Bergackerbau im Alpstein mit Linsenfeldern auf 1200m ü. M.
Der Verein Alpsteinkorn organisierte am 9. und 12. Juni 2026 zwei Flurgänge. Zur ersten Feldbesichtigung am Dienstag lud die Familie Luzia und Jakob Knaus in Unterwasser ein. Am Freitag begrüsste Peter Gätzi die Interessierten bei sich in Appenzell. Beide Flurgänge waren gut besucht.

Der Verein Alpsteinkorn engagiert sich in der gesamten Alpsteinregion vom Toggenburg über Appenzell Ausserrhoden bis nach Appenzell Innerrhoden für die Förderung und Weiterentwicklung des Bergackerbaus. Neben Beratung und Unterstützung der Landwirte im Ackerbau gehören auch zukunftsorientierte Anbauversuche zu den Aufgaben des Vereins. Neu seit 2026 ist die Ausarbeitung eines Fruchtfolgekonzepts, das auf die Anforderungen des Bergackerbaus abgestimmt ist. Unterstützt werden die Projekte von den Kantonen St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden sowie von der Ernst-Göhner-Stiftung.
Mitten im Züchtungsprozess
Dieses Jahr wird an den Standorten Unterwasser und Appenzell ein Winterweizenversuch mit 27 verschiedenen Sorten und Populationen durchgeführt. Teils sind diese Sorten bereits am Markt verfügbar. Die Populationen sind jedoch noch mitten im Züchtungsprozess. Wert wird beim Winterweizenscreening vor allem auf die Resistenz gegen Schneeschimmel sowie Zwerg- und Stinkbrand und standortangepasste Sorten gelegt. Wichtig ist aber auch die Qualität des Ernteprodukts hinsichtlich Proteingehalt und weiteren bedeutenden Merkmalen. Bereits jetzt im Juni konnten auf beiden Betrieben deutliche Sortenunterschiede festgestellt werden.
Spannend zu beobachten ist vor allem, dass Sorten, die im Tal weniger gut geeignet sind, sehr gut in Höhenlagen von knapp 1000 Metern wie in Unterwasser oder auf rund 1200 Metern im Appenzell funktionieren. Die Populationen stammen nach Angaben von Geschäftsführerin Mjriam Frei von der Getreidezüchtung Peter Kunz und sind im Feld noch sehr heterogen, da sie sich noch im Züchtungsprozess befinden. «Die serbischen Sorten von Biogranum, die wir im Versuch integrieren dürfen, überzeugen uns unter anderem bisher am meisten, da sie bereits am Blühen sind, einen niedrigen Wuchs aufweisen und gesund sind», erklärte Frei am Feld.

Linsen und Kartoffeln im Alpstein
Dass Getreide in Höhenlagen funktioniert, erscheint noch logisch. Doch Linsen und Kartoffeln auf 1200 Metern Höhe? Funktioniert das? Ja, das funktioniert tatsächlich. Bei Peter Gätzi in Appenzell befindet sich einer der drei Linsenversuche des Vereins Alpsteinkorn. Auf dem Feld überzeugen die feinen Pflanzen bereits jetzt. Beim Kabb-Berglinsenversuch, finanziert von Bio Knospe, wird die Eignung von Linsen mit verschiedenen Mischungspartnern wie Leindotter, Braugerste sowie Hafer getestet. Der Einbau von Leguminosen soll so die Fruchtfolge auflockern, zeitgleich aber auch wirtschaftlich attraktiv sein. Bisher bestehen nicht nur im Anbau, Stichwort Unkrautmanagement, Herausforderungen, sondern auch bei der Aufbereitung und Vermarktung. Auf dem Betrieb von Luzia und Köbi Knaus in Unterwasser werden neben Getreide auch verschiedene Sorten Kartoffeln angebaut. «Der Anbau der Knolle im Berggebiet bringt viele Vorteile mit sich», so Knaus. «Der Krankheitsdruck durch beispielsweise Kraut- und Knollenfäule ist wesentlich geringer.» Für ihn als Biobetrieb ein Pluspunkt. Zudem baut er die robuste Sorte Oscar an, die auch bei Konsumenten gut ankommt.
