DV St.Galler Braunviehzuchtverband: Viehschauen hoch im Kurs

Die Auszeichnungen für 100 000er-Kühe und deren Vorstellung war ein Höhepunkt der Delegiertenversammlung des St. Galler Braunviehzuchtverbands 2026. Anschliessend beriet der ehemalige Schwinger Michael Bless die Anwesenden über das geordnete Bewältigen von Problemen.

Die Halter der 100 000er-Kühe, links flankiert von Hans-Jörg Meier.
Die Halter der 100 000er-Kühe, links flankiert von Hans-Jörg Meier.

In der frühlingshaft dekorierten Turnhalle in Oberhelfenschwil wurden die Eintreffenden mit schmissigen Klängen der einheimischen Jugendblasmusik empfangen. Mit leichter Verspätung eröffnete Verbandspräsident Hans-Jörg Meier die Delegiertenversammlung des St. Galler Braunviehzuchtverbands und übergab das Mikrofon gleich dem Neckertaler Gemeindepräsidenten Christian Gertsch. Dieser bezeichnete das Neckertal als Hauptort der Schweizer Braunviehzucht. «Hier leben mehr Kühe dieser Rasse als in jeder anderen Schweizer Gemeinde.» Fünf Viehschauen finden Jahr für Jahr im Neckertal statt, und diese werden mit einem grosszügigen jährlichen Betrag von 31 000 Franken unterstützt. Zwei Landwirte haben Einsitz im Gemeinderat und vertreten dort ihre Anliegen. «Die Hälfte des im Neckertal gewonnenen Bienenhonigs von zwölf Tonnen wird exportiert», gab der Gemeindepräsident schmunzelnd Einblick in die Neckertaler Wirtschaftsresultate. Bruno Brander ist Präsident des Viehzuchtvereins Oberhelfenschwil, der Ende April sein 125-jähriges Bestehen feiert. Herzlich lud er die anwesenden Züchter zu diesem Anlass ein. «Fast 7400 Kilo Milch leisten Oberhelfenschwils Kühe im Jahresdurchschnitt. Seht euch diese Tiere in diesem Frühling auf dem Schauplatz Bogen an.»

20 000 Kühe aufgeführt

112 Delegierte, 24 Gäste und die Halter der geehrten Tiere begrüsste Hans-Jörg Meier im ersten Traktandum der Versammlung. Nach der Wahl der Stimmenzähler folgte der ausführliche Jahresbericht des Präsidenten: «Keine Angst, ich vermeide einen Blick auf das Weltgeschehen. Es ist eh durch machtgierige Männer geprägt, die sich einen Deut um Menschenrechte, Demokratie, faire Handelsbeziehungen und Frieden kümmern.» Die angespannte Lage im Schweizer Milchmarkt hingegen beschäftige ihn schon. Da würden von Abnehmern des Produkts Ratschläge kursieren, die Kühe früher galt zu stellen oder bald zu schlachten. Oder man hoffe auf einen Frühling mit schlechter Witterung, damit der Milchfluss gebremst werde. «Solche Äusserungen stossen mir sauer auf», sagte Hans-Jörg Meier in die Versammlung. «Wenn immer weniger Kühe mehr Milch produzieren, haben wir Milchbauern die Hausaufgaben meisterlich gelöst.» Als herausragend bezeichnet Hans-Jörg Meier jene Kühe, die sich auf dem Weg zum Titel Fitness-Star befänden. Diese Tiere seien die wirtschaftliche Stütze für die Züchter.

Erfreut zeigte sich der Waldkircher Züchter beim Thema Gemeindeviehschauen. «Im vergangenen Jahr wurden in unserem Kanton wieder über 20 000 Tiere aufgeführt. Auf unserer Webseite könnt ihr zahlreiche Bilder davon anschauen», ermunterte Hans-Jörg Meier die Anwesenden. Dem Vorstandsmitglied Martin Gasenzer dankte er für das Präsentieren von Jungtieren auf seiner Alp für die Weiterbildung von Jungviehexperten. Um den unerwünschten Rückgang von Braunvieh in der Schweiz aufzuhalten, habe eine Sitzung stattgefunden. Was soll verbandsintern dagegen gemacht werden, beschäftigte dort die Teilnehmenden. Es wurden fünf Punkte festgelegt: Erstens soll die Viehvermarktung, wo möglich, verbessert werden. Zweitens soll die Mitgliederbetreuung eine Intensivierung erfahren. Drittens will man das Engagement des Verbands bei allen Viehschauen vergrössern. Der vierte Punkt sieht vor, die Zusammenarbeit aller Züchtergruppen und Jungzüchtervereine noch mehr zu aktivieren als bisher, und letztlich soll die erhöhte Leistungsbereitschaft des Braunviehs beste Werbung in eigener Sache machen.

