Schafe und Hitze: Warum Schatten und Wasser lebenswichtig sind

Hohe Temperaturen stellen eine Herausforderung für Schafe dar, da sie nicht schwitzen können und auf ausreichenden Schatten angewiesen sind. Mit einfachen, aber effektiven Massnahmen, wie einem mobilen Unterstand und regelmässiger Wasserversorgung, kann man für das Wohl seiner Tiere sorgen.

Dieser Baum bietet den Tieren zu wenig Schatten.

Schafe benötigen Schattenplätze, wenn sie an warmen oder heissen Tagen auf der Weide sind. Jacqueline Loepfe aus Eggersriet hält vier Schafe und ist Tierschutzbeauftragte in der Gemeinde. Sie erzählt, worauf sie achtet, dass die Schafe gut durch die Hitzetage kommen.

Kleine robuste Schafe mit Unterstand

Loepfe’s Schafe sind deutlich kleiner als die bei uns üblichen Weissen Alpenschafe. Es sind Schafe der Rasse Ouessant, auch Bretonisches Zwergschaf genannt. Der Name leitet sich vom Herkunftsort, der französischen Atlantikinsel Ile d´Ouessant ab. Loepfe hält sie, weil sie Freude an den Tieren hat und sie leicht zu halten sind. Sie dürfen das ganze Jahr über ins Freie und halten sich zusammen mit einer Hühnerschar auf einer Wiese um das Haus herum auf. Im Winter sind sie je nach Wetter auch im Stall, im Sommer holen sie sich das Futter auf der Weide. Es steht ihnen ein überdachter und auf drei Seiten geschlossener Unterstand aus Holz zur Verfügung. Um zu verhindern, dass der Boden bei Nässe morastig wird, hat Loepfe ihn mit Holzplatten auf Paletten ausgelegt.

Einfacher, aber zweckmässiger, mobiler Unterstand für Schafe. Er bietet nicht nur Schutz vor Sonne, sondern auch vor Wind und Regen. Bild: J. Loepfe

Schattenplätze sind ein Muss

Wenn Schafe auf der Weide eng beieinanderstehen oder liegen und dabei auch noch hecheln, ist dies ein Zeichen, dass es ihnen zu warm ist. Fehlen Schattenplätze, versuchen sie, in den Schatten des Nachbartieres zu kommen und drücken sich auf den kühlen Boden. Beim Stehen halten sie den Kopf nach unten. Da Schafe nicht schwitzen können, hecheln sie, um wenigstens etwas Wärme über die Atemwege loszuwerden. «Ab 25 Grad Celsius Lufttemperatur verbunden mit Sonneneinstrahlung müssen für Schafe auf tagsüber beweideten Flächen Schattenplätze vorhanden sein», steht es in der Kurzinformation «Haltung von Schafen». Das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St.Gallen verwendet es als Vollzugsgrundlage für den Tierschutz. Als Schattenspender dienen einerseits künstliche Unterstände, wie ein Dach über den Tieren, ein Viehwagen, ausreichend hoch aufgehängte Blachen etc. Wichtig ist, dass alle Tiere gleichzeitig Platz darunter finden. Im Minimum sind gemäss Tierschutzverordnung 0,5 Quadratmeter je ausgewachsenes Schaf vorgeschrieben. Es genügen aber auch natürliche Elemente, wie Bäume oder Sträucher. Diese sind allerdings im Winter nicht als Unterstand geeignet, da sie den Tieren keinen trockenen und windgeschützten Liegeplatz bieten, schränkt Loepfe ein.

Schafen muss immer sauberes Wasser zur Verfügung stehen.

