Der junge Sammler alter Landmaschinen

Bei Severin Landolt aus Grub im Kanton St. Gallen stehen ausgefallene Oldtimer hoch im Kurs. Der 26-Jährige besitzt viele historische Landmaschinen und Geräte, die teilweise im eigenen Museum ausgestellt sind. Speziell faszinieren ihn alte Traktoren, die mehrheitlich in der Schweiz gebaut wurden.

Der Hürlimann D 85 SSP ist für Severin Landolt einer seiner Lieblingstraktoren.
Der Hürlimann D 85 SSP ist für Severin Landolt einer seiner Lieblingstraktoren.

Trotz Hightech und Digitalisierung in der heutigen Zeit lösen alte Traktoren magische Reize aus. Viele Hobbyrestaurateure sammeln solche Zugmaschinen, machen sie fahrtüchtig und lassen ihre Oldtimer in neuem Glanz erstrahlen. Einer von ihnen ist Serverin Landolt im st.-gallischen Grub. Seine Traktorensammlung zählt zwölf Modelle mit Jahrgängen, die bis ins Jahr 1951 zurückreichen. Seit 2022 sitzt er im Vorstand der Freunde alter Landmaschinen Sektion Ostschweiz (Falso). Dieser Verein hat 745 Mitglieder und engagiert sich für den Erhalt alter Landtechnik. Zudem organisiert er Ausfahrten und dient als Plattform, um Fachaustausch und Geselligkeit zu pflegen.

Vom Traum zum Museum

Im Feldmoos in Grub stehen ausgewählte Traktoren in Reih und Glied bereit zur Präsentation. Severin Landolt hat soeben noch einen Steyr 540 A parkiert und erklärt zur Begrüssung: «Mich beeindrucken diese Zeugen der Vergangenheit, weil sie aus wenigen Bestandteilen entwickelt wurden und heute noch funktionieren.»

Die Begeisterung für alte Traktoren reicht bei Severin Landolt zurück in die Kindheit: «Fasziniert beobachtete ich jeweils einen Sammler, der mit einem Lanz Bulldog durch unser Dorf knatterte.» Als kleiner Junge wollte Severin Landolt einen Hürlimann D 115 ausfindig machen, den einst sein Grossvater besessen hatte – jedoch ohne Erfolg. Als 15-Jähriger kaufte er den ersten Traktor, einen Hürlimann D 85 SSP mit Jahrgang 1958. «Zu meinem Lehrabschluss schenkte ich mir einen Zetor 4712, den ich in München aufgespürt hatte», erinnert er sich und ergänzt: «Ein Modell dieser tschechischen Marke hatte mein Vater auf seinem Landwirtschaftsbetrieb eingesetzt.»

Bereits als Jugendlicher sammelte Severin Landolt auch seltene Motormäher, Standmotoren, handbetriebene Bohrständer und viele landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge. Mit seinem Jugendfreund Kevin Stuber aus Kradolf eröffnete er 2019 in Neukirch an der Thur ein landwirtschaftliches Museum. Darin steht auch eine historische Dreschmaschine, die von den beiden Tüftlern wieder zum Funktionieren gebracht wurde.

Weil der Hatz TL 13 kein synchronisiertes Getriebe hat, müssen die Gänge mithilfe von Zwischengas geschaltet werden.
Weil der Hatz TL 13 kein synchronisiertes Getriebe hat, müssen die Gänge mithilfe von Zwischengas geschaltet werden.

Raritäten mit Charakter

Die Traktorensammlung von Severin Landolt lässt das Herz jedes Landtechnik-Fans höherschlagen: Hier stehen Unikate und Modelle aus Kleinserien wie auch Fahrzeuge, die von Pionieren erschaffen wurden. Vier Traktoren hat Severin Landolt eingelöst und benutzt sie für Ausfahrten. Der Steyr 540 A kommt regelmässig im bäuerlichen Alltag zum Einsatz. Er wurde 1971 gebaut, hat einen Dreizylindermotor und eine Nennleistung von 40 PS. Zwei Traktoren rüstete Severin Landolt mit einem Mähbalken nach, um das Gras nach längst vergangener Methode schneiden zu können. Einer dieser Veteranen ist der Hürlimann D 85 SSP mit einem wassergekühlten Viertaktmotor. Der andere ist ein Hatz TL 13, der 1959 in Niederbayern hergestellt wurde. Seine bauchige Motorhaube sorgte damals mit ihrem modernen Design für Aufsehen. Severin Landolt startet kurzerhand den Motor und tuckert mit angehängtem Güllefass über die Feldstrasse. Dass das Rattern des Einzylindermotors wie Musik in seinen Ohren klingt, verrät sein Grinsen beim Vorbeifahren. Der Mann hat breite Fachkenntnisse und weiss zu jeder Rarität eine passende Geschichten zu erzählen: «Der Alpina Oekonom LD 4 war mit mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern doch etwas zu langsam und zu laut. Deshalb verbesserte ich sein Getriebe und erreichte damit 32 Kilometer pro Stunde. So kann ich bei halbem Gas und 25 Kilometer pro Stunde optimal unterwegs sein.»