Zum Abschluss seines Jahresberichts dankte Hans-Jörg Meier der Sekretärin Eveline Atzmüller, der Kassierin Erna Zimmermann und seinen Vorstandskollegen für ihren grossen Einsatz. Das Protokoll der letzten Delegiertenversammlung und die Jahresrechnung wurden gutgeheissen. Das Gesamtvermögen des Verbands beträgt momentan 47 280 Franken. Der Jahresbeitrag für das Geschäftsjahr 2026 bleibt unverändert bei 75 Rappen pro Herdebuchtier. Der Revisor Toni Rüegg hat seinen Rücktritt eingereicht. So stellte sich Junglandwirt Jonas Kessler aus Quarten der Versammlung kurz vor und wurde anschliessend als neuer Revisor gewählt. Anträge von Viehzuchtgenossenschaften und Viehzuchtvereinen waren keine eingegangen.

«Tüend luege, nöd schnorre»

Reto Grünenfelder, ehemaliger Präsident von Braunvieh Schweiz und ein absoluter Kenner der Szene, eröffnete das Traktandum Ehrungen. «Tüend luege, nöd schnorre», ermahnte er die Versammlung. «Es ist eine Wertschätzung für die Züchter und die herausragenden Tiere.» Dieser Aufruf lohnte sich. Gut gemachte Bilder von Kühen mit hoher Leistungsbereitschaft waren das eine; einzelne Züchter, Ehepaare oder ganze Familien, die diese Tiere präsentierten, das andere. «Es ist bemerkenswert, wie auch viele Bäuerinnen einen engen Kontakt zu ihren Kühen haben», lobte Reto Grünenfelder. Vier 100 000er-Kühe, zwei von Jakob Looser und zwei von Stefan Nef, leben im Versammlungsort Oberhelfenschwil. In der Toggenburger Gemeinde Wattwil haben gleich fünf Tiere den hohen Anspruch an leistungsbereiter Langlebigkeit erreicht. Andreas Guntli aus Buchs kann fast andauernd ein solches Hochleistungstier präsentieren, und Hansruedi Ackermann aus Wittenbach erzielte diese hohen Anforderungen an die Kühe schon zum 16. Mal. Nicht wenige dieser Kühe sind auch auf dem Weg zum Fitness-Star. Bei ihnen zeigen nebst der Milchmenge auch Fruchtbarkeit, Zellzahlen, Gehalte und anderes hervorragende Werte.

Viehschauen sind Trumpf

Nach der Hälfte der geehrten Kühe wurde zwischendurch das Traktandum Schauwesen behandelt. Das Aufführen von originalbraunen Tieren an den Schauen ist weiterhin steigend. «Alle Rassen haben Platz an den Gemeindeviehschauen. Bindet die Tiere aber in getrennten Abteilungen an», rief Reto Grünenfelder auf. Ebenfalls dringlich sei die absolute Einhaltung des Ausstellungsreglements. Drei junge Schauexperten wurden neu aufgenommen, und der langjährig aktive, schon 2022 abgetretene Andreas Huber erhielt nachträglich seine verdiente Würdigung. Die zweite Hälfte der 100 000er-Kühe wurde von Livia Meier vorgestellt. Die junge Tierzuchtlehrerin überzeugte mit breitem Wissen, gut verständlicher Präsentation und angenehmem Tempo. Geehrt wurden anschliessend Stierenzüchter Karl Alpiger, Halter von 20-jährigen Kühen, sowie Züchter, die schon mindestens dreimal die hohen Anforderungen der Auszeichnung Betriebsmanagement erfüllt haben. Adrian Arnold von Braunvieh Schweiz orientierte über verschiedene Änderungen und wies auf die Bruna-Weltkonferenz 2028 in Luzern hin.

Schritt für Schritt

Der vierfache Schwing-Eidgenosse Michael Bless führte in seinem Referat den Anwesenden vor, wie man den Weg aus einer Ansammlung von negativen Geschehnissen findet. «Löst nur ein Problem auf einmal. Schritt für Schritt wirkt beruhigend.» Drei Sachen soll man realisieren: Verstehen statt verurteilen. Körper beruhigen. Schrittweise denken. Hans-Jörg Meier dankte Michael Bless, den Anwesenden für ihr Erscheinen und dem Organisator für die einwandfreie Bedienung und schloss die Versammlung.

