Direktvermarkter-Forum: Soziale Medien bringen Nähe zum Hof
Die Linth-Tour präsentierte im neuen Jahr erstmalig ein Direktvermarkter-Forum. Viele interessierte Bäuerinnen und Bauern, Gewerbetreibende und andere «Gwundrige» folgten der Einladung nach Schänis zu Impulsvortrag und Workshops zum Thema «Soziale Medien».
Am Donnerstag, 15. Januar 2026, fand auf dem Betrieb der Familie Riget in der Eventlocation Löw in Rufi das Direktvermarkter-Forum Linthgebiet statt. Dieses neue Veranstaltungsformat der Linth-Tour spricht gezielt Landwirte und Direktvermarkter an. Als Gastreferent konnte der bekannte Schweizer Agrar-Influencer Patrick Danuser gewonnen werden. Er erzielt mit seinem Instagram-Profil @danuser_hof eine grosse Reichweite und wurde 2025 als «beliebtester Landwirt» ausgezeichnet.
Zum Auftakt der Veranstaltung begrüsste der Präsident der Linth-Tour, Kari Boos, die rund 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Viele waren wegen der eigenen Weiterbildung nach Schänis gekommen, andere aus purer Neugierde – sicherlich auch dank des bekannten Agrar- Influencer Patrick Danuser. Dieser zeigte anschliessend anschaulich, wie er einen eigenen Betriebszweig für seinen Landwirtschaftshof in Bad Ragaz aufbauen konnte.
Social Media als Chance
Landwirtschaft und soziale Medien – passt das zusammen? Diese Frage stand im Zentrum des Vortrags von Patrick Danuser, der eindrücklich zeigt, welches Potenzial Social Media für die moderne Landwirtschaft bieten. Anhand seines eigenen Familienbetriebs machte er deutlich, wie digitale Kanäle zur Transparenz, Aufklärung und Direktvermarktung beitragen können.
Danuser bewirtschaftet einen vielseitigen Landwirtschaftsbetrieb mit Acker- und Gemüsebau, Mutterkuhhaltung, Mobilställen für Poulets sowie Direktvermarktung von Geflügelfleisch. Seit April 2024 ist er zudem mit grossem Erfolg auf Social Media aktiv: Innerhalb kurzer Zeit baute er eine Community von rund 50 000 Followern auf, startete einen eigenen Podcast und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Seine Motivation: In der Gesellschaft gebe es viele Meinungen, aber wenig Wissen über Landwirtschaft. Social Media sieht er deshalb als Chance, Verantwortung zu übernehmen, Fragen zu beantworten und ein realistisches Bild der Branche zu vermitteln. Dabei setzt er konsequent auf Ehrlichkeit, Authentizität und eine positive Haltung, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen.

Umgang mit Emotionen
Im Vortrag gab Danuser praxisnahe Einblicke in seine Arbeit in und mit den sozialen Medien: von der Reichweite als Werbeeffekt der sozialen Medien über die Bedeutung der Zielgruppen bis hin zu konkreten Erfolgsfaktoren. Sich der Wirkung des Internets bewusst zu sein sei zentral, denn das Internet vergisst nie, so der Landwirt aus Bad Ragaz. Emotionen können Reichweite verstärken, aber auch schaden. Die Onlinepräsenz führt neben positiven Kommentaren auch zu kritischen Anmerkungen, negativen Posts und Reaktionen. Hierbei ist es wichtig, dass man die negativen Kommentare einfach stehen lässt und den positiven Kommentaren Beachtung schenkt. Sein Appell: posten, dranbleiben und sich gegenseitig helfen, denn die Landwirtschaft sitzt auch online im selben Boot.
Digitale Plattformen
Ein Überblick über Plattformen wie Instagram, Facebook, Tiktok und Youtube zeigte, dass jede ihre eigenen Stärken und Zielgruppen hat, von hochwertigem Content und Produktverkauf bis zu viralen Kurzvideos.
