Wie sieht gute Eselhaltung aus?

Sie sind die stillen Helfer des Samichlaus. Die einfachen Tiere brauchen aber mehr als man denkt: Richtige Fütterung, trockene Haltungsbedingungen und fachkundige Pflege verhindern Leid und Krankheiten. Die Eselmüller-Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, die Haltung von Eseln zu verbessern und vernachlässigten Tieren zu helfen.

Die Haltung von Eseln ist nicht zu unterschätzen. Bild: Pixabay
Die Haltung von Eseln ist nicht zu unterschätzen. Bild: Pixabay

Der Esel hat ein attraktives Aussehen, ist für wenig Geld zu haben und hat den Ruf, anspruchslos in der Haltung zu sein. Gerade Letzteres wird aber oft falsch verstanden. Zwar braucht der Esel kein teures Futter, aber man darf ihn auch nicht falsch füttern oder schutzlos im Freien halten, sonst wird er schnell krank.

Vernachlässigte Esel

Da Esel für wenig Geld zu haben sind, wird ihre Pflege oft vernachlässigt. Da sie nicht zeigen, wenn ihnen etwas fehlt, erkennt man oft zu spät, wenn ein Tier krank wird. Zahn- und Hufpflege kommen oft zu kurz. Die Eselmüller-Stiftung in Grasswil bei Bern hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Anlaufstelle für Esel in Not zu sein, sei es durch Beratung der Besitzer oder durch Vermittlung eines neuen Zuhauses. Edith und Wolfgang Müller, die Gründer der Stiftung, haben schon vor Jahren eselgerechte Stallungen für vernachlässigte Esel erstellt.

Nässe vermeiden

Die Ställe verfügen über einen Auslauf mit Sandboden, der direkt vor dem Stall mit wasserdurchlässigen Gummimatten oder Betonplatten belegt ist. «Esel brauchen einen harten Boden», betont Cindy Brüderlin, Mitarbeiterin der Stiftung. «Sie mögen keine Feuchtigkeit am Huf.» Zuerst hatten Müllers gut gemeint Holzschnitzel als Boden im Auslauf und Walderde im Stall verwendet, doch der Boden tat den Hufen nicht gut. Der Eselhuf ist nicht an feuchte Böden angepasst. Denn Esel stammen ursprünglich aus Wüstengebieten in Nordafrika. Damit der Boden im Stall trocken bleibt, ist er mit einer Mischung aus Holzpellets, Sägespänen und mit Häckselhanf eingestreut. Indem man die Holzpellets mit Wasser auflöst, entsteht eine saugfähige Mischung, die den Harn der Tiere aufnimmt. Ganze Holzpellets würden von den Tieren gefressen, warnt Edith Müller. Im Magen würden sie aufquellen, als Folge können sich Pfropfen bilden, die den Darm verschliessen. Es kommt dann zu lebensbedrohlichen Koliken. Damit die Esel den Häckselhanf aus demselben Grund nicht fressen, ist er mit Eukalyptusöl angereichert. Es ist auch wichtig, dass sich die Esel bei Regen in den Stall zurückziehen können oder dass sie auf der Weide über einen überdachten Unterstand verfügen. Denn das Fell der Esel saugt das Wasser auf. Das Fell fettet nicht und das Wasser dringt bis auf die Haut ein. Es dauere lange, bis das Fell abtrockne. Esel sind empfindlicher auf Nässe als Pferde und leiden schnell einmal an Nierenproblemen oder Lungenentzündungen.

Edith und Wolfgang Müller mit Benj. Bild: Michael Götz
Edith und Wolfgang Müller mit Benj. Bild: Michael Götz

Kurz auf die Weide

Die artgerechte Fütterung der Esel unterscheidet sich stark von jener der Pferde. «Esel sind keine kleinen Pferde», betont Müller. Während man Letztere in der Regel längere Zeit auf einer grünen Weide lassen darf, sollte man dies bei Eseln vermeiden. Je nach Futterangebot höchstens eine halbe bis eine Stunde pro Tag. Wie erwähnt, stammt der Esel aus wüstenartigen Gebieten, in denen nur karge Gräser oder Sträucher wachsen. Der Esel wird sich zwar das Gras schmecken lassen, aber sein Stoffwechsel ist überfordert. Er wird nicht nur übergewichtig, sondern auch vermehrt krank, vor allem anfällig für Hufkrankheiten, auch dann, wenn der Boden trocken ist. Getreide oder Brot ist für Esel ein No-Go. Esel sollten vor allem mageres Heu erhalten. Emd ist eine Notlösung und sollte mit sperrigem Heu oder mit pilzfreiem Stroh ergänzt werden. Nicht mehr als ein Viertel der Ration darf aus Gras bestehen. Selbst mit Rüebli oder Äpfeln muss man zurückhaltend sein. Mit Ästen von Laubbäumen und Haselstauden muss man nicht sparen, unbehandeltes Holz ist für die Tiere gut verdaubar und wichtig. Achtung, Eibe und Thuja sind giftig für Esel. Als Leckerbissen eignen sich Fenchel, Randen und Minze. Jeannine Zeller, ebenfalls Mitarbeiterin der Eselfachstelle, zeigt in der Gourmet-Küche die Futterzusätze, die sie für die Tiere vorbereitet. Es sind Mischungen aus Kräutern, Mineralsalzen und Spurenelementen, die sie und ihre Kolleginnen den Tieren zwei Mal täglich individuell füttern. Das Raufutter können die Tiere an Futterautomaten aufnehmen, die sich alle vier Stunden für 20 Minuten öffnen.

