Kommunikation, Personal und KI: Praktische Impulse für die Landwirtschaft
Am Donnerstag, 4. Dezember 2025, trafen Vertreter der bäuerlichen Organisationen im Hotel Krone in Gais zum Seminar ein. Im Fokus standen ein effizienter Arbeitsalltag dank besserer Kommunikation, künstliche Intelligenz und Strategien in der Personalfindung.
Priska Frischknecht, Geschäftsführerin des Bauernverbands Appenzell Ausserrhoden (BVAR), begrüsste über 50 Personen zum bäuerlichen Seminar im Saal des Hotels Krone in Gais. Präsidenten, Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder der Bauernverbände St. Gallen, beider Appenzell, Thurgau und Glarus sowie der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost und der Laveba nahmen daran teil. Der Fokus lag auf den Themen Kommunikation, Personalfindung und künstliche Intelligenz.
Struktur ist wichtig
Kathrin Loppacher ist Leiterin Academy und Office Management der Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell. In ihrem Referat zeigte sie auf, wie wesentlich das «Wie» in der Verbandskommunikation ist. Gute Kommunikation stärke einen Verband und schaffe Vertrauen, erklärte die Kommunikationsspezialistin. Sie legte dar, wie eine klare Struktur jede Form der Verbandskommunikation verbessert, sei dies in einer Sitzung oder beim Verfassen einer Medienmitteilung. Entscheidend seien drei Fragen: Was ist das Ziel der Kommunikation, welche Botschaft soll vermittelt werden und wen möchte man erreichen. «Ohne die Beantwortung dieser Fragen ist die Arbeit umsonst», sagte sie.

Die Verbands- respektive Unternehmenskommunikation wird unterteilt zwischen intern (Mitglieder, Vorstand, Mitarbeiter) und extern (Öffentlichkeit, Presse). Dabei laute die Regel «Intern vor extern». Werde nicht in dieser Reihenfolge kommuniziert, könnten Gerüchte die Folge sein, die von den Medien rasch aufgegriffen und weitergetragen werden.
Sprechen in der Krise
Tritt eine Krise auf, ist die Krisenkommunikation Chefsache. Offen und persönlich zu sprechen sei dabei entscheidend. Wer vor Menschen oder Medien auftrete, solle sich der eigenen Körpersprache bewusst sein. Diese mache 55 Prozent der Wirkung aus, 38 Prozent entfielen auf Stimme und Ton und nur sieben Prozent auf den Inhalt. Weiter hielt sie fest, dass Konflikte Störungen seien, die zur Eskalation neigen, wenn sie nicht frühzeitig angegangen werden.
Als Kommunikationsfallen in der Verbands- und Pressearbeit erachtet Kathrin Loppacher unklare Botschaften, Fremdwörter und Fachjargon. Sie nannte als positives Beispiel den «Blick», dem es gelinge, mit kurzen, klaren Schlagzeilen die Botschaften weiterzugeben. «Vermittelt einfache Kernbotschaften», empfahl Loppacher.
Wichtig sei es zudem, proaktiv statt reaktiv zu handeln. Verbände reagierten oft erst dann, wenn der Druck bereits steige. Das führe zu kommunikativer Hektik. Sinnvoll sei es, mögliche heikle Themen vorzubereiten, Kernbotschaften zu formulieren und Leitlinien festzuhalten, die regeln, wie in einer Krise zu reagieren und wie auf Medienanfragen zu antworten ist.
Bei Interviewanfragen dürfe man nachfragen, in welche Richtung ein Beitrag gehen soll, erklärte die Kommunikationsspezialistin. Man müsse Fragen am Telefon nicht sofort beantworten, sondern könne auf einen späteren Zeitpunkt verweisen. Das verschaffe Zeit, um sich vorzubereiten. In jedem Gespräch sollten die eigenen Kernbotschaften mehrfach wiederholt werden, damit sie haften bleiben.
