtsmassnahmen, die zur Stufe eins gehören und bereits umgesetzt werden sollen, bevor die ASP ausbricht, denn dann gebe es noch genug zu tun. Zu dieser Stufe gehören auch die Pflicht zur Information aller involvierten Personen und die korrekte Entsorgung von Kadavern. Die Stufe zwei sei noch in Diskussion. Sie kommt nach einem ASP-Ausbruch zum Zug und sieht Einschränkungen und Vorschriften vor.

Brandverhütung im Stall

Als letzter Referent war Heinz Feldmann an der Reihe. Er ist noch bis Ende Monat Sicherheitsfachmann der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL), dann geht er in Pension. Er informierte über die Kampagne «Brandverhütung in der Landwirtschaft». Betriebsverantwortliche, Familienangehörige und Mitarbeitende landwirtschaftlicher Betriebe sollen verstärkt für die Brandgefahren sensibilisiert werden und sie sollen einfach anwendbare Präventionsmassnahmen kennenlernen.

In der Schweiz ereignen sich in landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden jedes Jahr rund 500 Brände. Die Hälfte davon aufgrund von Blitzeinschlägen. Feldmann lud dazu ein, mit offenen Augen durch den Betrieb zu gehen, um Mängel zu beheben und falsch gelagerte Materialien zu erkennen, sowie unsachgemässen Umgang mit Geräten zu vermeiden. Er riet, einen eigenen Notfallplan und ein Evakuationskonzept für Mensch und Tiere zu erstellen. Auf der Webseite von Suisseporcs ist ein umfangreiches Merkblatt «Brandverhütung in Schweineställen» zu finden. «Die Eigenverantwortung der Landwirtinnen und Landwirte ist zentral», betonte Feldmann.

Das könnte Sie auch interessieren

stgallerbauer.ch Newsletter
Seien Sie die Ersten, um neueste Updates und exklusive Inhalte direkt in Ihren E-Mail-Posteingang zu erhalten.
Anmelden
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link