Nest Asiatischer Hornissen vernichtet

In Ossingen ist auf einer Fichte auf einer Höhe von rund 25 Metern ein grosses Nest der Asiatischen Hornisse gefunden und bereits vernichtet worden.

Das Nest in einer Fichtenkrone auf einer Höhe von 25 Metern war nur schwer auszumachen.
Das Nest in einer Fichtenkrone auf einer Höhe von 25 Metern war nur schwer auszumachen.

Seit August gab es immer wieder Meldungen, dass in Kleinandelfingen und Umgebung die für viele Insekten, vor allem für Bienen, gefährliche Asiatische Hornisse gesichtet worden sei. Dieser unerwünschte und für die einheimische Insektenwelt gefährliche Räuber wurde 2004 erstmals in Europa festgestellt. 2024 konnte er bereits in 14 Kantonen nachgewiesen werden. Im laufenden Jahr gab es auch immer mehr Meldungen im Zürcher Weinland. Wird die Asiatische Hornisse gesichtet, weiss man jedoch noch lange nicht, wo sich das Nest mit der grossen Brut der unerwünschten und gefährlichen Eindringlinge befindet.

Ausgeklügelte Brutstrategie

Die aus dem Fernen Osten aus der Region Afghanistan und Ostchina als Neozoen eingeschleppte Asiatische Hornisse baut im Frühjahr ihre Primärnester gut geschützt in der Nähe von Häusern. Dabei erweist sich die Königin zusammen mit dem wachsenden Volk als beste Baumeisterin. Die bereits befruchtete Königin zieht sich zur Überwinterung allein in ein gut geschütztes Versteck zurück. Sobald es im Frühling die Temperaturen erlauben, startet sie mit dem Bau des Primärnestes und zieht die ersten Arbeiterinnen auf. Mit der steigenden Zahl der schlüpfenden Arbeiterinnen konzentriert sich die Königin auf das Brutgeschäft. Die Sekundärnester folgen mit dem Ausschwärmen der Königinnen im Sommer und Herbst, wobei diese in der Regel in luftiger Höhe in Baumkronen angelegt werden. Dann entwickelt sich die Kolonie weiter und das Volk beginnt mit der gezielten Aufzucht der Jungköniginnen. So kann ein Volk im Herbst mehr als 8000 Hornissen enthalten und ist somit dreimal grösser als jenes der einheimischen Hornissen. Am Ende verlassen rund 350 bereits begattete Königinnen das Nest, während die zurückbleibenden Arbeiterinnen den Winter nicht überleben. Die Asiatische Hornisse ist für die gesamte einheimische Insektenwelt eine grosse Bedrohung. Honig- und Wildbienen, aber auch andere Insekten stehen auf ihrem Speiseplan. Den Zucker für die eigene Ernährung findet die adulte Hornisse in Form von Nektar, Honigtau oder in reifen Früchten. Das Protein hingegen benötigt sie für die Fütterung der Aufzucht. Das bevorzugte Fangen von Bienen führt dazu, dass sie ihrer Beute vor den Bienenstöcken auflauert. In der Folge fliegen die Bienen nicht mehr aus, um die für sie überlebenswichtigen Wintervorräte anzulegen.

In jeder der in Ossingen aufgebrochenen Wabenzellen befand sich eine Brut, wobei die Zahl der Königinnen äusserst gross ist.
In jeder der in Ossingen aufgebrochenen Wabenzellen befand sich eine Brut, wobei die Zahl der Königinnen äusserst gross ist.

Nest in luftiger Höhe

Der Nesteingang der Asiatischen Hornisse wird, anders als bei den einheimischen Hornissen nicht unten, sondern seitlich am birnenförmigen Nest anlegt. Trotz ihrer beachtlichen Grösse mit einem Durchmesser von bis zu 60 Zentimetern und einer Höhe von bis zu 80 Zentimetern sind die Nester der Neozoen nicht einfach ohne zusätzliche Hilfe zu finden.

Für das Auffinden des Nestes im Raum Kleinandelfingen nutzte man das natürliche Verhalten der Asiatischen Hornisse, wie der Oerlinger Imker Hansruedi Heydecker ausführte. Nachdem sich die Meldungen von Asiatischen Hornissen vor allem in Kleinandelfingen gehäuft hatten, wurden in diesem Raum Lockstofffallen mit einer für die Hornissen nahrhaften Lösung mit entsprechenden Informationsflyern aufgestellt. Die Arbeiterinnen aus dem Hornissennest nehmen dieses Futter auf und tragen es auf dem direktesten Weg in ihre Nester, um die Brut zu füttern. Danach kehren sie wieder zurück, um weitere Nahrung aufzunehmen. «Wir haben hier auch auf die Mithilfe und Unterstützung der Bevölkerung gesetzt, die uns immer wieder Sichtungen gemeldet hatte», zeigte sich Imker Heydecker erfreut. In der Folge wurden einzelne Hornissen markiert und man stellte fest, dass sie nach rund acht Minuten wieder zum Lockstoff zurückkehren. «Wir wussten dann, dass das mögliche Nest in rund 800 Metern Entfernung liegen müsste», sagte Heydecker. Dank intensiver Beobachtung konnte ein möglicher Standort ungefähr bestimmt werden. Die Hornissenjäger wussten, dass die Asiatische Hornisse ihre Nester eher am Waldrand anlegt. In der Folge konnte die Imkerin Ursi Läderach das Nest dann eher zufällig zwischen Ossingen und Kleinandelfingen auf einer Fichte in einer Höhe von rund 25 Metern ausfindig machen.

Professionelle Bekämpfung

Danach wurde der Jagdaufseher und Jäger Michael Moser beigezogen, welcher das erspähte Gebilde mithilfe seiner Drohne als Nest der Asiatischen Hornisse identifizieren konnte. Wird die Umgebung der Nester gestört, so reagieren die Asiatischen Hornissen mit einer massiven Verteidigung. «Beim Anflug der Drohne griffen die Hornissen diese energisch an. Dies zeigt ihre Gefährlichkeit, wenn sie bedroht werden», erklärte Heydecker. Um das Nest samt Inhalt unschädlich zu machen, wurden im Rahmen der Vorgaben des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) die notwendigen Massnahmen für die Vernichtung des Nestes eingeleitet. Dafür wurden die auf diese Aufgabe spezialisierten Kammerjäger von Plagex aus Horgen aufgeboten. Vor Ort kümmerten sich Marcel Studerus und Beat Streuli um diesen nicht einfachen Fall. Mit einer entsprechend langen Lanze wurde in das Nest ein Biozid eingespritzt, um die darin lebenden Hornissen und die Brut zu vernichten. Dabei kam erneut die Drohne zum Einsatz, die mit ihren laufenden Aufnahmen die Arbeit der beiden Kammerjäger am Nest auf dieser Höhe erleichterte. In einem zweiten Schritt wurden zwei Drittel des Nestes abgetrennt. Damit wurde sichergestellt, dass die zurückkehrenden Hornissen ihr Nest noch vorfinden und ebenfalls sterben würden. «In Kronen von Fichten mit ihren vielen eng ansitzenden Ästen ist die Bekämpfung im Gegensatz zu Laubbäumen sehr schwierig», erklärte Streuli.

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