Yann Storchenegger ist Jäger und Sammler alter Grunder

Der 24-jährige Landmaschinenmechaniker Yann Storchenegger aus Tägerwilen widmet sich mit grosser Leidenschaft historischen Landmaschinen. Er restauriert in seiner Freizeit alte Traktoren und Einachser der Marke Grunder.

Yann Storchenegger ist ein grosser Fan von Oldtimer-Traktoren und -Einachsern der Marke Grunder.
Yann Storchenegger ist ein grosser Fan von Oldtimer-Traktoren und -Einachsern der Marke Grunder.

Yann Storchenegger zieht das staubschützende Tuch weg. Zum Vorschein kommt sein altes Schmuckstück «Lotti». Der 24-Jährige lacht und sagt: «Fast alle meine Oldtimer haben einen Namen. Als ich diesen alten Grunder-Traktor zum ersten Mal sah, wirkten die schielenden Scheinwerfer wie Augen. Sofort musste ich an das Mani-Matter-Lied denken: ‚Ds Lotti schilet, niemmer weis wo’s mit de Ouge häre zilet.‘ So entstand der Name.» Der junge Sammler aus Tägerwilen besitzt bereits mehrere historische Fahrzeuge: vier alte Grunder-Traktoren und rund zehn Grunder-Einachser, die er restauriert hat oder noch restaurieren möchte. Seine Leidenschaft teilt er mit seinem Onkel Theo, dem Zwillingsbruder seines Vaters Werner Storchenegger. Gemeinsam haben sie zudem einen alten Bührer-Traktor. Darüber hinaus besitzt Yann Storchenegger einen rechtsgesteuerten gelben Saurer-Lastwagen mit Kranvorrichtung, der für Transporte eingesetzt wird. «Der alte Saurer-Lastwagen ist mein zweites Hobby», verrät Yann Storchenegger.

Einblick in die Oldtimer-Sammlung von Yann Storchenegger mit Lotti im Vordergrund.
Einblick in die Oldtimer-Sammlung von Yann Storchenegger mit Lotti im Vordergrund.

Altes Werkzeug aufbewahrt

Auf die Frage, wann seine Leidenschaft für Traktoren begonnen habe, erzählt der Tägerwiler schmunzelnd: «Das fing schon an, als ich noch im Kinderwagen sass.» Bereits als kleines Kind habe er jedem vorbeifahrenden Traktor nachgeschaut, mit Traktoren gespielt und eigene Modelle gebastelt. Sein Vater Werner arbeitete früher als Gemüsegärtner und kam oft mit einem Traktor direkt vom Feld nach Hause, ein grosses Highlight für ihn. Sein Grossvater väterlicherseits, ein gelernter Schlosser, habe eine eigene Werkstatt betrieben und einen alten Grunder-Einachser besessen. Ebenso sein Onkel Theo, der noch immer solche Fahrzeuge besitzt. Dadurch sei er früh mit dieser Marke in Berührung gekommen, was den Grundstein für seine heutige Leidenschaft für Grunder-Oldtimer gelegt hat. Yann Storchenegger bewahrt zudem altes Werkzeug seines Urgrossvaters und seines Grossvaters auf. Einige dieser Stücke seien über 100 Jahre alt und kommen heute wieder in seiner Hobby-Werkstatt zum Einsatz, darunter auch eine Bohrmaschine seines Urgrossvaters.

Samstags in der Werkstatt

Yann Storchenegger ist Landmaschinenmechaniker und absolviert derzeit eine Weiterbildung zum Diagnosetechniker. Seine Lehre hat er bei der Firma Germann Sanitär- und Landtechnik AG in Hörhausen gemacht. Nach der Rekrutenschule kehrte er in denselben Betrieb zurück, wo er noch immer arbeitet. Der Oldtimer-Fan verbringt den Samstag jeweils in seiner Werkstatt, wo er mit seinem Onkel Theo Fahrzeuge repariert. «Ich schätze es sehr, mit Theo Zeit zu verbringen und zusammenzuarbeiten. Wir sind beide Perfektionisten und ergänzen uns optimal; er als Elektriker und ich als Landmaschinenmechaniker.»

Der alte Saurer-Lastwagen mit Kranvorrichtung.
Der alte Saurer-Lastwagen mit Kranvorrichtung.

Das Schulabschlussprojekt in der Oberstufe sei eine 30-Stunden-Arbeit gewesen und damit das erste gemeinsame Projekt. Yann Storchenegger hat dabei einen Grunder-Einachser restauriert. Es sei für ihn klar gewesen, dass der tatsächliche Aufwand deutlich über diesem Zeitrahmen liegen würde. Am Ende seien es rund 600 Stunden geworden. Dafür habe er die Note 6 erhalten. Die Schulzeit habe er jedoch nicht nur positiv in Erinnerung. Wegen seiner Leidenschaft sei er immer wieder belächelt worden. Seine Schulkameraden hätten mit Spielkonsolen gespielt. «Eine Spielkonsole hatte ich nie. Ich war ein Aussenseiter und zog es vor, mit meinem Grossvater mit dem Traktor unterwegs zu sein.» Schon mit zwölf Jahren habe er erstmals selbst diesen Traktor gefahren. Seine Mutter habe davon nichts gewusst und es erst später erfahren, verrät er mit einem verschmitzten Lachen.