Zwei Mal täglich erhalten die Tiere Futterzusätze. Bild: Eselmüller-Stiftung
Zwei Mal täglich erhalten die Tiere Futterzusätze. Bild: Eselmüller-Stiftung

Botschafter und Pflegeplätze

Edith Müller bietet zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen auf dem Hof Ausbildungskurse zu verschiedenen Themen an. Vieles können sie direkt am Tier erklären. Hinter der Eselmüller-Stiftung steht nicht nur die Fachstelle mit dem Hof in Grasswil, sondern eine Vielzahl von Pflegeplätzen sowie ein ganzes Netzwerk von Esel-Botschaftern. «Dies sind eselaffine Leute, die wir ausbilden und die über die ganze Schweiz verteilt sind, erklärt Edith Müller. Zurzeit sind es 40 Personen. Kommt eine Meldung von einem vernachlässigten Esel, dann nimmt die Eselmüller-Stiftung zuerst Kontakt mit einem Esel-Botschafter auf, der in der Nähe wohnt. Dieser kann dank seines Fachwissens abklären, wie man dem Tier helfen kann und ob es nötig ist, den Fall dem Veterinäramt zu melden. Die Stiftung betreibt auch Pflegeplätze für Esel, wenn sie nicht mehr am angestammten Ort bleiben können. Sie verlangt für die Übernahme eines Esels eine Verzichtserklärung des bisherigen Eigentümers und übergibt ihn dann zur Pflege an einen der akkreditierten Pflegeplätze, erklärt Müller. Zurzeit bringt die Stiftung 20 Esel auf diese Art unter. Die Pflegeplatzbetreiber sorgen für die Esel. Die Kosten für das Futter, den Tierarzt und die Hufpflege übernimmt die Stiftung, da die Esel der Stiftung gehören. Tiere, die älter sind als 30 Jahre, erhalten einen Alterspflegeplatz.

Fremde sollten Esel nicht füttern, da die Halterinnen und Halter die Ration überlegt zusammengestellt haben. Bild: Michael Götz
Fremde sollten Esel nicht füttern, da die Halterinnen und Halter die Ration überlegt zusammengestellt haben. Bild: Michael Götz

Denken, dann handeln

Manche Leute halten einen Esel, weil er so liebenswürdig aussieht und günstig zu kaufen ist. Doch sie überlegen nicht, was auf sie zukommt. Es geht leicht vergessen, dass eine eselgerechte Haltung ihren Preis hat. «Zuerst denken und dann handeln», betont Edith Müller. Wer seinen Esel gut halten möchte, muss ihn nicht nur täglich richtig füttern und den Stall reinigen, sondern alle sechs bis acht Wochen eine Hufpflege und jährlich eine Zahnkontrolle machen lassen. Beides durch eine Fachperson. Rechnet man die Kosten zusammen, kommt man gemäss Müller auf 3500 bis 4000 Franken an Futter- und Fremdkosten pro Jahr. Der Esel ist ein soziales Tier, er darf gemäss Schweizer Tierschutzverordnung nicht ohne Artgenossen gehalten werden. Er lässt sich nicht auf Vorrat füttern, die Tierhalterin braucht eine Stellvertretung, wenn sie ein paar Tage nicht da ist. Auch das muss im Voraus abgeklärt sein. Esel können bis 40 Jahre alt werden. Einen Esel verantwortungsvoll zu halten ist eine Entscheidung für viele Jahre hinweg, die gut überlegt sein will.

Esel sind nicht stur

Eseln wird oft nachgesagt, dass sie stur seien. Ihre Eigensinnigkeit ist darauf zurückzuführen, dass sie aus Gebieten mit steinigen Wüsten, Geröllhalden und Sanddünen stammen. Kopflos davonzurennen ist da gefährlich. Im Gegensatz zum Pferd ist der Esel kein Fluchttier. Er bleibt zuerst einmal stehen und analysiert, ob eine Gefahr besteht. Diese Zeit muss man ihm lassen. Auch wenn Esel wehrhaft gegen Feinde sind, eignen sie sich nicht als Herdenschutztiere, da sie nur sich selbst, aber nicht andere Tierarten vor Feinden schützen.

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