Fleckviehzuchtverein Fürstenland: Lebensleistungen hoch wie noch nie
Thomas Gügler begrüsste 63 von 159 Mitgliedern zur Hauptversammlung im «Mattenhof» Flawil. Auffallend war, wie lange sie nach den offiziellen Traktanden verweilten. Austausch und Beziehungspflege wird im Verein hochgehalten. Josias Meili stellte zudem die European Dairy Farmers Schweiz vor.
Der Fleckviehzuchtverein Fürstenland und Umgebung (FVZV) hat letztes Jahr das 40-Jahr-Jubiläum gefeiert. Ganz im Sinne der Mitglieder mit einer spassigen Bauern-Olympiade auf dem Birkenhof der Familie von Franz Sennhauser in Bazenheid. 100 Erwachsene und 70 Kinder waren aktiv und hatten zudem die Gelegenheit, den Hof zu besichtigen. Eine Reihe von Helferinnen und Helfern war im Einsatz. Sie bekamen an der Hauptversammlung (HV) von Thomas Gügler ein dickes Lob und ein grosses Dankeschön.
Vorzügliche Zuchtfamilie
Wegen des Jubiläumsanlasses gab es ein Loch in der Kasse. Beat Moser präsentierte als Kassier zum ersten Mal die Rechnung, die allerdings noch von seinem Vorgänger Pius Giger und seiner Frau erstellt worden waren. Nächstes Jahr trägt der Niederhelfenschwiler Bauer die Verantwortung. Er wird zudem einen höheren Jahresbeitrag von den Mitgliedern verbuchen können, denn diese stimmten grossmehrheitlich der Erhöhung um zehn Franken zu. «Ansonsten laufen wir Gefahr, dass wir jedes Jahr weniger Vermögen ausweisen können», sagte der Präsident dazu. Es gab noch einen weiteren Negativpunkt zu verzeichnen. Die Anzahl Mitglieder ist gesunken. Neun Austritten stehen zwei Eintritte gegenüber. «Wir hoffen, dass sich dieser Trend nicht weiter fortsetzt», sagte Gügler.
In seinem Jahresbericht wusste er allerdings von mehreren positiven Ereignissen zu berichten. Die Mitglieder mit 100 000er-Kühen waren an der Delegiertenversammlung von Swissherdbook Ost und durften eine Plakette entgegennehmen. Mitglied Jakob Meier aus Waldkirch liess seine Zuchtfamilie mit Stammkuh Jessy beurteilen und erhielt eine A-Klassierung mit 77 Punkten. «Es geht Jessy immer noch gut», sagte der Besitzer an der HV. An der Swisscow in Gurmels erhielt Vereinsmitglied Thomas Eberhard aus Ernetschwil zum fünften Mal die Auszeichnung für das vorzügliche Betriebsmanagement und Willi Schmid aus Gossau bekam sie zum ersten Mal.
Mehr 100 000er-Kühe
Es ist üblich, dass der Vorstand des FVZV jedes Jahr Betriebe von Mitgliedern besucht. Ende November besuchte er gleich drei verschiedene Betriebe an einem Tag und erhielt Einblick in einen interessanten Zuchtviehbestand, einen Roboterstall und in einen Bestand von Simmentalerkühen.
Im Jahr 2025 dürfen alle Vereinsmitglieder reisen, wenn sie denn auch wollen. Bis zur nächsten HV wird eine Reise geplant und vorgestellt. Ideen seien willkommen. In Abwesenheit sämtlicher Jubilare, sie mussten sich aus verschiedenen Gründen entschuldigen, wurden Milchwägerinnen und -wäger geehrt. Für 15 Jahre: Anni Bohl aus Ebnat-Kappel und Peer Fluri aus Gams; für 20 Jahre: Ulrich Eggenberger; für 25 Jahre: Ruth Kornau aus Jonschwil und Othmar Kaufmann aus Wittenbach. 53 Kühe konnten für eine Lebensleistung von 75 000 Kilo Milch geehrt werden und neun sogar für über 100 000 Kilo. «So viele 100 000er-Kühe hatten wir im Verein noch nie», sagte Thomas Gügler erfreut.


Kostenvergleich in Europa
Josias Meili ist Landwirt, Geschäftsführer von European Dairy Farmers Schweiz und am Strickhof für den Fachbereich Milchproduktion zuständig. In kurzen Zügen stellte er das Netzwerk europäischer Milchviehhalter vor, zu dem auch die Schweiz gehört. Seit zwölf Jahren gibt es die Schweizer Gruppe. Ihr gehören 18 Milchproduzenten an. Grundsätzlich geht es um den Austausch von Ideen, Erfahrungen und Wissen auf internationaler Ebene. Ein Schwerpunkt liegt beim Produktionskostenvergleich. 2023 haben 245 Betriebe aus 18 Ländern ihre Zahlen offengelegt. «Repräsentativ ist dies allerdings nicht», warnte Meili. In seinen verschiedenen Darstellungen zeigte sich jedoch, dass es auch in anderen Ländern teure Produktionsfaktoren gibt. Bei den Arbeitskosten ist die Schweiz allerdings am höchsten eingestuft, ebenso bei den Pachtpreisen für Futterflächen. Meili kam zum Schluss, dass die Schweizer Milchproduzenten gegenüber den europäischen Milchproduzenten konkurrenzfähig sind, die Anforderungen auch im Ausland steigen – «Grösse alleine bringt keinen Erfolg» –, die Differenzierung für die Schweiz wichtig und die Nachhaltigkeit langfristig zentral ist.
Für die Futterfläche sei die wirtschaftliche Milchproduktion die Grundlage. Investitionen müssten genau geplant werden, denn sie beeinflussten die Kosten langfristig. «Man kann mit jedem System Erfolg haben. Wichtig ist, die Strategie konsequent zu verfolgen», riet der Referent. Allerdings habe auch jeder Betrieb Potenzial zur Verbesserung. Dafür sei es nötig zu analysieren, zu hinterfragen, Veränderungen zu planen, umzusetzen und zu kontrollieren. «Probleme sollte man lösen, Ausreden sind zu vermeiden», riet Josias Meili. «Zu hinterfragen und zu analysieren muss man im Blut haben», meinte Thomas Gügler darauf. «Das Auge für das Tier muss man auf jeden Fall behalten.»

