«Das Wetter war schon immer etwas Extremes»
An der Tagung des Bauernverbands Appenzell Ausserrhoden stand das Wetter im Mittelpunkt. In zwei spannenden und humorvollen Referaten veranschaulichte Jürg Zogg von SRF Meteo, wie Wetterprognosen entstehen und was eigentlich Klimawandel heisst.

«Klimawandel – Einbildung oder Realität», so lautete das Thema der öffentlichen Tagung am 11. Januar in Gais, die vom Bauernverband Appenzell Ausserrhoden (BVAR) und der Landfrauenvereinigung Appenzell Ausserrhoden organisiert wurde. Nebst zahlreichen Informationen aus dem Amt für Landwirtschaft und über die Dienstleistungen der Agrisano und Emmental-Versicherung bekamen die rund 80 Anwesenden zwei interessante und unterhaltsame Referate von Jürg Zogg, Medienmeteorologe bei SRF Meteo in Zürich, zu hören. Der Experte sprach über das Wetter und die Prognosen sowie über das Klima früher, heute und morgen. Ohne den Mahnfinger zu erheben, sagte er deutlich: «Wir sind im Klimawandel mittendrin und werden uns anpassen müssen, auch baulich.»
Neu organisiert
Von Veränderungen und Anpassungen sprachen auch die drei Redner, die von Beat Brunner, Präsident des BVAR, zu Beginn des Nachmittags vorgestellt wurden. Uwe Wöcke, Abteilungsleiter Versicherungen vom St. Galler Bauernverband (SGBV), sowie Dominik Fässler, Berater und Ansprechpartner für Kunden in Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, nutzten die Veranstaltung, um sich, ihre Arbeit und das Team der neu gegründeten Agrisano/Emmental-Regionalstelle St. Gallen-Appenzell vorzustellen. Finanzielle Sicherheit für die Zukunft erlangen sowie Ausgaben und Steuern optimieren sind aus Sicht von Uwe Wöcke zwei übergeordnete Ziele der Versicherungsberatung. «Das Einkommen zu sichern, wird von Selbstständigen oft unterschätzt», so Wöcke. Beat Brunner ist es ein Anliegen, dass die Bäuerinnen und Bauern den Zusammenschluss, den die Vorstände der drei kantonalen Bauernverbände St. Gallen, Ausser- und Innerrhoden einstimmig beschlossen haben, verstehen und die Auslagerung der Regionalstelle beider Appenzell an den SGBV auch mittragen. «Beratungen werden weiterhin entweder auf den Betrieben oder am neuen Standort an der Weissbadstrasse 14 in Appenzell stattfinden», betonte Brunner. Nach den Ausführungen der Versicherungsberater informierte Regierungsrat Dölf Biasotto über den Stand der aktuellen Arbeiten im Departement Bau und Volkswirtschaft (siehe Kasten).
Es gehe um Aufklärung und darum, herauszufinden, was Fakten seien, sagte Roman Züst, Vorstandsmitglied des BVAR, als er auf die Referate von Jürg Zogg überleitete und somit zum Hauptthema der Tagung. Im ersten Referat sprach der Meteorologe über das Wetter und die Prognosen. «Das Wetter ist mein Fachgebiet. Beim Klima muss ich mich auf Experten dieses Gebietes und auf Studien stützen», sagte Zogg ehrlich. «Der Wunsch nach Wetterprognosen war schon immer da», führte er weiter aus und ergänzte: «Als Hobbywinzer mit eigenem Rebberg bin auch ich dem Wetter ausgeliefert.» Den ersten Wetterbericht der Schweiz veröffentlichte die NZZ am 2. Juni 1878 – auch auf Druck der Bauern, die erfahren haben, dass es in Frankreich bereits Wetterprognosen gebe. Wettermodelle, wie wir sie jetzt kennen, existieren erst seit 1950. Möglich machten das die ersten Hochleistungsrechner, die in kürzester Zeit verschiedene Daten zusammenfügten und mit komplexen Formeln berechneten. «Wettermodelle sind keine exakte Wissenschaft, eher eine Annäherung an die Realität», erklärte Jürg Zogg. Seine Prognosen seien auf fünf bis sechs Wettermodelle gestützt, aber auch Satellitenbilder und Webcams werden genutzt. «Das ist ein laufender Prozess, darum passen wir die Prognosen alle sechs Stunden an. Klar ist, eine 100-prozentige Trefferquote gibt es nicht und Fehlprognosen gehören dazu. Dass darüber nicht alle Radiohörenden gleich erfreut sind, widerspiegelte sich in den netten und weniger netten Mails, die regelmässig im Wetterstudio eintreffen und die Jürg Zogg dem anwesenden Publikum zeigte. «Doch ein Meteorologe hat jeden Tag wieder eine neue Chance.»
