Projekt «Climate Farm Demo»: Gülle & Futterbau im Fokus
Am Vormittag des 29. April 2025 trafen sich Glarner Landwirte im Elmer Steinibach, um das europaweite Projekt «Climate Farm Demo» kennenzulernen. Nebst dem Erkennen der Potenziale im Futterbau lernten die Anwesenden den Hochdorfer Gülleseparator Vakublitz und das Projekt an sich besser kennen.

«Auch wenn man sich vielleicht nicht viel unter dem Namen ‚Climate Farm Demo‘ vorstellen kann, freut es mich sehr, dass ihr so zahlreich erschienen seid», begrüsst der landwirtschaftliche Berater vom Plantahof, Gion Michel, die rund 30 Personen. Mehrheitlich waren Elmer Landwirte anwesend, aber auch Bauern aus dem restlichen Kanton. Daneben machten sich auch Ueli Baer und Gian Schneider vom Amt für Landwirtschaft des Kantons Glarus ein Bild sowie Tobias Frei, Leiter Milchproduktion des Landwirtschaftlichen Kompetenzzentrums Arenenberg, und Melissa Näf als Projektleiterin der Agridea. Der Demo-Landwirtschaftsbetrieb von Werner Elmer ist einer von 25 Schweizer Pilotbetrieben, die beim europaweiten Projekt mitmachen. 1500 Betriebe aus 27 teilnehmenden Ländern sind beteiligt, mit dem Ziel, klimaintelligente Praktiken und Lösungen in der Landwirtschaft zu beschleunigen. Agrarproduktionssysteme sollen darin an den Klimawandel angepasst und die Kohlenstoffneutralität in der Landwirtschaft bis 2050 erreicht werden.
Kreisläufe blockiert
«Wir machen in diesem Projekt mit, weil wir mit den Steinen mauern möchten, die wir haben, und naturnah produzieren», begrüsst auch Betriebsleiter Werner Elmer die Anwesenden. Der 2017 von seinem Vater übernommene Betrieb produziert seit 2024 nach den Bio-Knospe-Richtlinien. Nach einer längeren, erschwerten Planungsphase wurde 2022 ein neuer Laufstall für zwanzig Milchkühe und Jungvieh gebaut. Die Geschichte des zermürbenden und schlussendlich deutlich kostenintensiveren Stallneubaus erläutert er zu einem späteren Zeitpunkt. Die Erzählung grenzt aufgrund der zahlreichen Einsprachen seitens Behörden wie Heimatschutz und Denkmalpflege an eine Leidensgeschichte.
Auf den 28 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche produzieren Elmers das Grundfutter für die selbst auf der Alp Erbs gesömmerten Tiere. Der Bergbauernfamilienbetrieb agiert von Grund auf in geschlossenen Kreisläufen. Dieser Leitgedanke wurde jedoch gerade im Bereich der Erstellung des Ökonomiegebäudes massiv eingeschränkt, beispielsweise beim Hofdünger- und Futterlager. Grund für die zahlreichen Abstriche war der Landschaftsschutz.
Futterbau und Düngung
Draussen auf der blühenden Wiese erklärte Rut Janett, Beraterin Pflanzenbau vom Plantahof, die Wichtigkeit von gutem Futter. Dabei wurden anhand der Futterproben von Elmers Betrieb Möglichkeiten erläutert, aus dem betriebseigenen Futter möglichst viel rauszuholen.
Auf grosses Interesse stiess auch die Vorführung des Hochdorfer Gülleseparators durch die Firma Landmaschinen Jenny. Die Zunahme von Laufställen sowie das Schleppschlauch-Obligatorium bringen Herausforderungen bei der Düngung mit sich. Mit dem Separator von Gülle und Mist können diese optimiert werden. Der Hochdorfer-Verkaufsberater Beat Süess stellt mit Vakublitz eine einfache, kostengünstige Lösung vor, die anschliessend vor Ort vorgeführt wird.

Das Projekt «Climate Farm Demo» dauert von 2022 bis 2029 und ist von Finnland bis Sizilien angesiedelt. Jeder Betrieb macht in diesen sechs Jahren drei Demoveranstaltungen, bei denen gezeigt werden soll, dass auch in der Landwirtschaft klimatechnisch etwas im Gange ist. «Die Landwirtschaft kommt immer wieder unter politischen Druck. Dabei gilt es zu verdeutlichen, dass der Ausstoss an Treibhausgasen, den die Nahrungsmittelproduktion mit sich bringt, nicht vergleichbar mit Flugreisen ist», so Gion Michel. Der landwirtschaftliche Berater stellt anhand der Auswertungen von Elmers Betrieb auch dar, dass dieser jährlich 239 Personen ernährt.
Die «CAP’2ER»-Bewertungsmethode soll Beratern und Landwirten helfen, die Umweltauswirkungen ihres Betriebes einfach und übersichtlich zu beurteilen. Daraus können Massnahmen zur Emissionsverringerung und Anpassung an den Klimawandel abgeleitet werden. «Ich finde es immer wieder wichtig, dass wir, wenn wir vom Klima sprechen, auch die positiven Aspekte der Landwirtschaft hervorheben, wie Nahrungsmittelproduktion, erneuerbare Energien, Biodiversitätsförderung und Speicherung von CO2», betont Gion Michel. So zeigt die Analyse des Hof Steinibach beispielsweise eine CO2-Speicherung von bis zu 70 Prozent im Boden.
