Bauerngruppe Glarus Süd: Revolutionäre Wolfscharta
Die Bauerngruppe Glarus Süd lud am 2. Mai zur dritten Hauptversammlung nach Schwanden. Die Traktanden wurden effizient abgearbeitet, denn im Anschluss fand ein Podium statt. Drei der bisher bekannten National- und Ständeratskandidaten stellten sich den Fragen.
«Vor vier Jahren wies ich an dieser Stelle auf die Wichtigkeit hin, dass wir in Zukunft nur erfolgreich für unsere Anliegen kämpfen können, wenn wir uns zusammenschliessen und geschlossen auftreten», eröffnet Präsident Thomas Elmer die Hauptversammlung der Bauerngruppe Glarus Süd in Schwanden. «Es hat sich in dieser Hinsicht bereits einiges geändert; wir werden als Landwirte in Glarus Süd anders wahrgenommen.»
Den Jahresbericht verfasste Co-Präsident Jakob Hefti nach den Themen wie Kleingewässer und Gewässerraum, Ressource Boden, ökologische Infrastruktur, Herdenschutz oder regionale Landwirtschaftsstrategie (RLS.) «Im November 2022 kam es zum ersten Treffen mit den neuen Gemeindevertretern betreffend Ressource Boden. Das Projekt wurde mit Wohlwollen und Interesse aufgenommen», blickt Jakob Hefti zurück. Vorausblickend erhoffe man sich, für die vorhandenen Baustellen gerade in Sachen Nutzungsplanung an ein Ziel zu kommen. «Vieles soll zulasten unserer Böden, also unserer existenziellen Grundlage, gehen. Dagegen arbeiten wir auch bis zur nächsten Hauptversammlung», so Hefti. Der gesamte Vorstand stellte sich für eine weitere Amtsperiode von vier Jahren zur Verfügung und wurde von den Mitgliedern einstimmig wiedergewählt.

Ressouce Boden
Marco Baltensweiler, Leiter Amt für Landwirtschaft Glarus, stellte den Bäuerinnen und Bauern das Projekt Bodenkartierung Glarus Süd vor. Auch er betonte dabei die zahlreichen Interessenkonflikte, die zulasten landwirtschaftlicher Nutzfläche weiter zunehmen. «Die Kartierung ist eine Grundlage, auf der entschieden werden kann, wo gewisse Element hinkommen sollen», so der Abteilungsleiter. Der Entschluss für eine schweizweite Kartierung wurde auf Bundesebene gefasste, wozu auch das Kompetenzzentrum Boden (Kobo) gegründet wurde.
Diskussion mit Kandidaten
Im Anschluss führte die Bauerngruppe Glarus Süd mit den bereits bekannten Kandidaten der nationalen Wahlen vom Oktober ein erstes Podiumsgespräch über die brisanten landwirtschaftlichen Themen. Der Landrat und sich zur Wiederwahl stellende Ständerat Mathias Zopfi (Grüne) betonte die Wichtigkeit des Kontakts zur Basis, denn in Bern sei man weit weg. «Gerade darum ist es wichtig, dass es Organisationen auf kantonaler Ebene gibt, die sich mit uns austauschen.» Diese Wichtigkeit des Dialoges vermittelten auch Landamman und Ständeratskandidat Benjamin Mühlemann (FDP) und Nationalratskandidatin Andrea Trummer (Mitte) im Verlaufe des durch Hans Peter Hauser geführten Podiums. Während Thomas Elmer zum Thema Nutzungsplanung und Umweltanliegen den Politikern auf den Zahn fühlte, stellte der Präsident des Glarner Bauernverbands, Fritz Waldvogel, Fragen betreffend Versorgungssicherheit und Raumplanung. Reto Glarner von der Fachkommission Grossraubtiere diskutierte mit den Kandidatinnen und Kandidaten über das emotionale Thema Wolf.
«Am Schluss ist es der Mut, der entscheidet», so Benjamin Mühlemann, der gerne Dialoge führt. Er vertritt aber die Meinung, dass ab einem gewissen Punkt gehandelt werden müsse. Auch Mathias Zopfi gab Preis: «Politik ist, im richtigen Moment mit den richtigen Leuten über das Richtige zu reden.»
Kantonaler Aufstand
Die gesetzlichen Grundlagen und die daraus resultierenden Verordnungen zum Thema Wolf entlockten dem Vorsteher des Departementes Finanzen und Gesundheit Mühlemann ein weiteres klares Statement: «Mich reut jeder Franken, den wir für den Herdenschutz ausgeben, einfach weil das Problem nicht an der Wurzel angepackt wird.»
Podiumsleiter Hauser bringt es nach der Diskussion zusammenfassend auf den Punkt: «Dem Stimmbürger alleine die Schuld für die Situation zu geben ist vielleicht für die Vergangenheit eine Option. Aber in Zukunft können wir uns das nicht erlauben, gerade im Kanton Glarus.» Einen Lösungsansatz habe die Fachkommission Grossraubtiere des Glarner Bauernverbands in der Wolfscharta gemacht, die nach seinen Worten einer kantonalen Revolution, einem Aufstand gegen die aktuelle Gesetzgebung gleiche. Darin wird der Regierungsrat zu einem Wolfshöchstbestand, einem proaktiven Wolfsmanagement und dem höher gewichteten Schutz der Bevölkerung aufgerufen. «Die Ausgangslage für einen Aufstand ist nicht so schlecht, die Zeit arbeitet für die Charta», so Peter Hausers Schlusssatz, den auch Gemeinderat Stefan Maduz unterstreicht. Er sieht nämlich in der Wolfsthematik politisches Versagen. «Wir fahren mit 80 Kilometer pro Stunde auf eine Mauer zu und haben das Gefühl, wir können fünf Meter davor bremsen.»

