Wildschweine zerstören Mais – und zeigen klare Vorliebe

In einem grossen Maisfeld in Truttikon haben Wildschweine massive Schäden hinterlassen. Dabei überrascht, dass sie eine der beiden Sorten im Feld vollständig geschont haben.

Die Wildschweine richteten im Maisfeld in Truttikon nur in den Reihen mit einer Sorte Schaden an, während sie die andere Sorte beidseitig völlig verschonten.
Die Wildschweine richteten im Maisfeld in Truttikon nur in den Reihen mit einer Sorte Schaden an, während sie die andere Sorte beidseitig völlig verschonten.

In der über 300 Meter langen Maisparzelle an der nordwestlichen Ecke des Truttiker Gemeindegebietes, im «Ghaa», zwischen Schlatter- und Trüllikerstrasse, haben Wildschweine intensiv gewütet und massive Schäden hinterlassen. Auf den ersten Blick sieht es überaus dramatisch aus. Doch beim näheren Hinsehen stellt man fest, dass nur gerade einmal acht Reihen arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. «Beim Säen ging der Samen aus und wir verwendeten für die letzten acht Reihen eine andere Sorte», erklärt der betroffene Landwirt Thomas Haupt. Eigentlich war die Saat des ganzen Feldes mit der Pioneer-Sorte p8436, die keinen Schaden zeigt, geplant gewesen. Da das Saatgut nicht ganz reichte, wurde die Sorte von Limagrain LG 31 32257 für zwei Saatbreiten angewendet. In diesen Reihen haben die Schwarzkittel ganze Arbeit geleistet, indem kein einziger Stängel mehr steht.

Energiereiche Sorte gewählt

Die Sorte Limagrain gilt als sehr ertragreich und kann als Silo-, Körner- und in Deutschland auch als Energiemais verwendet werden. Dieser mittelfrüh reifen Dreinutzungssorte werden ein hoher Stärkegehalt und eine gute Verdaulichkeit attestiert. Die entsprechend andere Sorte, p8436, die vom gefrässigen Schwarzwild geschont wurde, weist eine hohe Faserverdaulichkeit und einen hohen Stärkegehalt auf. Sie gilt als kompakter Zahnmais mit einem hohen Ertragspotenzial und verfügt auch über einen guten Stärkeverdaulichkeitsindex.

Zum Zeitpunkt, als die Wildschweine den Schaden verursachten, mögen sich wohl die beiden Sorten geschmacklich sehr unterschieden haben. Man weiss, dass das Schwarzwild beispielsweise dank seinem besonderen, äusserst ausgeprägten Geschmackssinn in der Lage ist, Unterschiede bei Kartoffelsorten wahrzunehmen und Giftpflanzen zu erkennen. Die feine Nase hilft den Wildschweinen auch dabei, eiweissreiche Nahrung wie Insektenlarven, Mäusenester oder andere Kleintiere im Boden aufzuspüren.

Weisser Mais geschont

Bereits 2011 wurde von der damaligen Jagdgesellschaft Kohlfirst und in enger Zusammenarbeit mit Ufa-Samen an verschiedenen Standorten in Uhwiesen und Flurlingen sowie auf einem Wildacker in Benken ein spezieller Versuch gestartet. Dabei wurden jeweils zwei Reihen breit weisser und konventioneller gelber Mais angesät, wobei keine Schutzmassnahmen ergriffen wurden. Der Praxistest erfolgte nach Erfahrungen eines grossen, von der ETH angelegten Versuchs mit gelbem und weissem Mais, um den Pollenflug genau zu ermitteln. In einigen dieser Versuchsfelder hatte man festgestellt, dass die Wildschweine sich nur über die Pflanzen der gelben Sorte hermachten, aber den weissen Mais völlig schonten. Basierend auf diesen Erfahrungen, kam der Versuch am Kohlfirst zustande. Hanspeter Hug, der dazumal bei Ufa-Samen tätig war und diesen Versuch fachlich begleitete, bezog sich dabei auch auf Erfahrungen mit dem Dachs, der quer durch einen grossen Sortenversuch ganz spezifische Sorten für das Stillen seines Hungers wählte. Dieses Verhalten führte Hug auch auf die besonderen Eigenschaften und Inhaltsstoffe zurück, welche einen sortenbedingten Geschmack ergeben. Die feine Sensorik von Dachs und Wildschwein bezüglich der Geschmacksnerven ist in der Lage, solche Geschmacksunterschiede zu erkennen. Ob sich im Truttiker Maisacker in diesem Sommer Ähnliches abgespielt hat, lässt sich nur vermuten. Doch es ist gut möglich, dass die Wildschweine den Unterschied der beiden Maissorten wahrgenommen haben. Allenfalls könnte eine gezielte Sortenwahl mithelfen, an besonders gefährdeten Standorten Schäden zu verringern oder gar zu vermeiden.

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