Wenn Naturfutterbau mit Kalk und Schwefel düngt
Mehr als 150 interessierte Pflanzenbauer folgten der Einladung des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen (LZSG) zur Flurbegehung auf den Feldern des Flawiler Mattenhofs, die von Werner Iten bewirtschaftet werden. Das Thema an diesem warmen Dienstag, 23. Juni 2026: Maisanbausysteme im Vergleich und Sortenversuche. Im Bereich Naturfutterbau laufen Versuche mit Kalk- und Schwefeldüngung.

Obwohl die Flurbegehung erst um 20 Uhr stattfand, war es Kurze-Hosen-Wetter und die Schattenplätze unter den Bäumen waren begehrt, bis in drei Gruppen gestartet wurde. Die drei Posten betreuten Christoph Gämperli, Berater Ackerbau und Geschäftsführer der St. Gallischen Saatzuchtgenossenschaft, Daniela Paul und Bruno Nabulon von der Fachstelle Futterbau und Biodiversität am LZSG sowie Albert Fässler und Jakob Vogel von der Laveba, die auch zum anschliessenden Imbiss einlud.
Stickstoff für Mais
An der Flurbegehung stellte Christoph Gämperli aktuelle Ergebnisse seines Maisanbauversuchs vor. Seit einigen Jahren untersuchen er und sein Team, wie Weissklee in der Fruchtfolge genutzt werden kann, um den Mais auf natürliche Weise mit Stickstoff zu versorgen. Die ersten Resultate aus den Jahren 2022 bis 2025 liegen vor und sie seien vielversprechend. In den meisten Versuchsvarianten wurde der Mais mittels Streifenfrässaat direkt in einen bestehenden Weisskleebestand gesät. Dabei habe sich deutlich gezeigt, dass der Klee dem Mais Stickstoff zur Verfügung stellen kann. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich von dieser Düngewirkung beeindruckt. Neben der zusätzlichen Stickstoffversorgung biete das Verfahren weitere Vorteile, wie Gämperli betonte. Der Boden bleibe das ganze Jahr über bedeckt, was ihn vor Erosion schütze und die Bodenstruktur fördere. Zudem seien die Flächen auch während der Ernte gut befahrbar. Allerdings: «Ganz ohne Herausforderungen ist das System nicht. Der Weissklee konkurriert mit dem Mais um Wasser und Nährstoffe», machte der Fachmann bewusst. Besonders in den heissen und trockenen Wochen dieses Jahres wurde sichtbar, dass der Kleeunterwuchs den Wasserbedarf erhöht. Entsprechend scheine der Mais in diesem Jahr auf den gepflügten Versuchsflächen, auf denen zuvor Mais mit Weisskleeunterwuchs angebaut wurde, die besten Wachstumsbedingungen vorzufinden.
Kalk gegen saure Böden
Auf Wiesenabschnitten haben Daniela Paul und Bruno Nabulon Versuche mit Kalk und Schwefel gestartet. Unterschiede gab es noch keine zu erkennen. In der Theorie erklärten sie die Wirkung von Kalk, der als Dünger und Bodenverbesserer den pH-Wert erhöht und die Verfügbarkeit von Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und vielen mehr verbessert. Kalk wird hauptsächlich aus gemahlenem Kalkstein hergestellt und enthält Kalciumkarbonat und Magnesiumkarbonat, die für das Pflanzenwachstum wichtig sind. Er dient primär dazu, den Säuregehalt des Bodens zu neutralisieren und den pH-Wert zu stabilisieren. Dadurch wird die Nährstoffaufnahme der Pflanzen verbessert. Kalkarten gebe es verschiedene, auch preislich, erklärte Bruno Nabulon und gab auf entsprechende Fragen Informationen dazu. Schwefel sei ein essenzieller Pflanzennährstoff, der am besten in Sulfatform gedüngt werde, um eine schnelle und effiziente Aufnahme durch die Pflanzen zu gewährleisten. Dieser sei direkt pflanzenverfügbar, wasserlöslich und könne über Wurzel und Blatt aufgenommen werden. Elementarer Schwefel müsse zuerst durch Bodenmikroorganismen zu Sulfat umgewandelt werden. Dieser Prozess sei langsam. Beim Futterbau sei elementarer Schwefel allerdings nicht empfehlenswert, da er sauer wirkt und durch die Hofdünger ohnehin schon eine rechte Menge gedüngt werde. Besser sei, zu kalken. Kalk fördert gute Futterpflanzen, die etwa die Gemeine Rispe unterdrücken könnten. Die oberste Bodenschicht sei am sauersten. Sogar im Alpstein seien die Böden sauer, weil es dort mehr regne, wusste der Appenzeller Bruno Nabulon.

Neue Mischungen
Extremwetterlagen wie Hitze und zu wenig Wasser oder saurer Regen verlangen nach Lösungen im Acker- und Futterbau. Versuche werden deshalb in allen Bereichen gemacht und Erfahrungen gesammelt. Schliesslich müssen neue Methoden praxistauglich und mit den gängigen Maschinen umsetzbar sein. Albert Fässler und Jakob Vogel liessen verschiedene Ufa-Maissorten aussäen und nebeneinander wachsen. Entlang dieses Versuchsfeldes konnten die Teilnehmenden selber Unterschiede bei Aussehen, Farbe, Grösse und Blattformen ausmachen. Die beiden Berater erklärten verschiedene Mischungen und gaben Tipps, worauf nach der Ernte von Raps und Getreide geschaut werden soll und, dass Zwischenfutter als Ergänzung sinnvoll sein könnte. «Es braucht Geduld und Vorräte werden immer wichtiger. Wetterextreme gibt es auch an anderen Orten. Deshalb muss selbst geplant und angebaut werden», meinten sie. Bei Mischungen seien die regionalen Bedingungen zu berücksichtigen. Albert Fässler zieht die Fruchtfolgeflächenmethode der Gründüngung vor, um mehr Ertrag zu generieren. Beim Raps sei die Beizung im Herbst wieder möglich. Die Wirkung halte vier bis sechs Wochen an. Die Drahtwürmer seien dieses Jahr beim Mais ein Problem, teilte ein Lohnunternehmer mit. Eine befriedigende Lösung ist offensichtlich noch nicht in Sicht.

Neu im Kanton St. Gallen
Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Teilnehmenden auch über wichtige regulatorische Neuerungen im Maisanbau informiert. So darf künftig bei Erträgen, die über den Normwerten liegen, bis zu rund 30 Kilo Stickstoff pro Hektare zusätzlich in der Nährstoffbilanz angerechnet werden. Ebenfalls vorgestellt wurde die Handhabung der Maiswurzelbohrer-Regelung für den Anbau von Mais nach Mais im Kanton St. Gallen. Die anwesenden Landwirtinnen und Landwirte nahmen die pragmatische Lösung des Kantons positiv auf.
