Wie Lichtverschmutzung Fledermäuse vertreibt

Licht erleichtert den Menschen den Weg, stört aber nachtaktive Tiere. Die zunehmende Lichtverschmutzung schränkt ihren Lebensraum ein und beeinflusst ihr Verhalten. Am Massnahmenzentrum Kalchrain zeigt ein Beispiel, wie sich das Problem entschärfen lässt.

Hier eine Leuchtreklame, dort eine Dekoleuchte: In unserer Gegend sind die Nächte nur noch äusserst selten schwarz. «Die Lichtverschmutzung macht Fledermäusen und anderen nachtaktiven Tieren das Leben schwer», sagte Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft des Amts für Raumentwicklung, am vergangenen Donnerstagabend im Rahmen einer Sommermedienfahrt. Treffpunkt war das Massnahmenzentrum Kalchrain in Hüttwilen. Auf dem Areal der Institution leben verschiedene Fledermausarten, beispielsweise solche der Gattung Langohrfledermäuse. Die Braunen Langohren (Plecotus auritus) ziehen in den Balkenzwischenräumen der Remise ihre Jungen auf. Ihr nächster Jagdlebensraum ist der angrenzende Obstgarten. «Um diesen zu erreichen, müssen sie allerdings einen Platz überqueren, der mit Kugelleuchten beleuchtet wird», sagte Andrea Brandes, Projektleiterin in der Abteilung Natur und Landschaft. Kugelleuchten seien bezüglich Lichtverschmutzung besonders problematisch, denn sie leuchten unspezifisch, sprich: Sie streuen das Licht rundherum und somit auch nach oben. «So werden die Fledermäuse während des Jagens angeleuchtet und dadurch gestört.»

Matthias Künzler und Andrea Brandes mit einem Präparat einer Langohrfledermaus. Bild: zVg.
Matthias Künzler und Andrea Brandes mit einem Präparat einer Langohrfledermaus.

Konkret hat das zur Folge, dass die Tiere erst später aus ihren Verstecken kommen können, einen Umweg machen müssen oder einzelne Gebiete gar nicht mehr nutzen. «Dadurch haben sie einerseits weniger Möglichkeiten, nach Nahrung zu suchen, andererseits brauchen sie aber mehr Energie für die Umwege oder um die längeren Wartezeiten zu überbrücken», erklärte Brandes.

Im Falle der Kugelleuchten auf dem Areal des Massnahmenzentrums Kalchrain konnte eine einfache Massnahme Abhilfe schaffen. «Zwei Leuchten innerhalb des direkten Flugwegs der Fledermäuse wurden oben mit einer lichtdichten Farbe abgedunkelt», sagte sie, «dadurch konnte den Fledermäusen der Weg zu ihrer Futterquelle kurzfristig erleichtert werden.» Langfristig sei geplant, die gesamte Aussenbeleuchtung im Jahr 2027 mit emissionsärmeren Leuchtentypen zu ersetzen. «Mit der kleinen Anpassung in Kalchrain schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Einerseits verbessern wir die Situation für die Fledermäuse vor Ort, andererseits kann der Kanton mit gutem Beispiel vorangehen», sagte Künzler.

Fünf Punkte gegen Lichtverschmutzung

Jede und jeder kann etwas gegen Lichtverschmutzung und damit für nachtaktive Tiere tun. Das Amt für Raumentwicklung hat einen Fünf-Punkte-Plan erarbeitet.

1. Nur beleuchten, was beleuchtet werden muss

2. Nur so hell beleuchten, wie nötig

3. Die richtige Lichtfarbe wählen (Warmweiss statt Blauweiss)

4. Nötige Bereiche präzise ausgerichtet beleuchten

5. Nur so lange beleuchten, wie nötig

Nähere Informationen sind online auf einem Flyer des Kantons zu finden.

*Amt für Raumentwicklung des Kantons Thurgau

Das könnte Sie auch interessieren

stgallerbauer.ch Newsletter
Seien Sie die Ersten, um neueste Updates und exklusive Inhalte direkt in Ihren E-Mail-Posteingang zu erhalten.
Anmelden
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link