Ostschweizer Bäuerinnen feiern Fachausweis an der Liebegg
Am Samstag, 27. Juni 2026, haben am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG 160 Absolventinnen und ein Absolvent der Berufsprüfung Bäuerin/bäuerlicher Haushaltleiter ihren eidgenössischen Fachausweis erhalten. Die feierliche Übergabe im Kanton Aargau markiert für die erfolgreichen Berufsleute einen wichtigen Meilenstein in ihrer landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung.
Am Samstag, 27. Juni 2026 , fanden sich rund 260 Gäste bei hochsommerlichen Rekordtemperaturen in der festlich geschmückten Arena des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg ein. Rajka Frei, Mitglied der Prüfungsleitung Bäuerin Deutschschweiz, begrüsste die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen, ihre Begleitpersonen sowie zahlreiche Gäste aus Verbänden, Politik und Gesellschaft. Anne Challandes, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands, würdigte die Absolventinnen als kompetente und engagierte Gestalterinnen der Landwirtschaft von morgen. Sie verwies auf das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen 2026, das die unverzichtbare Rolle der Frauen für die Ernährungssicherheit sowie nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme hervorhebt. Den Absolventinnen gratulierte sie zu ihrem erfolgreichen Abschluss, den sie oftmals berufsbegleitend und mit grossem persönlichem Einsatz erreicht hätten. Die erworbenen Fachkompetenzen stärkten sie darin, Verantwortung auf den Betrieben zu übernehmen, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten und sich auf Augenhöhe in betriebliche und strategische Entscheidungen einzubringen.
Menschliche Stärke statt künstliche Intelligenz
In ihrem Referat ermutigte Colette Basler, Bäuerin und Vizepräsidentin des Bauernverbands Aargau, die Absolventinnen ihre Fähigkeiten selbstbewusst einzusetzen und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Sie würdigte den grossen Einsatz, den der Erwerb des Fachausweises erfordert und hob hervor, dass neben Fachwissen insbesondere Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und Vertrauen zu den wichtigsten Kompetenzen der Zukunft gehören. Gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gewinnen menschliche Stärken wie Empathie, Teamarbeit und Vernetzung weiter an Bedeutung. Anhand persönlicher Erfahrungen zeigte sie auf, wie Rückschläge neue Perspektiven eröffnen können. Sie lud alle Anwesenden ein, wichtige Dinge im Leben nicht aufzuschieben, sondern bewusst zu erleben und Erfolge, ebenfalls kleine Highlights, zu feiern. Auch unterstrich sie die Bedeutung von Selbstfürsorge und bewussten Auszeiten, um langfristig leistungsfähig und gesund zu bleiben. Mit der Botschaft, an die eigenen Stärken zu glauben, sich gegenseitig zu fördern und das Leben mit seinen besonderen Momenten bewusst zu geniessen, gab sie den Absolventinnen wertvolle Impulse für ihren weiteren beruflichen und persönlichen Weg.
Vielfältige Arbeiten
Im Prüfungsbericht blickte die Chefexpertin Christine Gerber auf den Weg der Absolventinnen und Absolventen bis zur heutigen Fachausweisübergabe zurück. Bereits ein Jahr vor den Prüfungen startete der Prozess mit Informationsveranstaltungen, der Anmeldung sowie der Wahl individueller Projektthemen und Module. Begleitende Kurse unterstützten die Teilnehmenden bei der Erarbeitung ihrer Projektarbeiten und der Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen. Die eingereichten Arbeiten zeigten die grosse Vielfalt der Schweizer Landwirtschaft und behandelten Themen wie Direktvermarktung, Angehörigenpflege auf dem Hof, Selbstversorgung oder ausgearbeitete Bildungsangebote. Die Prüfungen fanden unter der Leitung von Christine Gerber und Rajka Frei zwischen dem 17. und 24. April 2026 am Strickhof in Wülflingen in einem professionellen Rahmen statt. Die Kandidatinnen brachten 47 verschiedene Berufsabschlüsse mit und verdeutlichen damit die grosse Vielfalt an Erfahrungen und Kompetenzen, die heute in die Landwirtschaft einfliessen. 160 Frauen und ein Mann erhielten schliesslich den eidgenössischen Fachausweis als feierlicher Höhepunkt dieses Anlasses. Die Prüfungsleitung gratulierte allen erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten herzlich und würdigte ihren grossen Einsatz, ihre Ausdauer und ihr Engagement auf dem Weg zum Abschluss.
Grossartige Leistungen
Elf Absolventinnen schlossen mit einer Abschlussnote von 5,5 oder höher ab und wurden von der Prüfungsleitung mit einem Glas Bienenhonig ausgezeichnet. Die Schweizer Agrarmedien AG ehrte zudem die besten Absolventinnen der Herbstprüfung 2025 sowie der Frühlingsprüfung 2026. In ihrer Ansprache würdigten Andrea Wyss und Jeanne Göllner die vielfältigen Leistungen der Bäuerinnen und hoben hervor, dass deren Arbeit weit über die sichtbaren Aufgaben auf dem Landwirtschaftsbetrieb hinausgeht. Besonders betont wurde der oft unsichtbare «Mental Load», – die organisatorische und emotionale Verantwortung, die viele Frauen täglich tragen. Diese Leistung verdiene mehr Anerkennung.
Frauen mit Bestnoten
Mit der Bestnote 6,0 schlossen Veronica Oberholzer aus Altendorf SZ, Stefanie Schori aus Madiswil BE und Tamara Bieri aus Oberembrach ZH ab. Es folgten Katja Aregger aus Willisau LU und Stephanie Lötscher aus Greppen LU mit der Note 5,8 sowie Brigitte Meier aus Gränichen AG mit der Note 5,6.
Der Aargauer Landfrauenverband liess allen Absolventinnen und Absolventen einen Aargauer Rüebli-Spitzbub überreichen. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Örgeli-Duo d’Johrgänger, das auch den anschliessenden Apéro begleitete.
Absolventinnen aus dem Verbreitungsgebiet des «St.Galler Bauer»
Aus dem Kanton St.Gallen: Mirjam Kühne, Valens; Nadja Gabathuler, Malans; Rahel Ruckstuhl, Zuzwil; Apollonia Widmer, Mühlrüti; Joana Alabor, Altstätten; Nadia Bänzinger, Diepoldsau; Yvonne Jenny, Sevelen; Barbara Signer, St. Peterzell; Andrea Tschumper, Wattwil; Daria Eisenring, Bichwil; Daniela Ammann, Alt St. Johann; Marion Roth, Bächli (Hemberg); Sabina Schmid, Steinach.
Aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden: Aldijana Eisenhut, Oberegg; Andrea Fritsche, Appenzell; Martina Fritsche, Appenzell.
Aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden: Fabienne Kappeler, Heiden; Leonie Eberle, Teufen; Anja Sonderegger, Schachen bei Herisau.
Aus dem Fürstentum Liechtenstein: Chantal Zelder, Schaan
