Wattwiler Stierenschau: Treffpunkt für Züchter und Fans
Die traditionelle Stierenschau in der Wattwiler Markthalle vom 18. September 2025 läutete die jährliche Viehschausaison ein. Spannung beim Rangieren der Tiere und Gemütlichkeit in der gut funktionierenden Festwirtschaft waren angesagt.

Die Ausstellungstiere waren rechtzeitig aufzuführen. Denn pünktlich um zehn Uhr wurde mit der Rangierung begonnen, und diese verlief zügig. Die Besucher nahmen es nicht so genau und trafen erst später ein. Allerdings verhinderte das herrliche Spätsommerwetter den üblichen Grossaufmarsch der vergangenen Jahre. Das Organisationskomitee mit dem Präsidenten Johannes Näf freute sich trotzdem über das vielseitige Interesse. «Die Stierenschauen sind der Startschuss der Rindviehausstellungen im kommenden Winterhalbjahr. Für Züchter sind sie eine ideale Plattform, um sich zum Stand der aktuellen Genetik zu informieren.»
Eine Woche nach Zuger Markt
Die Stierenschau in Wattwil findet jeweils eine Woche nach dem grössten Schweizer Stierenmarkt in Zug statt. Dort hatten Aktivisten dem Organisationskomitee während der Ausstellung mit einer Anzeige wegen Tierquälerei gedroht. Die angebundenen Tiere hätten unter qualvollen Zuständen gelitten und der Stierenmarkt sollte in dieser Form verboten werden. Die Zuger Staatsanwaltschaft wies die Anzeige aber als formell ungültig zurück. In der Wattwiler Markthalle hinterliessen die aufgeführten Stiere bei den Besuchern aber nicht den Eindruck von unhaltbaren Zuständen. Zufriedenheit war Trumpf. Die Tiere genossen die grosszügigen Platzverhältnisse und liessen sich von den Ausstellern in aller Ruhe vorführen.
Straffe Rangierung
Die drei Experten Martin Hochreutener, Robert Bodenmann und Walter Rhyner rangierten und punktierten die 77 anwesenden Stiere. «Leider sind heuer zehn Tiere weniger anwesend als im vergangenen Jahr. Nicht dass es auf den Zuchtbetrieben weniger Stiere hätte. Manchen Stierenhaltern ist der Aufwand wohl einfach zu gross», begründete Johannes Näf die reduzierte Auffuhr. Experte Martin Hochreutener, Landwirt aus Untereggen, ist selbst Stierenhalter und zum ersten Mal in Wattwil im Einsatz. Er und seine Kameraden rangierten die 22 Abteilungen in flüssigem Tempo. Jede Rangierung wurde in kurzen Sätzen begründet. Nachfolgend wurden die Tiere punktiert. Den Vorführenden wurden dabei Vorzüge und Mängel ihrer Tiere erklärt. «Da ist man vielleicht nicht immer einverstanden. Aber die Tagesform eines Stiers hat sehr wohl Einfluss auf das Exterieur und so kann es mit der Punktierung manchmal besser oder schlechter herauskommen als erwartet», meinte ein routinierter Stierenzüchter.

Gute Fruchtbarkeitsresultate
Die anwesenden Stierenhalter genossen die Schau. Zusammensitzen, diskutieren über Vergangenes und die Zukunft und über die Vorzüge oder Nachteile des eigenen Stiers. Zum ersten Mal waren an der Wattwiler Stierenschau Original-Braunvieh-Stiere in der Überzahl gegenüber der Rasse Brown Swiss. Nicht wenige Züchter kehren zurück zur ursprünglichen Rasse im Schweizer Braunvieh. Jakob Schoch aus Sevelen ist schon ein langjähriger Original-Braunvieh-Züchter. Momentan halte er vier Stiere, zwei davon waren in Wattwil präsent. Die Nachfrage nach überzeugenden Stieren sei gut und motiviere zur Stierenzucht. «Man muss dabei möglichst oft frisches Blut einsetzen, damit eine breite Auswahl von Stieren verfügbar ist.» Auch Marcel Artho aus Walde ist ein überzeugter Stierenhalter der Rasse Original Braunvieh. «Ich habe mehrheitlich gute Erfahrung gemacht mit einem eigenen Stier im Stall und freue mich an der guten Qualität der Original-Braunvieh-Rasse.» Die Betriebsgemeinschaft Götte aus Wildhaus hält Brown-Swiss-Stiere. «Unsere Alpkühe sollen nicht zu gross sein. Dies kann ich mit einem eigenen Stier beeinflussen und wir sind natürlich auch froh, dass die Fruchtbarkeit in der Herde mit einem Stier in der Regel äusserst gut ist.»

Mister-Wahlen aller Abteilungen
Nach dem Mittagessen wurden die Lose des Wettbewerbs gezogen. Die ansehnlichen Preise wurden von verschiedenen Sponsoren gespendet. Diesen dankte OK-Präsident Johannes Näf und schloss dabei seine Kollegen des Organisationskomitees und die drei Experten ein. «Ein grosser Dank gehört ebenfalls Eveline Atzmüller und Jörg Wittenwiler für die bürolistische Unterstützung. Einschliessen möchte ich da alle Aussteller, die Besucher und die Zuständigen der Markthalle Wattwil.» Alle Erstrangierten der Abteilungen Original Braunvieh strömten nun in den Ring. Sandro Scherrer aus Dietfurt mit Zoggel Zenor und Martin Schrepfer aus dem zürcherischen Wald mit dem unverwüstlichen, schon bald achtjährigen Valido Einar holten sich die schönen Siegertrophäen. Bei den Brown-Swiss-Abteilungen gewann Raphael Ott aus Dreien mit Cech Cibo bei den Jüngeren, OK-Mitglied Reto Brander aus Krummenau mit Amir Beno bei den Älteren. «Dieser herrliche Stier überzeugt rundum, aber seine Grösse bewegt sich am obersten Limit», kommentierte der Experte. Die Preise und Flots wurden von der engagierten Ehrendame Alisa Oppliger mit viel Charme überreicht: «Mir gefällt es hier. Man kennt viele Leute und es ist einfach gemütlich.»

