Blauzungenkrankheit bleibt Thema bei Schafen und Rindern
Am 6. Januar 2026 informierten Tierärztinnen der Tierklinik Nesslau Grosstiere GmbH über aktuelle Tierkrankheiten bei Schafen und Ziegen. Im Fokus stand die Blauzungenkrankheit sowie weitere Jungtierkrankheiten. Impfungen und Biosicherheit bleiben zentrale Massnahmen zur Vorbeugung.
Die Tierärztinnen Myriam Klopfstein und Tanja Gächter informierten über jene Tierkrankheiten, welche die Halter von Schafen und Ziegen am meisten beschäftigt: die Jungtierkrankheiten Pasteurellose, Lippengrind und Breiniere und ein so ziemlich weiterhin brennendes Thema: die Blauzungenkrankheit. Die Blauzungenkrankheit wird auch in Zukunft bei den Landwirten eine Rolle spielen. Zusammengefasst empfehlen die Tierärztinnen die Impfung, wie es auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) macht.

Entwicklung in der Schweiz
Bis zur vektorfreien Zeit (Winter 2024/25) sind knapp 2000 Seuchenmeldungen eingegangen. Vor allem betroffen: Rinder und Schafe. Das BLV und die Tierärzte wollten diese Zeit nutzen, um sich eine Impfstrategie 2025 zurechtzulegen. Doch die schweizweiten Fälle nahmen nicht im erhofften Ausmass ab. Grund waren die vielen «Dummy»-Kälber, die nach der ersten Infektionswelle zur Welt kamen, also Kälber mit Hirnmissbildungen, die nicht imstande waren, selbstständig zu saugen. Eine Untersuchung ergab, dass die Hirnmasse bei solchen Kälbern stark reduziert war und im Extremfall nur die Grösse eines Ping-Pong-Balles hatte.
«Dummy»-Welle wird erwartet
Bei den Fällen der Tierklinik Nesslau Grosstiere GmbH waren mehrheitlich Rinder betroffen, die aufgrund einer Infektion mit dem BTV-3- Virustyp erkrankten. Letztes Jahr war es der Virustyp BTV-3, der im Toggenburg für Krankheitsfälle sorgte, und im Spätherbst wurde BTV-8 bei einem Tier in Wattwil nachgewiesen. Das Obertoggenburg blieb vermutlich vom Virustyp BTV-8 im 2025 verschont. Bei der Impfung setzte man auf den Typ BTV-3. Myriam Klopfstein erläuterte die Fallzahlen bei Rindern, Schafen und Ziegen 2025. Bei den Ziegen war feststellbar, dass sie häufig einen milderen Verlauf zeigen. Die Tierärztinnen beobachteten, dass es grundsätzlich unterschiedliche Verläufe gab. Es gab Betriebe, eine kleine Zahl, die stark betroffen waren, aber es gab auch Tiere, die fast oder gar keine Symptome zeigten. Wenig überraschend war, dass es häufig frischgekalbte Kühe erwischte. Zudem gab es im Herbst 2025 viele Totgeburten bei den Rindern. Anders als in anderen Schweizer Regionen erwartet man im Toggenburg, dass die Geburtswelle der «Dummy»-Kälber erst noch kommt. Bisher gab es nur vereinzelte Fälle im Toggenburg. Im vergangenen Jahr wurde in der Ostschweiz gegen das BTV-3-Virus geimpft. In der Schweiz wütete vor allem die Virusvariante 3 und 8 (mit regionalen Unterschieden), wobei die Variante 4 grenznah ist. Seitens BLV und der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte (VSKT) wird empfohlen, BTV 3, 8 und 4 zu impfen.
Auch Doppelinfektionen oder ein genetischer Austausch bei den Viren und somit eine neue Variante sind möglich. In diesem Zusammenhang wurde an diesem Abend auch über die Biosicherheit referiert. Diese ist ein zentrales Element für die Gesunderhaltung von Tieren und wird an Bedeutung zunehmen, da sie eine wichtige Prophylaxe bei der Verbreitung von Krankheiten und Tierseuchen darstellt.

