Kleintierrasse des Jahres 2026: Die seltene Eichbühler Taube

Eine Taubenrasse, die sich bis auf einen einzelnen Hof zurückverfolgen lässt: Der Eichbühler aus dem bernischen Auswil gilt als eine der ursprünglichsten Schweizer Tauben. Anspruchslos, freilebend und heute stark bedroht, erzählt er ein seltenes Stück Kultur- und Landwirtschaftsgeschichte.

Tauben sind lebende Beweise menschlicher Kultur. Diesbezüglich macht auch der Eichbühler, eine von 26 Schweizer Taubenrassen, keine Ausnahme. Trotzdem hat er eine einmalige Sonderstellung. Bei ihm lässt sich nämlich nicht nur die Region festlegen, sondern sogar ein einzelner Hof. Der Hof Eichbüel liegt im oberaargauischen Auswil im Kanton Bern.

Angepasst und anspruchslos

Weshalb sich gerade auf einem Bauernhof vor mehr als 200 Jahren eine solche Rasse entwickeln konnte, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schweizer Taubenrassen ist der Eichbühler bäuerlichen Ursprungs.

Die kräftige Eichbühler Taube ist in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Bild: zVg.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Eichbühler eine Kombination von Brieftauben und Feldflüchtern. Auf dem Hof Eichbühl hat er dazu offenbar die idealen Voraussetzungen gefunden. Denn wie zur damaligen Zeit üblich, mussten die Tauben sich ihr Futter selbst suchen (Feldflüchter). Eine Zufütterung war lediglich in Ausnahmefällen angedacht. Unter solchen Haltungsbedingungen konnten sich nur Tauben durchsetzen, die absolut anspruchslos waren.

Eine der ursprünglichsten Rassen überhaupt

Die Eichbühler gingen den Menschen aus dem Weg und haben dennoch den angebotenen Taubenschlag angenommen. Mit diesem Verhalten gehörten und gehören die Eichbühler zu den ursprünglichsten Rassen überhaupt. Denn genau wie ihre Ahnen, die Felsentauben (Columba livia), zeigen sie das Besondere in der Domestikation von Tauben. Man kann sie in völliger Freiheit halten und dennoch schliessen sie sich dem Menschen an. Darin unterscheiden sich Tauben von allen anderen Haustieren.

Bild aus dem Buch «Enten, Gänse und Tauben» von Julius Bloch erschienen im Jahr 1909 bei Wirz, Aarau. Bild: zVg.

Bis zum heutigen Tag hat sich der Eichbühler vom Aussehen her kaum verändert. Die besseren Fütterungsbedingungen haben ihn im Körper kräftiger werden lassen. Dennoch ist er weiterhin ein sehr guter Flieger.

Vom Aussterben bedroht

Der Eichbühler ist mit dem Rückgang der Taubenzucht in der Schweiz eher selten geworden. An der letzten Nationalen Taubenausstellung 2025 haben nur drei Züchter Eichbühler-Tauben ausgestellt. Somit gehören sie auf die rote Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen.

*Kleintiere Schweiz

Das könnte Sie auch interessieren

stgallerbauer.ch Newsletter
Seien Sie die Ersten, um neueste Updates und exklusive Inhalte direkt in Ihren E-Mail-Posteingang zu erhalten.
Anmelden
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link