Die Augen offen halten

Den entscheidenden Anstoss für das Schulabschlussprojekt erhielt er von Charly Heckelsmüller, dem damaligen Vizepräsidenten des Vereins Freunde alter Landmaschinen, Sektion Ostschweiz. Von ihm erfuhr er, dass in Obermauren ein alter Grunder-Einachser abzugeben sei, der sonst im Alteisen gelandet wäre. Inzwischen ist Yann Storchenegger selbst Mitglied im Verein. Der Austausch und die Gespräche mit Gleichgesinnten seien für ihn besonders wertvoll. Über Online-Verkaufsplattformen findet er immer wieder Nützliches: von Ersatzteilen bis zu Grunder-Sammlerstücken wie Prospekten, Zeitschriften, Betriebsanleitungen oder alten Ölkanistern. Er bezeichnet sich nicht nur als Sammler, sondern auch als Jäger, «Ich bin förmlich auf der Jagd nach historischen Grunder-Zeugnissen. Man muss einfach die Augen offen halten.» Der Grunder-Oldtimer-Fan erzählt, dass er fehlende Teile, die sich nirgends auftreiben lassen, bei Bedarf selbst anfertige. «Geht nicht, gibt es nicht. Es gibt immer eine Lösung.»

Alte Grunder-Ölkanister.
Alte Grunder-Ölkanister.

Geschichten faszinieren ihn

Das älteste Fahrzeug in seiner Sammlung ist eine Grunder-Mähmaschine aus dem Jahr 1931. Besonders faszinieren ihn die Geschichten hinter den Fahrzeugen und Geräten. An Oldtimer-Treffen, an denen oft ältere Leute teilnehmen, erfahre er immer wieder Spannendes aus vergangenen Zeiten. Von einigen seiner Gerätschaften kennt er die Vorgeschichte genau, über andere weiss er hingegen kaum etwas.

Seine Freundin Thyra habe sich kürzlich beklagt, sie habe keinen Traktor zum Ausfahren. Wie es der Zufall wollte, sei er dann auf dem Weg zu ihr auf einen alten roten Grunder-Traktor gestossen, der am Strassenrand stand. Er konnte ihn kurzerhand kaufen, sodass seine Freundin nun ebenfalls mit einem Traktor ausfahren kann. Momentan lerne sie, damit zu fahren. Ziel sei es, künftig gemeinsame Ausflüge zu unternehmen. Yann Storchenegger besitzt auch einen aus Kriegszeiten stammenden Grunder-Traktor. Die Originalfarbe sei hellblau mit roten Felgen gewesen. Doch irgendwann sei das Fahrzeug umgepinselt worden. Er freue sich darauf, dieses bald restaurieren zu können. «Da wartet noch ganz schön viel Arbeit auf mich», bemerkt er.

Die mindestens 100 Jahre alte Bohrmaschine des Urgrossvaters.
Die mindestens 100 Jahre alte Bohrmaschine des Urgrossvaters.

Technik rasant weiterentwickelt

Die Weiterbildung zum Diagnosetechniker fordere ihn stark, weshalb seine Oldtimer derzeit manchmal in den Hintergrund rückten. Dabei eigne er sich viel Wissen über moderne Technik an, um später Diagnosen zu stellen und Reparaturen an modernen Traktoren ausführen zu können. Heute sei alles auf Komfort ausgerichtet; etwa Spurführung, luftgefederte Sitze sowie geräuschgedämmte und staubdichte Kabinen. Fahrer solcher Maschinen könnten kaum mehr selbst etwas reparieren. Dafür brauche es ausgebildetes Fachpersonal. Früher habe ein handwerklich begabter Landwirt vieles eigenständig erledigen können. «Ich erschrecke, wie sich die Technik seit Beginn meiner Tätigkeit in diesem Beruf rasant weiterentwickelt und verbessert hat.»

Jedes Mal, wenn er seine Werkstatt mit den Oldtimern betritt, tue er dies mit Begeisterung. Er habe grosse Freude an seinen Fahrzeugen und ganz besonders daran, wenn eines davon nach einer Reparatur wieder zum Leben erwache. Für ihn sei es ein wichtiger Ausgleich und eine Art Entschleunigung zum Arbeitsalltag. Doch einen Traum habe er noch: «Gerne hätte ich einen Grunder-Traktor Typ E mit Sechszylinder-Chevrolet-Motor.»

Freude an Oldtimern

In loser Folge stellt der «St. Galler Bauer» Oldtimer-Freunde und ihre Fahrzeuge vor. In jedem Oldtimer steckt ein Stück Zeitgeschichte. Was macht den Oldtimer für seinen Halter so besonders? In dieser Ausgabe stellt Yann Storchenegger aus Tägerwilen seine Grunder-Traktoren vor.

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