Tiere und Besitzer mit Auszeichnungen

Besitzer von Kühen mit über 100 000 Kilo Lebensleistung

Payssli Pilzli (BS) von Hansruedi Ackermann, Wittenbach; Salomon Marina (BS) von Karl Alpiger Karl, Alt St. Johann; Ippo Noel (BS) von Hanspeter Bollhalder, Unterwasser; Proco Balisana (BS) und Proco Perla von Albert Bösch, Wattwil; Edual Roes (OB) von Emil Breitenmoser-Frick, Andwil; Eric Goldi (BS) von Fritz Brunner, Unterrindal; Astro Anja (BS) von Jakob Brunner, Wattwil; Jongleur Juliana (BS) von Elmar Büsser, Goldingen; Brookings Elvira (BS) und Present Gracie (BS) von Ivo Büsser-Alder, Goldingen; Glenn Blueem (BS), Hansruedi Egli, Neu St. Johann; Sandro Eterna (BS) von Pascal Fischbacher, Mosnang; Eric Ella (BS) von Christian Forrer, Stein; Vigor Swennja (BS) von Mario Fritsche, Marbach; Etvei Aklei (BS) von Peter Fritsche, Wattwil; Cleitus Sambia 1 (BS) von Christian Gähler, Jonschwil; Huray Ronja (BS) von Marco Gämperle, Rossrüti; Mario Ursi (OB) von Josef Giger-Gubser, Quarten; Eric Sereina (BS) von BG Götte, Wildhaus; Vasir Cassandra (BS) von Andreas Guntli Andreas, Buchs; Blooming Raclett (BS) und Blooming Silke (BS) von Christian Hardegger, Gams; Payssli Sipaya (BS) von Roman Hardegger, Gossau; Alibaba Muesli (BS) von Ignaz Hobi, Berschis; Luaster Leana (BS), Hansruedi Knaus, Wattwil; Fantastic Indira (BS) von Stefan Kopp, Rüthi; Fantastic Fanta (BS) von Peter Kühne, Benken; Ripley Elina (BS) von Karl Lenz, Oberuzwil; Vigor Feder (BS) von Pius Loop, Walenstadt; Gusti Gispel (BS) und Fernando Hyazinte (BS) von Jakob Looser, Oberhelfenschwil; General Christine (OB) von Niklaus Looser, Ulisbach; Nepal Nicol (BS), Pizbon Pamela (BS) und Wurl Wicki (BS) von Stephan Münger, Muolen; Jongleur Julia (BS) von Johannes Näf, Hemberg; William BV Amsel (BS) und Fernando Aurelia (BS) von Stefan Nef, Oberhelfenschwil; Alfonso Malta (BS) von Bruno Oswald, Kirchberg; Juleng Orchidee (BS) von Raphael Ott, Dreien; Present Zinia (BS) von Andreas Räss, Andwil; Jim Maedi (BS) und Mekey Narina (BS) von Walter Rechsteiner, Bächli (Hemberg); Nelgor Rambosa (BS) von Walter Rhyner, Hoffeld; Bongolo Buschi (BS) von Elmar Sager, Muolen; Parko Juempfer (BS) von Fridolin Schönenberger jun., Libingen; Kai Lotti (ROB) von Sepp Schweizer, Oberrindal; Joe Anette (BS) von Thomas Schweizer, Egg (Flawil); Amigo Zuesi (BS) von Thomas Seliner, Schänis; Jongleur Celina (BS) von Markus Senn, Niederhelfenschwil; Walo Waldi (BS) von Markus Signer, St. Gallen; Devin Romy (BS) von Oswald Stauffacher, Krummenau; Vento Freudi (BS) von Franz Steiner, Schänis; Astro Bea (BS) von Martin Steiner, Gossau; Feuer Nefeu (BS) von Stefan Thoma-Huber, Müselbach; Eleven Selena (BS) von Jürg Walt, Wildhaus; Wurl Edi (BS) von Urban Weber, Zuzwil; Payoff Olenya (BS) von Markus Wickli-Müller, Ennetbühl; Diamond Falbala (BS) von Simon Widmer, Mühlrüti; Jongleur Judith (BS) von Wildhaber Artho, Flums Hochwiese.

Züchter von erfolgreichen nachzuchtgeprüften Stieren

O’Malley Avocado von Karl Alpiger, Alt St. Johann.

20-jährige Kühe

Georg Loeck von Oswald Stauffacher, Krummenau, 14 Lakt., 104 773 Kilo, Zando Zeta von Sandro Huser, Necker, 17 Lakt., 158 553 Kilo, und Wurl Julietta von Leonhard Gabathuler, Azmoos, 10 Lakt., 103 617 Kilo.

Ausgezeichnetes Betriebsmanagement

Hansjürg Bleiker, Dicken; Ueli Bühler, Nesslau, GG Silvio und Markus Wildhaber, Flumserberg; Martin Scherrer, Neu St. Johann; Thomas Schweizer, Flawil, und Fabian Widrig, Bad Ragaz.

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