Informationen von Regierungsrat Dölf Biasotto
– Personelles: Seit dem 1. November 2023 wird die Fachstelle Pflanzenschutz von Daniela Halbheer geleitet.
– Schleppschlauchpflicht: ist seit dem 1. Januar in Kraft. Noch ist es möglich, Gesuche für Ausnahmebewilligungen einzureichen.
– Photovoltaikanlagen- und Förderung: Gemäss kantonalem Energiegesetz soll bis 2035 40 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie stammen. Neue Anlagen werden von Bund und Kanton finanziell unterstützt. Die Kantonsbeiträge sind für die nächsten Jahre gesichert.
– Stand Windenergie: Nächstens startet das Mitwirkungsverfahren zur Richtplananpassung. Die sechs Eignungsgebiete zusammen könnten theoretisch die Hälfte des Ausserrhoder Strombedarfs decken. ez.
Es wird Auswirkungen haben
Dass jeder Sturm dem Klimawandel angelastet wird, findet Jürg Zogg nicht richtig. «Das Wetter war immer etwas Extremes.» Mit einem Rückblick auf die vergangenen 500 Jahre zeigte er auf, dass es seit jeher nasse und trockene Sommer gegeben hat sowie warme und kalte Winter. So war beispielsweise der Winter 1529/1530 sehr warm und die Kirschbäume standen Ende März bereits in voller Blüte. «Im Januar 1709 hingegen war es so extrem kalt, dass das Vieh in die Stube genommen wurde, um es vor dem Erfrierungstod zu retten.» Der Meteorologe erklärte, dass Wetter nicht gleich Klima ist. «Das Wetter findet hier und jetzt statt und weckt Emotionen, das Klima hingegen ist das Durchschnittswetter der vergangenen Jahre und ist eigentlich eine trockene Statistik.» Im Vergleich zum Durchschnittswert sei es an diesem 11. Januar im Norden zu warm, in der Schweiz jedoch leicht kälter, so Jürg Zogg. Im Bezug auf den Mittelwert und die Abweichungen sowie die Frage nach der Norm machte er einen Vergleich mit der Körpergrösse von Männern. Lag der Durchschnitt 1997 bei 175,9 Zentimetern, war er 2017 bereits bei 177,4 Zentimetern. «Ist ein Mann mit 190 Zentimetern nun normal oder abnormal?», hinterfragte er die Thematik. «Dass die Erderwärmung in der Schweiz plus 2,5 Grad beträgt und Auswirkungen hat, ist jedoch nicht abzustreiten», fasste Zogg zusammen.
Er rechnet damit, dass in Zukunft Hitzewellen häufig intensiver werden und öfters starker Regen fällt. «Extreme werden normal werden. Es muss aber nicht alles negativ sein.» Mit Blick auf die Klimaszenarien 2060 ist seine persönliche Einschätzung, dass sich die Gesellschaft im Mittelmass zwischen «kein Klimaschutz» und «konsequentem Klimaschutz» bewegen wird. «Tendenziell wird es sicher trockener werden, da weniger Regen fällt und die Verdunstung ausgeprägter sein wird.»
Umgang mit Wetterprognosen
Jürg Zogg hat folgende Tipps im Umgang mit den Wetterprognosen:
– Schweizer Meteodienste, Webseiten und lokale Apps nutzen.
– Nicht nur Bilder und Symbole anschauen.
– Alle sechs Stunden wird das Wetter neu berechnet.
– Die Einschätzungen der Meteorologen lesen.
– Radarmessungen anschauen.
– Radarprognosen sind brauchbar bei Fronten, Vorsicht bei Gewittern. ez.

