Elf Rassen am Ziegen- und Bockmarkt in Sargans

Rund 80 Ziegenzüchter aus 15 Kantonen sind am Samstag, 9. August 2025 mit 346 Böcken und Geissen zur 113. interkantonalen Ausstellung in die Markthalle School nach Sargans gefahren. Hohe Qualität, gesunde Tiere und reges Interesse prägten den vom St. Galler Ziegenzuchtverband organisierten Ziegen- und Bockmarkt.

Elf Rassen waren in Sargans vertreten. Hier die Rassesiegerinnen mit Besitzern.
Elf Rassen waren in Sargans vertreten. Hier die Rassesiegerinnen mit Besitzern.

Am 113. interkantonalen Ziegen- und Bockmarkt in der Markthalle School in Sargans wurde gefachsimpelt über die Schönheit und die Vorteile der verschiedenen Rassen, das Wesen, die Robustheit sowie die Leistung der Tiere. Manch ein Züchter ist stolz, dass er sich für die Zucht von alten Rassen entschieden hat. Andere strahlen, dass es ihnen gelungen ist, die Zuchtqualität zu verbessern. So oder so: Die Ausstellung in Sargans beruht auf einer Tradition, die Anfang des letzten Jahrhunderts ins Leben gerufen worden ist.

Tierärztin vor Ort

Auf Wunsch vieler Züchter organisiert der St. Galler Ziegenzuchtverband die Ausstellung in Sargans seit Jahren nicht mehr nach dem Heimkommen der Tiere von den Sömmerungsweiden Ende September, sondern Anfang August. Das hatte zwar einen massiven Rückgang der Auffuhrzahlen bei den weiblichen Tiere zur Folge, dagegen kann so der Bockhandel rechtzeitig vor der Decksaison durchgeführt werden. Allerdings ist anzumerken, dass wegen der Wolfspräsenz mittlerweile nicht mehr so viele Spitzentiere den Sommer in den Bergen verbringen wie früher. Dies, um schmerzhafte Verluste zu vermeiden.

Die amtstierärztliche Kontrolle wurde am Samstagmorgen vor Ort durch die kantonale Tierärztin Sarah Feurer vorgenommen. Zudem wurden die Tiere beim Eintreffen in Sargans vom OK auf Ansätze von Pseudotuberkulose, einer ansteckenden, unheilbaren Krankheit, gründlich geprüft. Doch in gesundheitlicher Hinsicht gab es in der Markthalle Sargans heuer nichts, was zum Meckern Anlass gegeben hätte.

Ziegenzüchter kämpfen in Sargans mit 346 Tieren um gute Noten.
Ziegenzüchter kämpfen in Sargans mit 346 Tieren um gute Noten.

30 602 Geissen gealpt

Der Bestand der registrierten schweizerischen Herdenbuchtiere betrug gemäss der Tierstatistik Identitas im März total 131 552 Tiere. Davon werden dieses Jahr schweizweit 30 602 Tiere gesömmert. Die Gämsfarbige Gebirgsziege führte im Monat März die Statistik mit 23 581 Herdenbuchtieren an. Den letzten Platz in der amtlichen Quelle nahm die Rasse Nera Verzasca mit 4623 Tieren ein. Allerdings sind viele kleine Rassen nur zusammen in der Statistik aufgeführt.

Seit die Produktvermarktung durch den Verband auch im Kanton St. Gallen intensiviert wurde, ist die Kleintierhaltung lukrativer geworden. Davon zeugen die Schweizer Statistiken der letzten Jahre in vielen Regionen. Der kantonale St. Galler Verband vereinigt momentan 14 Ziegenzuchtgenossenschaften und -vereine mit über 3000 eingetragenen Herdenbuchtieren von nahezu 300 Züchterinnen und Züchtern. Momentan werden hierzulande rund 1000 Ziegen gealpt. Weil die meisten Tiere, die gemolken werden, nachts in Stallungen untergebracht sind, ist das Grossraubtier Wolf bei diesen Hirten kaum ein Thema. Bei Herden mit Gitzis, die sich 24 Stunden am Tag auf der Weide aufhalten, besteht dagegen ein Rissrisiko durch den Wolf. Anscheinend blieben Ziegen dieses Jahr jedoch bisher vom Grossraubtier verschont.

Wahlen als Höhepunkt

Die Rassenvielfalt, die in Sargans präsentiert wird, macht diesen Anlass nicht nur für Ziegenzüchter attraktiv, die verschiedenen Arten faszinieren jeweils auch andere Besucher. Ein besonderes Augenmerk gilt am Sarganser Ziegen- und Bockmarkt den Zuchtböcken. Hier gibt es Gelegenheit, vor der Decksaison einen Bock zu erwerben. Auch junge Zuchttiere haben am Samstag da und dort ihren Besitzer gewechselt. Fünf Schweizer Preisrichter beurteilten, taxierten und rangierten die Ziegen und Böcke nach geforderten Rassenmerkmalen. Dies geschah am Morgen unter Ausschluss von Züchtern und der Öffentlichkeit. Die Wahlen von Mister, Schöneuter sowie Rassesiegerinnen gehörten am späteren Nachmittag zu den krönenden Höhepunkten der Ausstellung.

Auszug aus der Rangliste. Vollständige Liste unter dem Link hier einsehbar.

Ziegen im Aufwind

Wenn es um Nutztierrassen geht, sind Menschen im Spiel. Denn nur weil der Mensch die Tiere nutzte, entstanden über viele Generationen hinweg verschiedene Nutztierrassen. Die Ziege wurde im letzten Jahrhundert als Kuh des armen Mannes bezeichnet. Wie wertvoll ihre Dienste zur Wiederherstellung der Weidevegetation auf den Alpen sind und welchen Beitrag sie zur Entbuschung und zur Ausbreitung der Grünerle im Gebirge beizutragen imstande sind, das wurde sozusagen per Zufall entdeckt. Mittlerweile ist vielen bekannt, was für wertvolle Dienste Ziegen beispielsweise für die Biodiversität leisten. Aufgrund dieser Erkenntnis gewann in den letzten Jahren die Ziegenhaltung an Bedeutung und auch akut gefährdete Rassen wie die Stiefelgeiss konnten sich wieder auf einen erfreulichen Herdenbestand entwickeln. Noch sind aber nicht alle Rassen gerettet. Konsumenten haben zudem entdeckt, wie wertvoll Ziegenmilch ist, weil darin mehr kurz- und mittelkettige Fettsäuren vorhanden sind als in der Kuhmilch und sie deshalb besser verdaulich ist.

Impressionen vom Ziegen- und Bockmarkt 2025 in Sargans:

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