Phosphormangel bei Kühen: Anzeichen und Gegenmassnahmen
Phosphormangel zeigt sich nicht nur durch ein struppiges Fell oder sinkende Milchleistung – auch Fruchtbarkeitsprobleme und eine verminderte Futterverwertung können die Folge sein. Ohne eine ausgewogene Versorgung gerät der Stoffwechsel der Tiere ins Ungleichgewicht. Mit gezielten Massnahmen und regelmässigen Futteranalysen lassen sich Leistungseinbussen vermeiden und die Gesundheit der Herde langfristig sichern.
Das Element Phosphor hat im Stoffwechsel der Kuh eine zentrale Bedeutung, denn es beeinflusst eine Vielzahl von biologischen Funktionen. Es wird für die Mineralisierung der Knochen sowie für die Energieübertragung im Stoffwechsel benötigt. Zudem haben Pansenbakterien einen eigenen Phosphorbedarf. Die Deckung dessen beeinflusst sowohl die Futteraufnahme als auch die Versorgung der Kuh mit mikrobiellen Proteinen.
Wie Phosphor im Stoffwechsel wirkt
Der grösste Teil des Phosphors wird im Dünndarm aufgenommen. Die Aufnahme des Phosphors ist unter anderem auch abhängig vom Angebot anderer Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Mangan, Kalium, Eisen oder Aluminium. Liegen hohe Mengen der genannten Mineralstoffe vor, so können unlösliche Phosphate gebildet werden. Dies kann dann zu einem Phosphormangel führen. Absorbierter Phosphor wird im Körper für das eigene Wachstum oder das Wachstum eines Fötus gespeichert, oder mit der Milch ausgeschieden. Überschüssiger Phosphor wird vorwiegend über den Kot ausgeschieden.
Phosphorbedarf der Pansenbakterien
Pansenbakterien benötigen beträchtliche Mengen an Phosphor für die Rohfaserverdauung sowie die mikrobielle Synthese. Eine Phosphor-Unterversorgung der Pansenbakterien führt zu einer geringeren Futteraufnahme der Kuh und kann dadurch zu einer Unterversorgung an Energie und Protein führen. Was wiederum Auswirkungen auf die Gehalte der Milch hat. Die im Pansen verfügbare Menge Phosphor wird durch den Gehalt an löslichem Phosphor im Speichel, den pflanzlichen Futtermitteln und dem Mineralstoff bestimmt. Die Pansen-verfügbare Menge Phosphor kann durch wasserlösliche Phosphate im Mineralstoff erhöht werden. Mineralstoffe mit wasserlöslichem Phosphor verbessern so indirekt die Futterverwertung.
Phosphorbedarf und Versorgung der Kuh
Eine ungenügende Phosphorversorgung kommt vor allem bei Hochleistungskühen in den ersten Laktationswochen vor. Wenn zudem die Phosphorgehalte der Ration nur auf eine mittlere Milchleistung abgestimmt ist, so wird das Problem verstärkt. Die Blut-Phosphor-Konzentration sowie die Phosphor-Vorräte nehmen ab, da über die Milch konstant dieselbe Menge Phosphor verloren geht. Auch bei Mutterkuhherden kann es zu Phosphormängeln kommen, wenn die Weideflächen wie auch die Kühe nicht mit mineralischem Phosphor versorgt werden. Hält eine ungenügende Phosphor-Versorgungssituation länger an, so folgen oftmals Leistungseinbussen und auch die Fruchtbarkeit wird merklich beeinträchtigt. Zudem ist der Mangel dem Fell anzusehen, welches struppig wird. Eine längerfristige Verabreichung von Phosphor-Überschüssen ist ebenfalls nicht zielführend. Dies kann zu Problemen im Kalziumstoffwechsel sowie zur Bildung von Harnsteinen führen.
Richtige Ergänzung und Analyse von Phosphor
Die Phosphorgehalte von Grasfuttermitteln schwanken je nach botanischer Zusammensetzung und Düngung stark. Daher lohnt es sich, alle zwei bis drei Jahre eine Futteranalyse in Bezug auf die Mineralstoffe der Grasfuttermittel zu machen. Bei Maisfuttermitteln sind die Gehalte konstanter. Anhand der Grundration kann dann abgeschätzt werden, wie viel Phosphor ergänzt werden muss. Die Ergänzung erfolgt bestenfalls unabhängig von Kraftfutter, damit die Tiere individuell nach Leistung und Laktationsstadium mineralisch richtig versorgt werden können. Denn die Mineralstoffgehalte im Kraftfutter decken meist nur den mineralischen Bedarf für die daraus produzierbare Milch. Fast immer muss jedoch mehr ausgeglichen werden.
*Maya Schmid arbeitete als Verkaufsleiterin bei Multiforsa
Dieser Artikel erschien im Jahr 2021 in der gedruckten Ausgabe des «St.Galler Bauer». Er hat an seiner Aktualität nicht verloren.