Wasser muss immer vorhanden sein

So wichtig wie der Schatten ist das Wasser bei Hitze. «Schafe müssen mindestens zweimal täglich Zugang zu Wasser haben», verlangt die Tierschutzverordnung. Das gilt eher für Schafe, die auf Alpweiden gehalten werden. «Der zweimal tägliche Zugang zu Wasser kann bei grosser Hitze nicht ausreichen, so dass dann Wasser ständig anzubieten ist», führt die Fachinformation Tierschutz des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV aus. Solange die Schafe auf einer grünen Wiese sind und sie nicht gerade Milch für ihre Lämmer geben müssen, kann es sein, dass sie weniger Wasser trinken als man annehmen möchte. «Sie ziehen viel Wasser auf dem Gras», erklärt die Tierschutzbeauftragte. Doch Durst kann sich plötzlich einstellen und deshalb muss immer Wasser vorhanden sein, sonst werden die Tiere unruhig und leiden unter Wassermangel. Dass kein Wasser vorhanden sei, komme selten vor, aber dass das Wasser verschmutzt sei, müsse sie eher einmal monieren oder einen Schafhalter darauf aufmerksam machen, dass das Futter knapp werde. Ein wichtiger Faktor bei der Wärmeabgabe ist die Schafwolle. Sie bildet einen ausgezeichneten Schutz vor Kälte, aber im Sommer erschwert sie die Wärmeabgabe des Körpers. Werden die Schafe im Frühling geschoren, dann leiden sie weniger unter Hitze als, wenn sie in einem gut gefütterten Wollmantel herumlaufen müssen. Allerdings muss man aufpassen, dass man frisch geschorene Schafe nicht gleich voll der Sonne aussetzt, da sie leicht einen Sonnenbrand bekommen. Gemäss Tierschutzverordnung sind Schafe mindestens einmal pro Jahr zu scheren. Loepfe schert ihre Schafe sogar drei Mal im Jahr, da die Ouessant-Schafe ein starkes Wollwachstum haben.

Jacqueline Loepfe mit einem ihrer Ouessant-Schafe.

Tierschutzbeauftragte als Anlaufstelle für Tierschutzfragen

Zu den Aufgaben der Tierschutzbeauftragten gehört es, für das Wohl der Tiere zu sorgen, aber auch, der nicht landwirtschaftlichen Bevölkerung die Bedürfnisse der Tiere zu erklären. «Manchmal ist die Bevölkerung überfürsorglich», sagt sie. Zum Beispiel, wenn im Sommer ein Lamm im Freien und ohne Aufsicht geboren wird. «Was ist dabei falsch?», fragt Loepfe. Menschliche Vorstellungen und natürliches Verhalten der Tiere prallen aufeinander und es gilt aufzuklären. Auch brauche es nicht immer gleich eine Anzeige beim Veterinäramt. Loepfe fühlt sich als «Puffer zwischen Tierhalter und Veterinäramt». Ihre Telefonnummer ist auf der Homepage der Gemeinde zu finden. Nur, wenn es ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz ist, muss die Tierschutzbeauftragte den Fall an das Veterinäramt weiterziehen.

«Tiere richtig zu halten, ist gar nicht so schwierig», fasst Loepfe zusammen. Wer Tiere hält, muss nach ihnen schauen und darf sie nicht sich selbst überlassen. Doch auch der Konsument trägt Verantwortung für das Tierwohl. Man dürfe nicht nur Tierschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit einfordern, sondern müsse diese auch beim Einkaufen honorieren, das heisst, Fleisch und Milch aus einheimischer Produktion kaufen und nicht auf Billigprodukte ausweichen, bei deren Produktion kaum auf das Tierwohl geschaut wird.

 

Natürlicher oder künstlicher Witterungsschutz

«Haustiere dürfen nicht über längere Zeit extremer Witterung schutzlos ausgesetzt sein. Werden die Tiere unter solchen Bedingungen nicht eingestallt, so muss ein geeigneter natürlicher oder künstlicher Schutz zur Verfügung stehen, der allen Tieren gleichzeitig Platz und Schutz vor Nässe und Wind sowie starker Sonneneinstrahlung bietet…» mig.

Quelle: Art. 36 der Tierschutzverordnung

 

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