Jungtiere gesund und dann tot
Pasteurellose ist eine der häu- figsten Jungtiererkrankungen bei kleinen Wiederkäuern. Vor allem Mastlämmer sind betroffen. Aber auch Geissen bleiben nicht verschont. Die Pasteurellen befallen die Lunge und können einen heftigen Krankheitsverlauf zeigen. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen. Im Sommer 2025 traf es viele Schafbetriebe im Oberen Toggenburg. Bei jungen Tieren endet die Krankheit nicht selten tödlich. Aufgrund des schnellen Krankheitsverlaufs können die Tiere schnell sterben, ohne vorher Symptome gezeigt zu haben. Bei älteren Tieren sind Fieber und Fressunlust zu beobachten, ähnlich wie bei einer Lungenentzündung. Eine definitive Diagnose ist nur via Sektion am toten Tier möglich. Die Lungen haben die Konsistenz einer Leber und sind nicht mehr belüftet. Bei betroffenen Betrieben wird neben dem Erregernachweis auch dringend ein Antibiogramm empfohlen. Eine schnelle Therapie mit einem wirksamen Antibiotikum ist ein entscheidender Faktor für den Verlauf der Krankheit. Mit einer guten Mineralstoffversorgung, Colostrum und dem Impfen des Muttertiers kann vorgebeugt werden.
Lippengrind breitet sich aus
Das Lippengrindvirus befällt Ziegen, Schafe und Gämsen. Es kann sein, dass die Tiere das Virus in sich tragen, ohne ein Symptom zu zeigen. Am meisten gefährdet sind Lämmer bis sechs Monate alt, aber auch erwachsene Tiere können erkranken, insbesondere wenn sie zum ersten Mal Kontakt mit dem Virus haben. Das Virus überlebt lange in der Umgebung, beispielsweise in der Wolle der Tiere oder der Einstreu. Die Übertragung erfolgt direkt über virushaltigen Nasenausfluss (Sekrete bei «Schnoder») oder indirekt über kontaminiertes Material wie Wolle oder Schermaschine. Lämmer können sich auch beim Saugen anstecken, wenn das Muttertier Läsionen am Euter aufweist. Faktoren wie Überbelegung, kontaminierte Tränken, Ausstellungen oder Transportstress wirken sich negativ aus.
Bläschen an diversen Stellen
Am bekanntesten ist die Erkrankungsform an den Lippen. Die Bläschen platzen auf, die Flüssigkeit tritt aus und es bilden sich Krusten. Es gibt auch bösartigere, blumenkohlartige Formen, die beispielsweise innere Schleimhäute betreffen, was bei den Lämmern das Saugen schmerzhaft macht, und als Folge resultieren Kümmerer oder Abgänge. Weitere Formen betreffen den Genitalbereich oder die Klauen, im schlimmsten Fall fällt die Klaue weg. Die Krusten müssen sorgfältig entfernt und die Stellen mit Jod behandelt werden. Bei der gefährlichen Form kommen Antibiotika und Schmerzmittel zum Einsatz. Eine Übertragung auf den Menschen ist ebenfalls möglich. Darum ist es notwendig, im Umgang mit erkrankten Tieren Handschuhe zu tragen. Ein Impfstoff ist nicht mehr verfügbar.

Die Breinierenkrankheit
Die dritte von den Tierärztinnen vorgestellte Jungtiererkrankung ist die Breinierenkrankheit. Das Bakterium kommt überall im Boden vor, wird von den Tieren beim Weiden aufgenommen. Bei einem normal funktionierenden Verdauungssystem ist das Bakterium keine Gefahr. Kann sich das Bakterium allerdings im Darm vermehren, kann es Giftstoffe bilden. Bei den Schafen kommt der Giftstoff über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf und führt zur massiven Schädigung von Nieren und Leber. Der rasante Krankheitsverlauf bei Jungtieren sorgt dafür, dass die Tierhalter häufig nur noch ein totes Lamm vorfinden. Todesursache: Schock durch Vergiftung. Bei erwachsenen Schafen ist der Verlauf langsamer, mit Symptomen wie Durchfall, ein aufgeblähter Bauch und Schreckhaftigkeit. Bei einem Verdacht sollten die Tiere von der Weide genommen werden und mit strukturreichem Futter gefüttert werden. Bei den Ziegen wirken die Giftstoffe mehr im Darm direkt, es zeigen sich Durchfallsymptome und sie entwickeln eine hochgradige Darmentzündung. Tiermedizinische Behandlung: Infusionen, Antibiotika hochdosiert, Entzündungshemmer, Schmerzmittel und Aktivkohle. Bei den schnellen Verlaufsformen kommt die Therapie meistens zu spät. Die wirksamste Prophylaxe ist eine wiederkäuergerechte Fütterung und langsame Futterumstellung, zum spezifischen Schutz können die Tiere geimpft werden.