Severin Landolt entfernt die Batterie bei einem Alpina Oekonom LD 4, der 1963 in Gossau hergestellt wurde.
Severin Landolt entfernt die Batterie bei einem Alpina Oekonom LD 4, der 1963 in Gossau hergestellt wurde.

Schweizer Kuriositäten

Von den rund 140 ehemaligen Schweizer Traktorenherstellern waren Bührer und Hürlimann die meistverkauften Marken. Auf den nächsten Plätzen folgten während Jahren Meili-Traktoren, die in Schaffhausen und später in Schübelbach gebaut wurden. Severin Landolt besitzt drei Modelle davon und präsentiert den ME 52 mit Jahrgang 1954. Die Besonderheit der Motorhaube demonstriert er mit einem Handgriff: «Vom Führersitz aus kann ich zwei Klappen bewegen. Damit wird durch mehr oder weniger Gegenwind die Temperatur des Kühlwassers reguliert.» Angesprochen auf das orangefarbene Gefährt, kommt der Oldtimer-Fan ins Schwärmen: «Hier steht der Prototyp eines Schwarz Cultivac AP 20. Seine eckige Haube bekam in der Serienproduktion eine gerundete Form.» Dieses Modell mit senkrechtem Steuerrad und Handgas wurde von der Gemüsebaufirma Schwarz in Villigen im Aargau konstruiert. Für den Einsatz im Gemüsebau wurde ein Fahrzeug entwickelt, das auch in der Gegenrichtung gefahren werden konnte. Severin Landolt schraubt den Sitz ab, montiert ihn auf der Gegenseite und erklärt: «Auch Kupplungs- und Bremspedal wechseln beim Umbau mithilfe eines speziellen Gestänges die Seite.»

An der Kühlerhaube des Meili ME 52 sind zwei Klappen zur Regulierung der Kühlwassertemperatur angebracht.
An der Kühlerhaube des Meili ME 52 sind zwei Klappen zur Regulierung der Kühlwassertemperatur angebracht.

Volles Programm

Severin Landolt ist auf einem Bauernhof mit Schafhaltung in Wängi aufgewachsen. Er ist gelernter Schreiner und arbeitet auf seinem Lehrbetrieb in Bronschhofen. Seit Anfang Jahr wohnt er in Grub bei Rolf Bänziger, der einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 28 Kühen und 25 Stück Jungvieh führt. «Diesen Sommer beginne ich die Zweitausbildung zum Landwirt auf einem Betrieb in Rorschacherberg», beschreibt der 26-Jährige seine Zukunftspläne.

Severin Landolt demonstriert, wie der Schwarz Cultivac fürs Fahren in die Gegenrichtung umgebaut werden kann.
Severin Landolt demonstriert, wie der Schwarz Cultivac fürs Fahren in die Gegenrichtung umgebaut werden kann.

Seine Freizeit sei komplett ausgefüllt mit dem Restaurieren und Warten der Maschinen und der Pflege von Kontakten mit Gleichgesinnten. Am 19. September besuche er das Oldtimer-Treffen in Brunnadern. «In den vergangenen Jahren konnte ich nicht daran teilnehmen, weil jeweils am gleichen Tag die Viehschau stattfand. Trotz meiner Leidenschaft für alte Landtechnik hat die Viehschau Priorität», sagt er schmunzelnd. Auf die Frage, ob er als Oldtimer-Sammler noch offene Wünsche habe, antwortet er: «So ein Lanz Bulldog Typ TL aus den 1920er-Jahren wäre das Höchste der Gefühle.»

Freude an Oldtimer

In loser Folge stellt der «St.Galler Bauer» Oldtimer-Freunde und ihre Fahrzeuge vor. In jedem Oldtimer steckt ein Stück Zeitgeschichte. Was macht den Oldtimer für seinen Halter so besonders? Hier finden Sie weitere Beiträge von Menschen, die ihre Schmuckstücke präsentieren.

 

Das könnte Sie auch interessieren

stgallerbauer.ch Newsletter
Seien Sie die Ersten, um neueste Updates und exklusive Inhalte direkt in Ihren E-Mail-Posteingang zu erhalten.
Anmelden
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link