Strom aus PV und Batteriespeicher: Eigenverbrauch wird wichtiger
Viele Betriebe setzen heute schon auf umweltverträgliche Stromerzeugung mittels Photovoltaik und Batteriespeicher. Doch wie und an wen verkaufe ich die überschüssige Energie? Diese und weitere Fragen wurden kürzlich in Urnäsch auf dem Hof von Therese und Hans Looser durch Experten beantwortet.

Grossflächig sind die Betriebsgebäude und Stallungen von Hans Looser mit Solarpaneelen bestückt. Darüber hinaus verfügt er über grosse Batteriespeicher, die dafür sorgen, dass der Urnäscher Landwirt von Mai bis Ende Oktober autark ist. «Wir haben die Anlage Anfang Jahr in Betrieb genommen, und die Investition macht sich bereits bezahlt», sagt Looser im Beisein von rund 60 Landwirten zum Thema «Batteriespeicher – wie und an wen verkaufe ich den Strom am besten?». Mit Andreas Sila, Leiter Business Development SAK, und Christian Wolf, Meisterlandwirt sowie Geschäftsleiter der Firma MBRsolar AG, hat das kantonale Amt für Landwirtschaft zum Kursnachmittag zwei Energieexperten eingeladen.
Eine lohnende Investition
Der Milchwirtschaftsbetrieb der Familie Looser umfasst rund 43 Hektaren, und der jährliche Stromverbrauch beträgt 50 000 Kilowattstunden. Die Stromkosten wie auch der Verbrauch seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, das habe ihn gestört. So habe er sich beraten lassen und nach kostensparenden Lösungen gesucht, so Looser. Da die Zukunft des Hofs auch später durch die Familie gesichert ist, hat ihn dies dazu bewogen, in die solare Energiegewinnung zu investieren. «Ich suchte, nicht zuletzt aus Kostengründen, nach einer Lösung. Dass wir mit der PV-Anlage und den Batteriespeichern, praktisch ohne dafür zu arbeiten, Gewinn machen, ist ein schöner Nebeneffekt», erklärt Hans Looser. Für den Fall, dass er keinen Strom mehr beziehen kann, hat Looser mit einem dieselbetriebenen Notstromaggregat vorgesorgt. Er habe mit der MBRsolar einen kompetenten Partner gefunden und seit Inbetriebnahme der Anlage rund 10 000 Franken gespart, freut er sich.

Energiegemeinschaften gründen
«Wie kann ich den überschüssigen Strom aus der PV-Anlage gewinnbringend absetzen?» Diese Frage stellen sich nicht nur Einfamilienhausbesitzer, sondern auch Landwirte. «Derzeit bewegt sich der Preis zwischen acht und zehn Rappen pro verkaufte Kilowattstunde. Das wird künftig nicht mehr möglich sein. Die Preise sinken», sagt Andreas Sila von der SAK. Dennoch gebe es Möglichkeiten, mehr Geld zu bekommen. Nach der positiven Abstimmung zum neuen Stromgesetz sei es möglich, Energiegemeinschaften zu gründen. Dies bedeute, dass man den erzeugten Stromüberschuss dem oder den Nachbarn verkaufe. In der Folge erwirtschafte man ein paar Rappen mehr, als wenn die Energie ins allgemeine Stromnetz fliesse, erklärt Sila und ergänzt: «Somit ergibt sich eine monetäre Win-win-Situation für beide Parteien, und der lokal produzierte Strom wird auch lokal genutzt.» «Wer in solare Energie mit Batteriespeicher investiert, erhält eine Einmalvergütung von Bund und Kanton», sagt Sila. Nebst den bestehenden Energiegemeinschaften von Nachbar zu Nachbar ist ab 2026 auch eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft möglich. Dies könnte für Landwirte, die nicht in der Nähe eines Siedlungsgebiets ansässig sind, von Bedeutung sein. Für den SAK-Experten ist klar, dass sowohl die Strompreise als auch die Rückliefertarife 2026 sinken. Im Gegenzug soll der Eigenverbrauch steigen, und Batteriespeicher werden an Bedeutung gewinnen. Das Energiemanagementsystem senkt die Kosten, steigert die Effizienz und erhöht den Eigenverbrauch.

Grösse des Speichers
Im Anschluss an die Kaffeepause übernimmt Christian Wolf den zweiten Kursteil. Er weiss aufgrund seiner beruflichen Herkunft, wie wichtig das Energiemanagement auch in der Landwirtschaft ist. «Eine PV-Anlage ist dann wirtschaftlich, wenn der Eigenverbrauch über 30 Prozent beträgt. Das bedeutet, dass wir möglichst viel Strom selbst nutzen müssen.» Wer einen Batteriespeicher anschaffen möchte, muss seinen Betrieb analysieren. Aufgrund der Bestandesaufnahme wird der ermittelte Stromverbrauch um 20 Prozent mit einer Reserve erweitert. Dazu zeigt der MBRsolar-Geschäftsleiter eine einfache Formel und sagt: «Mein jährlicher Strombedarf durch 365 mal 0,6. Die 0,6 sind, weil ich einen Teil des Stroms täglich selbst brauche.» Dieser Wert bestimmt die Grösse des Batteriespeichers. «Es macht keinen Sinn, wenn der Speicher zu gross ist und aufgrund der Leistungskapazität der PV-Anlage nie ganz gefüllt wird», erklärt Wolf und ergänzt: Wer bereits eine PV-Anlage betreibe, müsse ebenfalls den Gesamtbedarf berechnen. Bei einem Bedarf von 60 000 Kilowattstunden sei man mit einem Speicher mit knapp 100 Kilowattstunden gut bedient. Der Batteriespeicher von Hans Looser ist in einem Betriebsgebäude untergebracht. «Heute haben fast alle Systeme eine eingebaute Heizung, eine Kühlung und ein Löschsystem. Die meisten Batterien werden aus brandschutztechnischen Gründen aber ausserhalb der Gebäude platziert», sagt er.

Gute Erfahrungen gemacht
Hans Looser zieht nach fast einem Jahr mit dem Batteriespeicher ein positives Fazit. Die Anlage habe bis auf zwei kleine Aussetzer einwandfrei funktioniert. Man lerne, mit dem Einsatz von Maschinen zeitlich etwas zu jonglieren. «Ich habe in die Zukunft investiert und auch für die künftige Generation eine nachhaltige Lösung gefunden», sagt er abschliessend.
