Europameisterin Beluah wird Zuhause gefeiert

Im April fand in Imst im Tirol die Braunvieh-Europameisterschaft statt. Felders Besco Beluah von Matthias und Fränzi Süess holte den Europameistertitel nach Andwil. Am vergangenen Samstag wurde die Europameisterin gefeiert.

Freudige Runde: Hans-Jörg Meier, Matthias Süess und Toni Thoma (von links).
Freudige Runde: Hans-Jörg Meier, Matthias Süess und Toni Thoma (von links).

So wurde die Europameisterin gefeiert: In der leeren Maschinenhalle fanden sich ein paar Hundert Menschen ein, Sponsoren, Verbände, Züchtergruppen und Bäuerinnen unterstützten die Feier.

«S Wetter isch nütz», meinte Alfred Stricker, Regierungsrat aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden, als er an diesem Tag die Europameisterin Felders Besco Beluah persönlich ansprach. Die wiederum scherte sich weder um den Lärm, um Gratulationen, lobende Worte noch um den Bratwurstgeruch. Sie stand oder lag zwischen ihren drei Kolleginnen, die an der Braunvieh-Europameisterschaft in Imst im Tirol ebenfalls eine ausgezeichnete Bewertung erhalten hatten, und war die Gelassenheit selbst. Alle vier hatten einen Strohplatz samt Futter in der Halle bekommen: Haegar Heya, Champion Erstmelken, ebenfalls aus dem Stall von Matthias und Fränzi Süess und jetzt in Besitz von Armin Schlatt; Phil Daesy, 2. Rang in der Abteilung 10, von Bruno Manser aus Muolen und Phil Pinia, 1. Rang in der Abteilung 11, von Hansueli Lanker aus Waldstatt.

Viele packten an

«S Wetter isch nütz», hatte sich manche Bauernfamilie letzten Samstag gedacht und sich nach Andwil zu Matthias und Fränzi Süess auf die Chueweid aufgemacht. Zum Heuen war das Wetter tatsächlich nichts, und so wurden die Gastgeber regelrecht überrannt. Die Kapelle Tüüfner Gruess spielte, die Kinder spielten mit Traktoren, Appenzeller stellten sich spontan zu einem Zäuerli zusammen und fleissige Frauen schleppten Geschirr, füllten selbst gemachte Salate auf und holten später einen Kuchen um den anderen aus dem Kühlwagen, den die Bäuerinnen nach einem Aufruf im Gruppenchat ebenfalls selbst gebacken hatten. Draussen grillierten die Spezialisten im Akkord. Am 14. April war Beluah Europameisterin geworden. Danach hatte sie einen Monat in Quarantäne bleiben müssen. «Derweil durfte ich Gratulationen entgegennehmen, die Zeitungen riefen an, wollten eine Stellungnahme und wir waren einfach stolz», sagte Matthias Süess. Er schüttelte unzählige Hände und nahm Glückwünsche entgegen. «Ein solcher Titel ist für die ganze Schweiz wichtig, denn die Genetik hat mit solch einer Auszeichnung mehr Wert. Wir selber haben einfach Ruhm und Anerkennung», stellte er fest.

Hans-Jörg Meier, der neue Präsident des St. Galler Braunviehzuchtverbands, doppelte nach. «So ein Europameistertitel ist ein Aushängeschild für die Braunviehzucht. Jede vierte Braunviehkuh in der Schweiz ist eine St. Gallerin. Das motiviert und ist für alle ein freudiges Ereignis. Wir pflegen auch eine enge Zusammenarbeit mit den Appenzeller Züchtern.» So ein Titel sei der Traum jedes Züchters.

Viele waren gekommen, um den Europameistertitel zu feiern.
Viele waren gekommen, um den Europameistertitel zu feiern.

Offizielle Reden

Weil dieser Titel so einen hohen Stellenwert hat, gab es auch offizielle Reden. Roman Schirmer, Präsident der Züchtergruppen des St. Galler Braunviehzuchtverbands, erklärte das Auswahlverfahren, das mit einer Vorschau mit 120 Kühen begonnen hatte. Elf Kühe gehörten schliesslich zur Braunvieh-Nationalmannschaft in Imst. Schirmer nannte die Vorzüge aller vier Rangierten, die an diesem Tag mitfeiern durften. «So weit kann man es nur bringen, wenn man die Tiere das ganze Jahr gut betreut und pflegt», meinte er. «Die Kühe haben den Kanton St. Gallen und die ganze Schweiz stolz gemacht.» Toni Thoma, der Andwiler Gemeindepräsident, strahlte ebenfalls. Der Bauernsohn, der sich wieder einmal nahe bei seinen Wurzeln fühlte, nannte den Europameistertitel ein «aussergewöhnliches Ereignis für das beschauliche Dorf Andwil». Matthias Süess pflege das Brauchtum, was er auch mit seinem Engagement für die Viehschau in Andwil beweise.

Dranbleiben und hochhalten

«Die Appenzeller mischen mit, wenn es um die Wurst geht», sagte Alfred Stricker, Meisterlandwirt und Regierungsrat, und meinte damit das gute Abschneiden von Hansruedi Lankers Pinia an der Europameisterschaft. Er machte darauf aufmerksam, was es heisst, nach einem Erfolg oben zu bleiben. Dranbleiben, erarbeiten, folgen, mittragen. Der Titel sei ein Qualitätszeugnis. Das Grusswort von Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands, ging im Stimmengewirr beinahe unter. Auch er betonte die Bedeutung des Titels für die Ostschweiz. «Die Milchwirtschaft ist der wichtigste Teil unserer Landwirtschaft. Unser Grünland müssen wir hochhalten», sagte er. «Solche Momente zeigen, wie wichtig die Landwirtschaft und die Tierhaltung sind. Wir müssen der Bevölkerung zeigen, was wir machen.» Gerade an Viehschauen sei solch ein Austausch möglich.

Felders Besco Beluah von Matthias und Fränzi Süess holte den Europameistertitel nach Andwil. Bild: Braunvieh Schweiz
Felders Besco Beluah von Matthias und Fränzi Süess holte den Europameistertitel nach Andwil. Bild: Braunvieh Schweiz

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