Gesunde Pansenfunktion für mehr Leistung im Stall
Eine stabile Mikrobiota im Pansen ist die Grundlage für eine effiziente Futterverwertung, eine gesunde Verdauung sowie für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Wiederkäuer. An der Multiforsa Farm Academy 2026 in Oberstammheim stand der Pansen der Kuh im Fokus.
«Eine gesunde Pansenfunktion für hohe Leistungen – das Potenzial des Grundfutters optimal nutzen» war das Thema der Farm Academy im Landgasthof Schwert in Oberstammheim. Gastgeber war das in der Tierernährung und Tiergesundheit tätige Unternehmen Multiforsa, das neben entsprechenden Produkten auch Fachwissen und Beratungsleistungen für Landwirte anbietet. Die rund 40 Besucher wollten erfahren, wie die Pansenmikroorganismen (Mikrobiota) als unverzichtbare «Mitarbeiter» der Kuh bestmöglich unterstützt werden können. Eine stabile Mikrobiota im Pansen ist die Grundlage für eine effiziente Futterverwertung, eine gesunde Verdauung und damit für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Kuh. Wiederkäuer haben vier Mägen. Im Pansen bauen Mikroorganismen die Zellulose ab und im Netzmagen wird die Nahrung sortiert und grobe Partikel zum Wiederkäuen in den Mund zurückgeschickt. Im Blättermagen wird die Nahrung stark entwässert, wobei zahlreiche blattartige Falten die Oberfläche erhöhen und dadurch helfen, die Flüssigkeit zu resorbieren und weitere Nährstoffe aufzunehmen. Der kleinste Magen ist der Labmagen, der mit dem menschlichen Magen vergleichbar ist. Dort wird der pH-Wert der Nahrung stark gesenkt, um das Eiweiss zu verdauen.
Schwitzen beim Fressen
«Der Pansen ist die Biogasanlage der Kuh», sagte Michael Leu, Mitglied der Geschäftsleitung von Multiforsa. Er erklärte anhand von Untersuchungen und chemischen Analysen den Verdauungsapparat der Kuh und das Zusammenspiel im Pansen, der mit einem Volumen von 120 bis 150 Litern der grösste der vier Mägen ist.
Milliarden von Mikroorganismen in Form von Bakterien, Protozoen und Pilzen vergären im Pansen die Futterbestandteile. Dabei entstehen flüchtige Fettsäuren, die grösstenteils durch die Pansenwand absorbiert und zur wichtigsten Energiequelle der Wiederkäuer werden. Bei dem Prozess entsteht eine Stoffwechselwärme von 38 bis 41 Grad Celsius, die der Kuh insbesondere bei tiefen Temperaturen hilft, die Körpertemperatur zu halten. Da die Kuh täglich sechs bis zehn Stunden aktiv am Fressen ist und der Pansen ständig Wärme produziert, kann die Kuh schon ab 25 Grad in Hitzestress kommen. Das kann eine geringere Milchleistung, Fruchtbarkeitsprobleme oder die Schwächung des Immunsystems zur Folge haben. Um überschüssige Wärme abzugeben, reduziert die Kuh die Futteraufnahme, trinkt mehr und verändert auch ihr Verhalten. «Extrem wichtig ist die tägliche Wasseraufnahme von 50 bis 100 Litern», sagte Leu.
Leistung lässt nach
Leu betonte, dass die Pansenazidose eine der häufigsten Pansenfermentationsstörungen ist und dabei der pH-Wert im Pansen stark abfällt. Die Krankheitssymptome reichen vom Leistungseinbruch über starken Durchfall und Appetitlosigkeit bis zum Gewichtsverlust und zu sinkender Milchleistung. Die Folgen sind ein um bis zu einem Prozent tieferer Milchfettgehalt, schlecht verdauter Kot und Klauenprobleme. «Lange war man der Meinung, wenn das Futter genügend Struktur hat, dann ist der Pansen in Ordnung, und wenn man ein Problem hat, müsse man nur etwas mehr Heu füttern, um das Problem zu beheben», sagte Leu. Der Agronom sieht das Problem bei den Futterrationen nicht in einer unzureichenden Struktur, sondern in den hohen Stärke- und Zuckergehalten, die den Pansen-pH-Wert stark senken können. Je nach Anteil von Raygras, botanischer Zusammensetzung und Erntezeitpunkt weisen Gras, Heu, Emd und Grassilage oft relativ hohe Zuckergehalte auf. In der Schweiz ist der Anteil von Wiesenfutter in Rationen für Wiederkäuer häufig hoch. Der optimale Gehalt von wasserlöslichen Kohlenhydraten wie Zucker und Fructanen liegt bei 60 bis 70 Gramm pro Kilo Trockensubstanz, wobei diese Zielwerte in der Regel nicht eingehalten werden können und Futterumstellungen und Hitzestress das Problem noch verschärfen. Wenn das Futter umgestellt wird, sollte das in einem grösseren Zeitrahmen von drei bis vier Wochen erfolgen, weil es sonst zu Verdauungsproblemen kommen kann, da sich die Mikrobenpopulation erst an die neuen Nährstoffe anpassen muss. «Man kann viel machen, aber grundsätzlich sind auch die Grenzen gesetzt, weshalb der Einsatz eines Pansenstabilisators mit Lebendhefen zu empfehlen ist», sagte Alana Schudel, regionale Verkaufsleiterin bei Multiforsa. Lebendhefen stabilisieren den pH-Wert und unterstützen das mikrobielle Gleichgewicht. «Wir füttern in erster Linie nicht die Kuh, sondern die Pansenmikroben, damit sie möglichst gut funktionieren und eine optimale Futterverwertung schaffen», sagte Schudel und betonte, dass es für eine gute Futterverwertung ein optimales Pansenmilieu brauche.
Die Agraringenieurin Petra Philipps-Wiemann vom Unternehmen Lallemand, das mikrobiologische Produkte herstellt, erklärte anhand von komplexen wissenschaftlichen Studien den Einfluss der Lebendhefen auf die Pansenflora und die Futterverdaulichkeit. Sie liefern wachstumsfördernde Substrate für Mikroben und können den pH-Abfall im Pansen indirekt abmildern. Die Lebendhefe verbraucht im Pansen aktiv Sauerstoff, der ansonsten die Pansenmikroben stresst. Sie limitieren zudem die milchsäurebildenden Bakterien, die den pH-Wert im Pansen senken, fördern das Wachstum der faserabbauenden Bakterien und Pilze, verbessern die Besiedelung der Pflanzenzellwände, stimulieren den Abbau der Faserquellen und senken so das Risiko von Pansenazidose. Die Effekte sind eine stabilere Verdauung sowie eine verbesserte Futterverwertung, was zu einer Leistungssteigerung in der Milchproduktion führt.

