Unterkünfte für wilde Bienen und Insekten
Wildbienen und Insekten haben es Beat Kaufmann angetan. So sehr, dass er für sie fantasievolle Hotels aus natürlichen Materialien baut. Er schafft damit Lebensräume vor allem für Wildbienen, die immer weniger geeignete Flächen für die Aufzucht ihrer Nachkommen finden. Rund die Hälfte aller Wildbienenarten in der Schweiz ist vom Aussterben bedroht.

Beat Kaufmann und Ehefrau Elisabeth Frehner haben einen grünen Daumen: In ihrem Wittenbacher Garten spriessen Gräser und Sträucher, blühen Wildblumen und Kakteen – eine Oase für Insekten und vor allem genug Nahrung für Wildbienen. Im Garten gibt es auch drei Insektenhotels, ein grösseres ist etwas versteckt hinter einem grossen Baum, zwei andere sind gut sichtbar an einem Gitterzaun und einer Hauswand befestigt. Die Wildbienen und Insekten finden ihre Unterkünfte. «Ein Insektenhotel bietet Nist-, Schlaf- und Schutzmöglichkeiten für Wildbienen und andere fliegende Insekten», erklärt Beat Kaufmann. Die Wildbienen seien für die biologische Schädlingsbekämpfung sowie für die Bestäubung von Bäumen und Pflanzen zuständig. Die meisten Menschen denken bei Bienen an Honig und damit an die Honigbiene. Nebst der Honigbiene gibt es indes allein in der Schweiz noch über 600 andere Bienenarten, die keinen Honig produzieren. Kaufmann weiss wovon er spricht, er beobachtet die summenden Tiere oft und gerne und baut die Hotels – oder passender gesagt Nisthilfen – selber. Denn Insektenhotels bauen ist sein grosses Hobby. «Viele im Handel angebotenen Hotels sind fantasielos eingerichtet», sagt Kaufmann. Dies habe ihn angespornt, seine eigenen Insektenhotels zu bauen. Er habe immer wieder neue Ideen und Materialien.

Die Königin der Nacht
Der 51-jährige Wittenbacher hält sich gerne in der Natur auf. Nicht nur auf Wiesen und in Gärten in der Nähe von Wildbienen und Insekten, sondern auch am Wasser. Er hat ein eigenes Boot am Bodensee, das er zum Fischen und Baden benützt. Er zeigt seine Angelausrüstung: Es sind verschiedene Fischerruten und in einer kleinen Schachtel bewahrt er entsprechende Köder auf. Für Felchen, Forellen, Hechte, Sandfelchen, Saiblinge oder Barsche. Er hat schon Kiloweise Egli gefangen, mehrere Felchen nach Hause gebracht und sogar einen Zander aus dem Bodensee gefischt. Zander waren ursprünglich nicht im Bodensee heimisch. Das Einfamilienhaus in Wittenbach ist aber nicht mit Fischtrophäen dekoriert, sondern mit vielen blühenden Orchideen und Kakteen geschmückt. Auf einen Kaktus ist er besonders stolz: Auf die «Die Königin der Nacht». Sie ist eine besondere Kakteenart: Alljährlich produziert dieser unscheinbare Kaktus mehrere Blütenknospen. Die riesigen Blüten öffnen sich jeweils nur für eine einzige Nacht.

Unterschiedliche Bedürfnisse
Mehr als eine einzige Nacht beherbergt der Insekten-Liebhaber seine Gäste in den Hotels. Ein Insektenhotel bietet summenden und krabbelnden Insekten einen geschützten Brut- und Wohnplatz. Möglich wird das durch die Befüllung der einzelnen «Räume» mit unterschiedlichen Naturmaterialien wie beispielsweise Stroh, angebohrten Rundhölzern, Baumbus-Röhrchen, Tannenzapfen, Pflanzenstängel und Holzwolle. Dabei zieht jedes Material eine andere Insektenart mit individuellen Bedürfnissen an: Marienkäfer, Schmetterlinge, Ohrenschlüpfer und eben Wildbienen. «Mich fasziniert, dass es bezüglich Grösse, Materialien und Varianten der Hotels keine Grenzen gibt. Es ist für mich Erholung, Neues mit Bewährtem zu verknüpfen. Holz, mit Bambusrohren gefüllte Konservendosen sind geniale Baustoffe», sagt Kaufmann. So bevorzugen Wildbienen Bambusrohre oder gebohrte Löcher in Hölzern. Dabei sei der Winkel (wegen Staunässe), die Länge des Bambusrohrs (Schutz der Kokons vor Spechten) und die Raumaufteilung zu beachten. «Alles, was ich hier verbaut habe, habe ich in der Natur gefunden», sagt der Insektenhotel-Erbauer und zeigt auf das Gitter vor dem Stroh: «Damit der Specht die Holzwolle, das Stroh oder die Bambusrohre nicht ausräumt.» Nicht nur die Innenausstattung der Hotels ist fantasievoll, auch das Hotel selber: Das eine hat ein Giebeldach, das andere ein Flachdach mit einer Baumrinde. Die Hüllen seien ebenfalls aus gebrauchtem Holz.

Keine direkte Sonneneinstrahlung
Vor acht Jahren hat Kaufmann mit dem Bau von Insektenhotels begonnen und sich Wissen rund um die Wildbienen und Insekten angeeignet. Nicht nur die Gestaltung eines Insektenhotels ist wichtig, zentral ist auch der Standort, damit die Tiere die Hotels auch anfliegen. «Die unmittelbare Anflugschneise, Süd-Südost für Insekten sollte nicht durch dichte Büsche oder grosse Bäume behindert sein», erklärt Kaufmann. Dann sollte die Rückwand an der Wetterseite liegen. Das Hotel sollte mindestens einen Meter über dem Boden montiert sein; an bestehenden Wänden oder mit einer freistehenden Holzkonstruktion. «Auch muss das Klima analysiert werden. Denn eine direkte Sonnenbestrahlung über mehrere Stunden erzeugt im Hotelinnern eine zu hohe Temperatur.» Ob ein Insektenhotel von Bienen, Schwebefliegen, Marienkäfern und anderen Insekten angenommen werde, hänge von der unmittelbaren Umgebung ab. Im Umfeld des Hotels müssten die Lebewesen alles zum Überleben vorfinden. «Wenn das Hotel nicht gleich von Wildbienen angeflogen wird, empfehle ich, Geduld zu haben», sagt Kaufmann. Der Standort sollte erst nach etwa zwei Jahren gewechselt werden.

«Ich bin gerne handwerklich tätig», sagt der Wittenbacher. Das sei für ihn Erholung und Ausgleich zum Beruf. Er hat Elektromonteur gelernt. Mit gut 39 Jahren hat er seinen Beruf über Bord geworfen und die Ausbildung zum Fachangestellten Gesundheit absolviert. Das war vor elf Jahren. Heute ist er zufrieden mit seinem Leben. «Ich bin seit 18 Jahren glücklich verheiratet, habe einen 15-jährigen Sohn und eine Freizeitbeschäftigung, mit der ich etwas Gutes für die Natur machen kann.» Kaufmann hat nicht nur ein Herz für summende und fliegende Tierchen, sondern auch für gackernde Zweibeiner: Im Garten hausen fünf Hühner, die überaus anhänglich sind und täglich frische Eier liefern.
Beat Kaufmann baut, revidiert, montiert und bietet Beratungen rund um Wildbienen- und Insektenhotels an:
071 222 50 78, 079 393 96 20