Während Danuser Instagram als «anständigste» Plattform unter den Social-Media-Plattformen bezeichnet, kann man in der Schweiz nur mit Youtube über Veröffentlichungen von Videos Geld verdienen. Posts auf Instagram, Facebook und Co. bringen kein (direktes) Geld ein. Dennoch ist es ein wichtiges Tool für die Werbung. Patrick Danuser hat es berühmt gemacht. Dank Social Media gewann er 2025 an der Agritechnica in Hannover den zweiten Platz als Agrar-Influencer. Heute verdient er mit Vorträgen wie hier an der Linth-Tour und Werbevideos in der Landwirtschaft ein Zusatzeinkommen für seinen Betrieb.
Zeitfresser als Hobby
Auf die Frage eines Teilnehmers, inwiefern Patrick Danuser die Onlinezeit begrenzen kann, meint dieser: «Wer die Zeit auf Social Media als Arbeit sieht, für den ist das vielleicht das Falsche. Ein 90-Sekunden-Video braucht etwa 90 Minuten Erstellungszeit.» Er habe Instagram und Co. gegen seine Spieltätigkeit im Fussball getauscht, sozusagen Hobbytausch und Gesundheitsprävention in einem, so der Agrar-Influencer schmunzelnd.
Einfach umsetzbare Tipps
Wer über den Vortrag von Patrick Danuser noch nicht auf seine Kosten kam, der tat es sicherlich bei den anschliessenden vier Workshops. Die Veranstaltung bot allen Teilnehmern einfache, im Alltag umsetzbare Tipps für ihren Onlineauftritt. Praxisnahe Workshops vertieften verschiedene Aspekte der digitalen Präsenz – vom Social-Media-Einstieg bis hin zu praktischen Tools wie QR-Codes oder dem Eintrag von Hofläden bei Google. Anita Boos zeigte beispielsweise, wie Fotos für Social Media erstellt und genutzt werden können. Gemeinsam mit den Teilnehmern bearbeiteten sie anschaulich Schritt für Schritt gemeinsam Fotos, um sie später im perfekten Format auf Instagram veröffentlichen zu können.

Vor die Kamera stehen
Das erste Direktvermarkter-Forum Linthgebiet machte Mut, neue Wege zu gehen, und zeigte, dass soziale Medien längst ein wirkungsvolles Werkzeug für landwirtschaftliche Betriebe geworden sind. Mut brauche es auch, so Patrick Danuser, mit dem Handy vor dem Gesicht über das Feld zu laufen. Doch schliesslich, so meinte auch eine Teilnehmerin, sei genau das das Erfolgsbringende, wenn Bäuerin oder Bauer sich selbst vor der Kamera zeigt.
Mit einer abschliessenden Onlineumfrage schloss das Forum ab. Die nächsten Themen eines Direktvermarkter-Forums konnten dabei direkt selbst gewünscht werden. Vorne mit dabei sind Werbung und Vernetzung. Und zwar via Instagram, nicht mehr via Mail; das sei bereits altmodisch, wie die Teilnehmer gemeinsam lachend sagten. Mehr Infos über die kommenden Veranstaltungen gibt es via #Linth-Tour auf Instagram oder «altmodisch» via linth-tour.ch.
Linth-Tour seit 1999
Die Plattform für Vernetzung und Direktvermarktung ist mittlerweile neben Landwirtschaftsbetrieben auch für landwirtschaftsnahes und handwerkliches Gewerbe im Linthgebiet offen. Gesucht werden laufend Betriebe, die sich in der Öffentlichkeit zeigen möchten. Zum Beispiel anlässlich eines Jubiläums, eines neuen Produkts oder einer neuen Maschine. Die Linth-Tour bietet dazu die nötige Plattform. Interessierte können sich einfach und unkompliziert an das Sekretariat der Linth-Tour wenden: Simona Schwarzenbach, sekretariat.linth-tour@bluewin.ch.