Gute Löhne zahlen
Nach den Ausführungen zur Bedeutung einer klaren Kommunikation rückte ein weiteres Thema in den Fokus, das viele landwirtschaftliche Betriebe stark beschäftigt. Zum Thema «Fachkräftemangel und Personalrekrutierung in der Landwirtschaft» gab Fabian Brühwiler Einblicke in den landwirtschaftlichen Betriebshelferdienst des Maschinenrings (MR) Ostschweiz mit Sitz in Wängi. Der MR ist unter anderem Personal- und Servicedienstleister in Bereichen wie Haushaltservice, Güllenkastenkontrollen, Solarmontage, Energieberatung oder Winterdienst. Der Betriebshelferdienst ist ein zentraler und gefragter Teil des Unternehmens. Der MR Ostschweiz beschäftigt sieben fest angestellte Betriebshelfer mit insgesamt 610 Stellenprozenten sowie über zehn Mitarbeitende im Stundenlohn. Die Betriebshelfer kommen in Notsituationen wie Unfall oder Krankheit zum Einsatz, zunehmend aber auch für Ferienablösungen von Betriebsleitern. Die Nachfrage ist hoch.

Ihm ist bewusst, dass Betriebshelfer oft nicht lange bleiben. Viele junge Landwirte sehen diese Arbeit als Zwischenlösung, es findet ein permanenter Wechsel statt. «Aber wir finden immer wieder Leute», sagte er. Er betonte: «Wenn wir gute Leute wollen, müssen wir angemessene Löhne bezahlen.»
Finanziert wird der Betriebshelferdienst über andere Dienstleistungen des MR, da er selbst nicht kostendeckend ist. Die Philosophie des MR bestehe darin, mit anderen Serviceleistungen Geld zu verdienen, damit landwirtschaftliche Betriebe profitieren können.
Der MR bietet seinen Betriebshelfern eine 50-Stunden-Woche statt der in der Landwirtschaft üblichen 55 Stunden, fünf Wochen Ferien, Weiterbildungen, flexible Pensen, Teilnahme an Teamanlässen und Arbeitskleider. Dem Freizeit- und Ferienmanagement komme grosse Bedeutung zu. «Wer frei möchte, soll frei bekommen», sagte Brühwiler. Nur so bleiben Mitarbeitende länger.
Attraktiv positionieren
Ein Arbeitgeber müsse sich attraktiv positionieren und sichtbar sein. Wichtig sei eine regelmässige Kommunikation auf verschiedenen Kanälen. Freie Stellen werden auf der Webseite, auf Onlineportalen und in Inseraten ausgeschrieben. Die wichtigste und wirksamste Werbung sei jedoch Mund-zu-Mund-Propaganda.
Auch der Umgang mit dem Personal sei entscheidend. Ein Arbeitsverhältnis könne an den Umgangsformen scheitern. Arbeitgeber müssten ihren Leuten etwas bieten. Es gebe genug Menschen, die Interesse am Beruf haben. Ziel sei es, diese in der Landwirtschaft zu halten.
Sicht eines Landwirts
Hansjörg Uhlmann sprach aus Sicht eines Landwirts über die Herausforderungen, Personal zu finden und zu halten. In Bonau bewirtschaftet er zwei Betriebe mit insgesamt 65 Hektaren. Zur Erntezeit beschäftigt er fünf bis sechs Erntehelfer, einige Pensionäre, die gerne Rebarbeiten übernehmen, sowie einen Mitarbeiter, der als Betriebsleiter-Stellvertreter angestellt ist. Dieser arbeitet seit 2007 auf dem Betrieb.
Bei Bewerbungen sei entscheidend, was für den Arbeitnehmer wichtig ist. Sind die Arbeitsbereiche klar? Ist selbstständiges Arbeiten erwünscht? Welche Kompetenzen bringt die Person mit? Wie sieht die Wohnsituation aus, wie Freizeit, Ferien und Lohn? «Gerade beim Lohn steht die Branche in starker Konkurrenz zum Gewerbe, das höhere Saläre bezahlen kann», so Uhlmann. Bis zu einem gewissen Punkt könne ein Landwirt mithalten. Doch es gebe Grenzen.

«Ziel ist es immer, neue Mitarbeitende längerfristig halten zu können.» Geduld sei bei der Suche zentral. Uhlmann greift dabei gerne auf sein Netzwerk zurück, schaltet Inserate in Printmedien und Fachzeitschriften. Seiner Erfahrung nach bringe das Netzwerk aber am meisten: «Im besten Fall gehen Bewerbungen ein», sagte er. Zeugnisse seien für ihn nicht ausschlaggebend. Wichtiger sei, die Person zu spüren, ihre Motivation zu erkennen und zu sehen, ob eine mittelfristige, gemeinsame Perspektive vorhanden sei. Idealerweise bleiben Angestellte fünf Jahre oder länger, denn einen Betrieb kennenzulernen brauche Zeit.
