Alpwirtschaftskurs der St. Galler Sektionen – von Wildhaus nach Gamplüt
Die Landschaft geniessen, umfassende Informationen vor Ort erhalten, aber auch Gelegenheit zu fachlichem Austausch prägten den Alpwirtschaftskurs der St. Galler Alpsektionen. Dieser fand am Freitag, 8. August 2025 im Toggenburg statt.

Rund 130 Personen genossen vergangenen Freitag den herrlichen Sommertag mit einer Alpwanderung und verschiedenen Informationen. Die Bergwelt des obersten Toggenburgs zeigte sich von ihrer besten Seite. Viele auswärtige Teilnehmende waren von der landschaftlichen Schönheit und den gepflegten Alpen begeistert. Organisiert durch Marco Bolt, Fachstelle Alp- und Betriebswirtschaft Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen in Salez (LZSG), trafen sich für einmal alle St. Galler Alpsektionen und Vertreter des Schweizerischer Alpwirtschaftlichen Verbands (SAV) zum gemeinsamen Anlass. Wie Thomas Bohl, Präsident des Alpwirtschaftlichen Vereins Toggenburg, betonte, mache ein gemeinsamer Anlass Sinn und ermögliche auch den fachlichen Austausch über die Grenzen der Regionen hinweg.
Flexibel zügeln
Eine erste Teilwanderung war vom Parkplatz Chuchitobel in Wildhaus bis zur Lisigweid zu bewältigen. Hanspeter Nef, Präsident der Alpkorporation Lisigweid, informierte, dass 27 Besitzer die 35 Hektaren grosse Fläche nutzen. Zuerst sei das Vieh einen Monat auf der Voralp, dann während eines Monats auf der Höchalp, um dann nochmals auf der Voralp zu weiden. «Wir haben die gleiche TVD-Nummer und dank der Alpgemeinschaft mit Gamplüt und Boden können wir das Zügeln flexibel handhaben.»

Toggenburger Eigenarten
Thomas Bohl gab Einblick in das Alpsystem der Toggenburger. Wichtig sei dabei, dass die meisten Alpgebiete von Korporationen bewirtschaftet werden. Der einzelne Bauer habe Alprechte. Während die Weide der Korporation gehöre, seien die Gebäude im Besitz der Bauern. Im Unterschied beispielsweise zum Sarganserland, dort werden die Alpen von angestellten Teams betreut, sind die Toggenburger Bauern selbst vor Ort. Die Milch werde, bis auf ganz wenige Ausnahmen, zur Sammelstelle im Tal gebracht. «Die Produktion von Alpkäse, dazu werden wir am Ziel unserer Wanderung noch mehr erfahren, ist bei uns nicht so stark verbreitet.»
Besonderes Hochmoor
Nach einer weiteren Wanderetappe gab es auf rund 1300 Metern über Meer beim Wegweiser Dreihütten Informationen von Ernst Vetsch, Präsident der Alpkorporation Gamplüt. Auch er wies auf die Zusammenarbeit mit der Alpkorporation Lisigweid und die damit verbundenen Erleichterungen durch die gleiche TVD-Nummer hin. Auf der rund 180 Hektaren grossen Alp weidet im oberen Bereich das Galtvieh, auf den unteren Weiden die 160 Milchkühe. Eine Besonderheit für diese Alpkorporation ist das Hochmoor, das den Bewirtschaftern einiges an Kompromissen abverlangt. «Wir müssen Zäune erstellen und jedes Jahr die Hälfte der Fläche mähen, die Streue verwenden wir dann auf den Alpen.
Anzahl gealpter Tiere stabil
Zur Abwechslung war mit Moritz Schwery, Vorstandsmitglied beim SAV, auch ein Referent mit Walliser Wurzeln zu hören. Er gab Einblick in die Verbandstätigkeit und wies darauf hin, dass die Anzahl der gealpten Tiere in den vergangenen Jahren gehalten werden konnte. «Ausnahmen bilden die Schafalpen in meinem Heimatkanton. Viele sind unterbestossen. Aber das hängt nicht zuletzt mit der Wolfproblematik zusammen.» Für den SAV-Vertreter gehören Milchkühe auf die Alpen, «allerdings ist damit ein hoher Investitionsbedarf verbunden. Doch die Wertschöpfung und die qualitativ hochstehenden Produkte aus den Regionen werden geschätzt.»

Neuer Stall und Käserei
Am Ziel der Wanderung auf der Alp mit neuem Stall und Käserei der Betriebsgemeinschaft von Thomas und Bruno Götte wurden die Teilnehmenden von Alphornklängen begrüsst. Nebst reichhaltiger Verpflegung gab es auch Einblick in den nicht ganz einfachen Weg, bis die neuen Gebäude erstellt werden konnten. Nachdem nun drei Viertel des Alpsommers vorbei sind, konnten die Brüder Götte eine positive Bilanz ziehen. Auch wenn die Herstellung und Vermarktung des Alpkäses mit vielen Herausforderungen verbunden sei, «wir freuen uns über die neuen Aufgaben und vor allem auch, dass wir nun für alle Tiere in einem Stall Platz haben und diese nicht mehr dezentral betreuen müssen.» Mit ihren verschiedenen Standbeinen, 50 Milchkühe, 40 Aufzuchtrinder, dazu die Rinder- und die Pouletmast und als «jüngstes Kind» die Alpkäserei, sind die innovativen Landwirte und ihre Familien gefordert.
Auswirkungen Klimawandel
Am Rande des Alpwirtschaftskurses gab es Gelegenheit, verschiedene Themen im kleinen Kreis anzusprechen. So zeigte sich ein pensionierter Älpler aus Sargans begeistert von der innovativen Bauernfamilie. «Für mich der Beweis, dass sich Mut und grosser Arbeitseinsatz auszahlen.» Fredi Louis, Vorstandsmitglied des St. Galler Bauernverbands und Präsident der Alpwirtschaftlichen Kommission, meinte auf die Frage zur Auswirkung des Klimawandels auf die Alpen: «Dies hat aus meiner Sicht sowohl positive als auch eher negative Auswirkungen. Einerseits können wir die Alpen oft früher bestossen und haben mehr Gras, andererseits kann es, je nach Region, auch zu Wasserknappheit führen.»
Einig waren sich die Teilnehmenden – und dies war auch an den zufriedenen Gesichtern zu sehen – dass es eine gelungene, bestens organisierte Tagung mir viel spannenden Informationen in einer prächtigen Landschaft war. Während sich die ersten nach dem offiziellen Teil auf den Heimweg machten, nutzen andere die Gelegenheit zum gemütlichen Verweilen und direkten Austausch mit Berufskollegen.
