Wildbienen als wichtige Bestäuber fördern
Rund 75 Prozent der weltweit wichtigsten Nutzpflanzen profitieren von Insektenbestäubung, darunter Obst, Beeren, Raps und Gemüse. Ohne diese Leistungen würden die Erträge sinken und die Qualität der Produkte wäre schlechter. Wildbienen leisten dabei oft einen ebenso wichtigen Beitrag wie Honigbienen.

In manchen Kulturen leisten Wildbienen sogar einen grösseren Beitrag als Honigbienen, weil sie bei niedrigeren Temperaturen fliegen und unterschiedlich geformte Blüten besser anfliegen können. Doch es gibt Herausforderungen: Versiegelung durch Siedlungen und Strassen, herausgeputzte Hausgärten, intensive Landwirtschaft mit grossen, blütenarmen Flächen, fehlende Nistmöglichkeiten und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln setzen vielen Wildbienen zu. Ihre Vielfalt geht zurück, was nicht nur die Artenvielfalt gefährdet, sondern auch die Bestäubungsleistung in der Fläche schwächt.
Viele Arten leben allein (solitär) und nicht in grossen Völkern, wie die Honigbiene. Als bestäubende Insekten besuchen die Wildbienen Blüten, um Nektar und Pollen zu sammeln. Dabei übertragen sie Pollen zwischen den Blüten, ein entscheidender Schritt zur Bildung von Früchten und Samen. Ohne Bestäubung würden viele unserer Kulturpflanzen deutlich schlechter wachsen.
Porträts Wildbienenarten
Aus der grossen Anzahl von Wildbienen, es sind in der Schweiz über 600 verschiedene Arten, werden hier ein paar Beispiele präsentiert. Die Beispiele verdeutlichen die verschiedenen Ansprüche an Lebensraum, Nistmaterial, Nistmöglichkeit und Blütenangebot.
1. Die Häufige: Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta):
Gängige Bienenhotels sind oft von diesen Bienen bewohnt, denn sie bevorzugen Röhren mit einem Innendurchmesser von acht bis zehn Millimetern. Sie ist eine zuverlässige Bestäuberin von Obst.
- Merkmal: rot leuchtender Pelz am Hinterteil
- Lebensraum: Gärten, Parks, Waldränder, Siedlungen
- Nistplätze: Hohlräume (Löcher im Wandverputz, in Fensterrahmen, Schilf- oder Bambusröhrchen, Löcher in Steinen etc.), die mit Lehm verschlossen werden
- Nahrung: diverse Frühblüher
- Jahreszeit: März, April, Mai
2. Die Schöne: Pracht-Trauerbiene (Melecta luctuosa):
Unter den Wildbienen gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Formen und Farben. Besonders schön ist die Pracht-Trauerbiene, die schwarz-weiss ist.
- Merkmal: schwarz mit weissen Punkten
- Lebensraum: Weinberge, Sand-, Lehm- und Kiesgruben, Waldränder
- Nistplätze: in der Erde
- Nahrung: verschiedene Pflanzenarten
- Jahreszeit: Ende April bis Ende Juni
3. Die Soziale: Blauschillernde Sandbiene (Andrena agilissima):
Die meisten einheimischen Wildbienen leben allein, also solitär. Eine Ausnahme ist die Blauschillernde Sandbiene, die kommunal lebt. Sie lebt mit zwei oder mehr Weibchen derselben Generation in einem Nest zusammen. Im Nest hat jedes Weibchen seine eigenen Brutzellen und versorgt diese mit Nahrung.
- Merkmal: schwarz-blau mit weissen Haarflecken
- Lebensraum: Sand-, Kies- und Lehmgruben, Weinberge, Flussufer, Siedlungen (z.B. Gemäuer)
- Nistplätze: in der Erde
- Nahrung: Kreuzblütler
- Jahreszeit: Mitte April bis Juli
4. Die Schmarotzerin: Felsen-Kuckuckshummel (Bombus rupestris):
Unter den Wildbienen gibt es einige, die keine eigenen Nester bauen und auch keine Nahrung sammeln. Sie bedienen sich einfach bei anderen. Bombus rupestris schmarotzt bei der Steinhummel; sie legt ihre Eier in ein fremdes Nest und lässt ihre Nachkommen von den Eigentümern des Nests füttern. Diese parasitischen Bienen nennt man auch Kuckuksbienen.
- Merkmal: ähnelt der Königin der Steinhummel
- Lebensraum: extensiv genutzte Wiesen, Halbtrockenrasen, Weiden, manchmal auch in naturnahen Gärten
- Nistplätze: im Nest der Steinhummel
- Nahrung: unter anderem Löwenzahn, Knautien, Disteln, Flockenblumen, Skabiosen
- Jahreszeit: überwinterte Weibchen: Mitte April – Juni; Jungweibchen: Mitte Juli – Ende August
5. Die Künstlerin: Schwarzbauchige Blattschneiderbiene (Megachile nigriventris):
Unter den Wildbienen gibt es wahre Künstlerinnen. Mit Mundwerkzeugen schneiden die Blattschneiderbienen längliche runde Stückchen aus Blättern. Diese Blattteilchen werden transportiert und im morschen Holz werden daraus die Brutzellen gebaut. Eine Vertreterin dieser künstlerischen Blattschneiderbienen ist die Schwarzbauchige Blattschneiderbiene.
- Merkmal: Bauchbürste schwarz behaart
- Lebensraum: Waldränder und -lichtungen, Steinbrüche, Dorf- und Stadtränder, sofern Totholz vorhanden ist
- Nistplätze: Morschholz (nagen selbst Gänge ins weiche, morsche Holz)
- Nahrung: Schmetterlingsblütler
- Jahreszeit: Mai bis August
Eine bienenfreundliche Landwirtschaft schafft mehr strukturreiche Lebensräume und ein kontinuierliches Blütenangebot über die Saison, etwa durch Ackerbegleitflora, blühende Untersaaten, mehrjährige Blühstreifen oder blühende Brachen. Diese Massnahmen bieten Nahrung und Unterschlupf, verkürzen «Trachtlücken» und fördern stabile Wildbienenpopulationen.
Kurz gesagt: Gesunde Wildbienenbestände bedeuten stabile Erträge, bessere Qualität und mehr Biodiversität – ein Gewinn für Hof und Landschaft. Wichtig sind zudem sogenannte Sandlinsen und offene Bodenstellen: Rund die Hälfte der Wildbienen nistet im Boden und ist auf vegetationsarme, gut besonnte Flächen mit lockerem, grabfähigem Substrat angewiesen. Werden solche Kleinstrukturen gezielt angelegt oder erhalten, entstehen wertvolle Nistplätze direkt in der Kulturlandschaft. Eine einfache Massnahme mit grosser Wirkung für stabile Bestäuberpopulationen.