Fördern und fordern
Ist eine Person eingestellt, beginne die eigentliche Arbeit. Damit Mitarbeitende mittel- bis längerfristig bleiben, brauche es eine offene und positive Kommunikation. Die Stärken der Person sollten gefördert werden. Es sei wichtig, Aufgaben zur selbstständigen Ausführung zu übergeben und Mitarbeitende in Entscheidungen einzubeziehen. Geregelte Arbeitszeiten und einen ihrer Leistung entsprechenden Lohn, Weiterbildungsmöglichkeiten und flexible Freitage seien weitere zentrale Faktoren, um Mitarbeitende zu halten. Auch ein moderner Arbeitsplatz sei ein Vorteil. «Eine Garantie, dass man jemanden findet, gibt es nicht. Ebenso wenig gibt es eine Garantie, dass jemand lange auf dem Betrieb bleibt», sagte er. «Redet mit den Mitarbeitenden», betonte er weiter, «denn sie haben oft mehr Ideen, als man denkt.»
Künstliche Intelligenz
Über Möglichkeiten, Risiken und Grenzen künstlicher Intelligenz (KI) referierte Marc Becker vom KI-Studio aus Rebstein. Das junge Unternehmen vermittelt Wissen zu KI an KMU und Privatpersonen.
Social Media, Google, Onlineshops oder Navigationssysteme arbeiten schon lange mit KI. Diese Systeme funktionieren auf Prozessebene im Hintergrund. Anders ist es bei Programmen wie ChatGPT, die auf Mitarbeiterebene agieren und als generative KI Inhalte wie Texte, Bilder, Videos oder sogar Musik erstellen können. Sie benötigen einen Menschen, der sie bewusst steuert, klare Aufträge formuliert und die Ergebnisse prüft.

Starke Entwicklung
KI gibt es seit 1956. Seither hat die Technologie enorme Entwicklungen durchlaufen. Als die Firma OpenAI am 30. November 2022 ChatGPT veröffentlichte, stieg die öffentliche Aufmerksamkeit sprunghaft an. Becker stellte im Seminar Programme vor, die den Alltag erleichtern, wie beispielsweise Meeting Metrics AI. Diese KI kann aus Audioaufnahmen einer Sitzung automatisch Protokolle erstellen. Oder Perplexity, das eine schnelle Informationsquelle ist und teils effizienter als Google.
Auch im Umgang mit KI ist Kommunikation ein Schlüsselinstrument. «Man muss einer KI klar sagen, was man will, damit ein brauchbares Resultat entsteht. Je präziser die Eingabe, desto genauer das Ergebnis.»
Generative KI entfalte ihr Potenzial erst in Kombination mit dem Menschen. «Das menschliche Gehirn und das eigene Verständnis bleiben notwendig.» KI-Systeme können halluzinieren, also Informationen erfinden oder falsche Inhalte generieren. Die Verantwortung, die Ergebnisse zu prüfen, liege beim Nutzer.
KI hat Vorurteile
Die Modelle werden mit Daten aus dem Internet trainiert, und anhand dieser Daten erstellt die KI ihre Antworten. Frei von Vorurteilen ist sie deshalb nicht. Becker zeigte ein Beispielbild, das dies verdeutlichte. Die Eingabe lautete: «Generiere ein Bild einer sehr erfolgreichen Person, welche sich mit dem Putzpersonal unterhält.» Das Resultat zeigte einen Mann im Anzug im Gespräch mit einer weiblichen Reinigungskraft.
Zum Thema Datenschutz in Zusammenhang mit KI erklärte Becker, dass es sich immer um eine Internetnutzung handle. Klarnamen, also vollständige bürgerliche Namen, sowie Firmen- oder Kundendaten hätten in einer Eingabe nichts verloren. Man solle neugierig bleiben und keine Angst vor KI haben, sagte er. Es sei gefährlicher, sich nicht damit zu beschäftigen, denn «die KI-Welt dreht sich ohnehin weiter, auch ohne uns».
Zum Schluss des Seminars hielt Priska Frischknecht fest, dass sich das Thema Kommunikation wie ein roter Faden durch den Tag gezogen habe. «Klare Kommunikation reduziert Missverständnisse und steigert die Zusammenarbeit», war ihr Fazit.

