Fachtagung thematisiert Nachhaltigkeitsförderung im Gemüseanbau

Die Interkantonale Fachtagung Freilandgemüse fand vergangene Woche im St. Galler Rheintal statt. Der Anlass wurde trotz des nassen Wetters mit 150 Teilnehmern aus der ganzen Schweiz, aus Österreich und Deutschland zu einem grossen Erfolg.

Die Teilnehmer liessen sich vom Dauerregen nicht beeindrucken und hörten den Fachbeiträgen aufmerksam zu.
Die Teilnehmer liessen sich vom Dauerregen nicht beeindrucken und hörten den Fachbeiträgen aufmerksam zu.

Die Interkantonale Fachtagung Freilandgemüse ist eine Institution. Eine Veranstaltung, die jedes Jahr in einem anderen Kanton stattfindet. «Der Klassiker ist die Durchführung am Strickhof in Zürich, wo diese Fachtagung alle zwei Jahre gastiert», sagte Daniela Büchel, Leiterin des Ressorts für Acker- und Spezialkulturen am Landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen (LZSG) in Salez. Sie hatte diese Fachtagung gemeinsam mit Vivienne Oggier und Bernd Robbert vonseiten des LZSG und Jürgen Krauss sowie Thorsten Schöneberg vom Extension-Gemüse-Team von Agroscope und Benno Hörler von der Hermann Gemüse AG organisiert.

Referate und Vorführungen

Die 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich am Morgen in Sargans, von wo es mit drei Bussen zu den drei Standorten ging, an denen die Referate und Vorführungen stattfanden. Begrüsst wurde die grosse Gruppe durch Roger Gut, Leiter LZSG. Erster Programmpunkt war ein Feldbesuch in Bad Ragaz im Sarganserland, wo Matthias Lutz von Agroscope über die Bekämpfung von Stemphylium bei Zwiebeln referierte. Der Pilzerreger verursacht bei Zwiebeln den sogenannten Blattbrand und ist mit Fungiziden zu behandeln. Wobei auch auf Düngung, Sortenwahl und Pflanzenschutz basierende Lösungsansätze präsentiert wurden.

«Biostimulanzien in Karotten – Potenziale und Grenzen», zu diesem Thema konnte Torsten Schöneberg von Agroscope von einem über zwei Jahre dauernden Versuch berichten. Die Zusammenfassung der Ergebnisse: «In keinem unserer Versuche konnte ein signifikanter Mehrertrag durch den Einsatz von Biostimulanzien nachgewiesen werden. Auf gut versorgten Böden gibt es nur ein geringes Zusatzpotenzial, das ausgeschöpft werden kann. Zudem ist die Wirkung der Stimulanzien unter anderem abhängig vom Standort, der Kultur und der Witterung. Ob Biostimulanzien die Homogenität eines Bestandes erhöhen, muss noch weiter untersucht werden.»

Hohe Effizienz

Die Unkrautbekämpfung ist von jeher ein grosses Problem beim Anbau von Feldgemüse. Am Beispiel von Chicorée wurde durch Jürgen Krauss von Agroscope dargestellt, wie dank dem Einsatz eines drohnen- und computerunterstützten Maschinensystems eine hocheffiziente und Herbizid sparende Flächenspritzung durchgeführt werden kann. So könne eine grosse Nachhaltigkeit mit minimierter Wasserverschmutzung und mehr Ertrag erreicht werden. Präsentiert wurde dies durch die Firmen Aebi und John Deere später am Tag auch im LZSG Salez. Ein Fazit: Durch Einsparungen werden bis zu 70 Prozent geringere Betriebskosten erzielt. Dies dank logistischer Vorteile und einer 98-prozentigen Trefferquote.

Werden Drohnen zu unverzichtbaren Helfern beim Gemüseanbau? Antworten gab es an der Fachtagung Gemüseanbau.
Werden Drohnen zu unverzichtbaren Helfern beim Gemüseanbau? Antworten gab es an der Fachtagung Gemüseanbau.

Zu einem Problem ist in den letzten Jahren ein Schädling geworden, der aus den Tropen eingewandert ist: die Baumwollkapseleule. Im Zuge der Klimaerwärmung nimmt der Befall an Buschbohnen und Salaten mit Raupen dieses tropischen Wanderfalters zu. Bei ihrer Bekämpfung ist es wichtig, dass sie vor dem Einbohren in Hülsen und Früchte erfasst werden. Wie von Cornelia Sauer, Jügen Krauss, Anouk Guyer und Ata Davatgar von Agroscope festgestellt und am nächsten Standort der Fachtagung im LZSG Salez präsentiert, ist derzeit die Anzahl der befallenen Kulturen durch Raupen der Gammaeulen noch höher als jene der Baumwollkapseleule. Mit der Ausbringung der Herbizide Coragen, Karate Zeon, Dipel DF und Helicovex über Feldbalken und Droplegs können diese beiden Schädlinge bekämpft werden.

Wichtige Präzisionstechnologie

Ebenfalls in Salez wurden den Tagungsteilnehmern neue digitale Technologien vorgestellt. Etwa mittels der Maschinendemos von Benno Hörler von der Hermann AG und von Angelo Fischbacher und Robert Aebi von der Firma Aebi. Besonders die Präzisionstechnologie der Spritzbalkengeräte von John Deere beeindruckte. Ein Beweis dafür, wie hoch entwickelte Elektronik und der Einsatz von Drohnen die Landwirtschaft künftig revolutionieren könnten.

Ein mit Präzisionstechnologie arbeitender Spritzbalken von John Deere wurde an der Fachtagung vorgestellt.
Ein mit Präzisionstechnologie arbeitender Spritzbalken von John Deere wurde an der Fachtagung vorgestellt.

Letzter Standort der Interkantonalen Fachtagung Freilandgemüse war die Grossgärtnerei Lubera AG in Buchs, wo durch Pascal Herren und Vivienne Oggier vom LZSG ein Forschungsprojekt zur Sicherstellung der inländischen Brokkoliproduktion mit neuen, klimaresilienten Sorten vorgestellt wurde. Bei diesen könne der Pestizideinsatz reduziert werden.

Kraut- und Knollenfäule

Benedikt Kogler seinerseits referierte über das Kartoffelzüchtungsprojekt Solana Sana, eine Resistenzzüchtung gegen Krankheitserreger wie beispielsweise die Kraut- und Knollenfäule oder die Dürrfleckenkrankheit. Solana Sana, ein gemeinsames Projekt der Lubera AG und des LZSG, wurde 2020 ins Leben gerufen und hat sich zum Ziel gesetzt, Kartoffeln mit nachhaltigen Resistenzen zu züchten. Das Ergebnis: Es konnten bereits drei vielversprechende Kandidaten im Hausgartenmarkt etabliert werden. Diese werden aktuell an die Qualitätsanforderungen des Erwerbsanbaus herangeführt.

Interessierter Teilnehmer: Alt Kantonsrat Stephan Britschgi.
Interessierter Teilnehmer: Alt Kantonsrat Stephan Britschgi.

Trotz des anhaltenden Dauerregens waren die Teilnehmer an der Fachtagung begeistert über die Auswahl der Themen und deren Präsentation. Sie schätzten zudem die Möglichkeit, sich beim Mittagessen im LZSG über die eingebrachten Themen und den Gemüseanbau im Allgemeinen auszutauschen.

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